Grillhähnchen für 3000 Euro

Der echte Luxus findet auf (Charter-)Yachten statt. Die deutsche Kapitänin Jenny Maul erzählt Anekdoten

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Mallorca – Namen darf und will sie nicht nennen. Aber Geschichten und Anekdoten kann Jenny Maul (30) zuhauf erzählen. Viele Geschichten, und manche mögen normale Menschen, einfach jemand wie du und ich, kaum glauben.

Jenny Maul war mit 19 Jahren die jüngste Kapitänin in Spanien, heute ist sie „Patrón de Embarcación de Recreo”, „Patrón de Yate” und „Capitán de Yate”. Und sie hat viele Jahre im Business der Luxusyachten gearbeitet.

Wer denkt, er könne in einer der auch auf Mallorca reichlich vorhandenen und gut gebuchten Nobelherbergen, in Edelrestaurants oder beim Shopping so richtig Geld ausgeben, der liegt zwar richtig. Aber der ganz große Luxusurlaub findet auf dem Wasser statt. Kosten von einer halben Million Euro für eine Woche sind dabei keine Seltenheit.

Das beginnt schon bei der Miete eines flotten Bötchens. Vier Stunden sind das Minimum – und dafür muss man schon mal mindestens 4000 Euro hinlegen, plus 300 Euro pro Stunde an Sprit. Dazu kommen Kapitän und möglicherweise eine Crew, so dass man ganz schnell bei 8000 Euro für eine doch relativ kurze Vergnügungsfahrt ist. „Doch die wirklichen Mega-Yachten, zwischen 80 und 90 Feet und darüber, werden überhaupt nur wochenweise vermietet“, sagt Jenny Maul. „Da liegen die Preise pro Woche zwischen 80.000 und 200.000 Euro.“ Diese Preisunterschiede richten sich nicht nur nach der Größe der Yacht, sondern auch nach den vorhandenen Spielzeugen. Die obere Preisgrenze ist sicher dann erreicht, wenn etwa ein Helikopter an Bord ist oder ein paar kleinere Motorboote, der schnelleren Beweglichkeit auf dem Wasser wegen, oder ein Luxuswagen, damit man auch an Land mobil ist.

Wobei diese Beträge nur die reine Basis sind. Die Spritkosten kommen auch hier natürlich dazu. Wer so viel zahlt, möchte natürlich auch ein paar Extras haben. Wie etwa jene amerikanische Sängerin, die kurzerhand ihre Kabine mit einem Luftbefeuchter ausstatten ließ, damit ihre Stimme keinen Schaden nehme. Kostenpunkt 5000 Euro. Oder jemand lässt einen Top-Friseur einfliegen – für 1000 Euro pro Tag. Da ist der französische Barbier für die morgendliche Rasur mit 500 Euro pro Tag fast geschenkt. Auch eine tägliche Thai-Massage schlägt mit 600 Euro geringer zu Buche.

Natürlich will man an Bord gut essen und trinken. Mit Stil. Die Magnum-Flasche Dom Pérignon kostet ja nur 600 Euro. Sie ist allerdings zu schwer, um die Bikini-Schönheiten an Bord nass zu spritzen. Dafür eignet sich ein Jahrgangs-Dom-Périgon aus der 75-cl-Flasche weitaus besser. Er kostet auch nur 113 Euro.

Der meist georderte Wein auf Luxusyachten ist ein Chateau Petrus, der gut und gerne auch mal bei 2000 Euro pro Flasche liegen kann, je nach Jahrgang.
Eis sollte von der Firma Giangrossi kommen, am liebsten Vanille mit Mistela-Wein und rosa Pampelmuse. Kostet, wenn es aus Madrid kommt, 25 Euro das Kilo. Wem das zu popelig ist, der ordert Schokoladeneis in New York, mit essbarem Gold. Kilopreis um die 1000 Euro. Aber vorher könnte man doch ein wenig iranischen weißen Kaviar genießen, das Kilo für 23.500 Euro. Dafür sind die Störe auch mindestens 100 Jahre alt gewesen. „Ich habe schon Leute gesehen, die aßen diesen Kaviar als Belag auf einer Scheibe Bimbobrot“, erzählt Jenny Maul.

Hummer und Lobster für 50 beziehungsweis 100 Euro das Stück verstehen sich von selbst.

Wer mietet solche Yachten, wer mag diesen Lebensstil? „Es sind Politiker, Diplomaten, Künstler und viele, von denen ich nicht wissen will, was sie machen“, sagt Jenny Maul. „Wenn Russen eine Yacht mieten, darf niemand in der Crew russisch sprechen, damit sie sich ungestört unterhalten können.“ Wer auch immer die Yacht mietet, es sind Menschen, die ihr Essen häufig vorkosten lassen und, aus Sicherheitsgründen, keine Reservierungen im Voraus treffen.

Denn am Abend geht man natürlich aus: „Was nutzt einem eine Yacht, wenn sie niemand sieht“, sagt Jenny Maul. „Da muss die Crew gute Kontakte haben, damit in Edelrestaurants auch größere Gruppen kurzfristig angenommen werden.“ Viel Gepäck kommt selten an Bord. Schließlich sind in den Häfen die wichtigsten Modeschöpfer vertreten. Man kann sich an Ort und Stelle einkleiden.
Auch Kids sind immer mal mit an Bord. Mit ganz eigenen Wünschen. „Einmal wollten die Youngsters Hähnchen. Und wir waren mitten auf dem Meer. Also haben wir per Funk in einer ganz normalen Hähnchenbraterei im nächsten Hafen ein paar Hähnchen bestellt. Sie wurden mit einer Yacht vom Hafen zu unserer Yacht gebracht. Kostenpunkt dafür 3000 Euro. Kosten für die Hähnchen 6'50 Euro.“ Man muss eben einfach früh lernen, was wirklicher Stil ist.

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