Rebajas: Als gäbe es kein Morgen

Von "aggressiven" bis "historischen" Preisnachlässen sprach die Lokalpresse. Und tatsächlich: Die Rebajas eröffneten mit Rekord-Rabatten um 70 Prozent. Die Schnäppchenjäger stürmten die Filialen der großen Ketten. Beim Einzelhandel sorgten die Schleuderpreise indes auch für Kritik: Er musste notgedrungen mitziehen

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Der Preis ist heiß und der Tag nicht minder schwül. Kein Wunder, dass sich der Rebaja-Auftakt zu Wochenbeginn in Palma entsprechend hitzig präsentierte: Mit bis zu 70 Prozent Preisnachlässen lockten die Geschäfte in der Innenstadt. Schon draußen, in der Jaime III., herrscht gegen 18 Uhr ein Menschengedränge wie selten, drinnen, bei Massimo Dutti in der Damenabteilung, reicht die Schlange an den beiden Kassen um diese Zeit bis zum anderen Ende des Verkaufsraums. Als gäbe es kein Morgen.

Als hätten sie's geahnt, hatten die Verbraucherbehörden der Balearen-Regierung erstmals zu einem "nicht zwanghaften Kaufverhalten" aufgerufen (siehe Kasten). Nach den schlechten Verkäufen im Frühjahr - einerseits wegen des schlechten Wetters, andererseits wegen der schlechten Konjunktur - hatte der Handel noch mehr Lagerbestände an den Mann und die Frau zu bringen als im Jahr zuvor. Entsprechend offensiv wurden die Rebajas eingeläutet, die Lokalpresse sprach vom "aggressivsten" oder gar "historischen" Sommerschlussverkauf schlechthin. Die wichtigste Zeit der Rebajas für die Händler liegt in den ersten vier Wochen. Was im Juli nicht verkauft wird, bleibt erfahrungsgemäß auch im August liegen. Und so unterschritten die Angebote am ersten Tag vielerorts noch die zuvor angekündigte 50-Prozent-Marke um weitere 20 Prozent. Im "El Corte Inglés" reichte offenbar schon die magische Zahl 50. "So einen Ansturm haben wir selten erlebt", bestätigt Maria Roldan, Verkäuferin in der Damenabteilung. Das gelte gleichermaßen für Damen-, Herren- und Kindermode: "Und die Leute gucken nicht nur, sie kaufen auch."

Die Armani-Damen-Jeans gibt's für 129 statt vorher 215 Euro, das passende weiße Label-Strickjäckchen dazu für 105 Euro (vorher: 175). Auch in der Herren-Abteilung lohnt sich beherztes Zugreifen: Der blau-grau-melierte Boss-Anzug ist schon für 367 statt vorher 735 Euro zu haben. Bei solchen Rabatten bleibt dem Einzelhandel, da sind sich die Sprecher der Einzelhandelsverbände Pimeco (für klein- und mittelständische Betriebe) und Afedeco einig, nichts anderes übrig als mitzuziehen. Pimeco-Generalsekretär Josep Cabo etwa klagt die großen Ketten an, mit "unrealistischen Angeboten" einen immensen Druck geschaffen zu haben: "Wir müssen die Kunden nun gleichermaßen mit Angeboten locken, die einfach nicht der Realität entsprechen."

Im Luxus-Bereich wie bei Loewe gibt es ausgewählte Preisnachlässe zumindest auf "selected items" wie die weiße Damen-Bermudas für 195 Euro, die zuvor 390 kostete; in der Edel-Boutiqe Corner ist das dezent gerüschte weiße Prada-Sommerkleid für vormals 800 Euro jetzt für die Hälfte zu ergattern. Bei Lotusse sind orangefarbene Ballerinas für 87 statt 145 Euro zu haben, bei den herbstlich anmutenden Leder-Slippern beträgt der Preisnachlass nur 20 Euro (114 Euro).

Ansonsten hieß es aber eher: Klotzen statt kleckern. Auch wenn der Großhandel sich mit seiner Eröffnungsstrategie der "Rekord-Rabatte" in Palma überaus zufrieden zeigt - Pimeco-Vertreter bleiben kritisch. Schließlich seien die meisten Geschäfte auf der restlichen Insel montags traditionsgemäß geschlossen, zudem die Bevölkerungszahlen zurzeit wegen der Touristen um 45 Prozent erhöht. Man wird sehen: Die Rebajas dauern noch rund zwei Monate.

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