Mallorca: Ist der Ruf erst ruiniert, auf die Insel – ungeniert

Gauner sind unter uns – und haben meist nichts mehr zu verlieren

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Die Antwort sitzt. Auf die Frage, bei welchen Persönlichkeitsmerkmalen er als Mitglied einer leidgeprüften Gläubiger-Gemeinschaft jetzt immer sofort misstrauisch wird, sagt das Betrugsopfer: „Ein Merkmal reicht: Wenn's ein Deutscher ist.” Nicht gerade schmeichelhaft, aber man kann es leider an einer Hand abzählen: Jeder fünfte Deutsche auf Mallorca, so schätzen Rechtsexperten, ist ein Gauner. Hört man sich in Kanzleien und bei Betrugsopfern auf der Insel um, muss man zu dem traurigen Schluss gelangen, dass „der Kleinkriminelle hier wie der Fisch im Wasser schwimmt” (O-Ton Anwalt).

Die Bedingungen zum Untertauchen, wenn man sich vor Gläubigern, Alimente-Berechtigten oder dem Finanzamt in Deutschland so schnell wie möglich aus dem Staub machen will, sind geradezu ideal: Man muss keine Fremdsprache können bei all den Landsleuten hier, und weil viele von denen auch kein Spanisch sprechen, geben sie deutschsprachigen Geschäftspartnern gern mal einen Vertrauensvorschuss. Gut für die Pleitegeier aus Alemania, die hier erst mal – wie auch immer – zu Geld kommen müssen, um ihre fragwürdige „Selbstständigkeit”, mit der sie in Deutschland gescheitert sind, neu auf die Beine zu stellen. Der schöne Schein siegt auch bei laufenden Verfahren und Räumungsklagen: nettes Haus, schickes Auto, teurer Anzug – wer kann dazu schon Nein sagen?

Besonders fatal, da sind sich Opfer und Juristen einig: Die meisten Gauner haben nichts zu verlieren. Einen „guten Ruf” eh nicht – und was nützt das beste Urteil, wenn's beim Betrüger nichts zu holen gibt? Auf Mallorca schauen die Opfer besonders in die Röhre: Die spanische Justiz arbeitet sehr langsam, deutsche Zwistigkeiten haben eine zusätzliche Bremswirkung.

Schon rufen erbitterte Gläubiger nach einer „Datenbank”, in der überführte Täter registriert und potenzielle künftige Opfer gewarnt werden können. Oder helfen sich selbst, in dem sie vor jeder Kontaktaufnahme sämtliche Daten von Handy-Nummer bis E-Mail-Adresse googeln, um auf mögliche Vorstrafenregister zu stoßen. Und manchmal reicht da schon ein Merkmal.

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