„Jeder weitere Fall erschüttert Glaubwürdigkeit des Sports”

.. meinte Erik Zabel schon im vergangenen Jahr im Gespräch mit MM. Bei den Besuchen vieler Radprofis auf Mallorca scheint Doping oft ein Thema gewesen zu sein. Und der Insel-Kenner Jan Ullrich schweigt weiter

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Wir werden diese Bilder in jedem TV-Jahresrückblick sehen: Den Tränen nahe ringt Erik Zabel bei seinem Doping-Geständnis mit den Worten und erklärt, er könne seinen Sohn Rick (nicht ,Rik', wie in den meisten Zeitungen der vergangenen Tage zu lesen war) nicht länger anlügen.

Nicht nur seinen Sohn hatte Zabel jahrelang getäuscht, sondern auch Freunde, Fans und natürlich die Medien. Da machte er in Gesprächen mit dem Mallorca Magazin verständlicherweise keine Ausnahme. So zum Beispiel im Herbst beim Termin im Restaurant „12 Apostel” an der Playa de Palma. Im Beisein von Sohn Rick und Ehefrau Cordula sprach Zabel mit MM auch über Doping. Auf die Frage, ob er Verständnis habe für Fahrer, die mit verbotenen Mitteln nachhelfen, meinte der Sprinter: „Das verstehe ich eigentlich nicht. Insbesondere nach der Häufung der Vorfälle in der letzten Zeit. Jeder weitere Fall erschüttert die Glaubwürdigkeit des Radsports und des Sports allgemein.”

Inzwischen ist sicher, dass Doping auch beim Training vieler Radprofis auf Mallorca eine Rolle gespielt hat. So wurden dem Vernehmen nach zum Beispiel Absprachen in Sachen EPO getroffen, während das damalige Telekom-Team auf der Insel weilte.

Einer, der seinerzeit in Magenta fuhr und jetzt EPO-Missbrauch gestand, ist Christian Henn, sportlicher Leiter des Teams Gerolsteiner. Im Gespräch mit MM erinnerte sich Henn Anfang des Jahres nicht an eigene EPO-Erfahrungen, aber an sein damals bereits bekanntes Dopingproblem. Um schneller den Wunsch nach einem zweiten Kind erfüllen zu können, habe er Medikamente genommen, dadurch hätte der Körper zu viel Testosteron produziert. Henn: „Würde mir das heute passieren, wäre ich weg vom Fenster. Die Zeiten haben sich einfach geändert. Früher haben manche Masseure schon mal etwas dabei gehabt. Das geht heute nicht mehr.”

Ob der Profi-Radsport überlebt, wird die Zukunft zeigen. Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer, meinte vor ein paar Wochen am Rande der Bahnrad-WM in Palma gegenüber MM: „Der Radsport ist gewissermaßen in der Rehabilitation. Rückfälle können wir uns nicht leisten.”

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