Gut gelernt ist halb gekonnt

Die Absolventen der balearischen Hotelfachschule haben einen Job sicher. Die Ausbildung ist vielseitig und gründlich – das verschafft den jungen Leuten einen entscheidenden Vorteil auf dem Arbeitsmarkt

JONAS MARTINY

Señor Pascual kennt keine Gnade: Der „Maestro”, wie ihn seine Schüler ehrfurchtsvoll nennen, lässt die angehenden Hoteldirektoren Gläser polieren. Ein wenig Demut kann auch dem Führungspersonal von morgen nicht schaden, findet er.

Pascual Reus Martínez ist Lehrer an der Hotelfachschule der Balearen-Universität und bewegt sich mit der Würde dessen, der seine Arbeit als Beruf ausübt. Er ist weit über 60 Jahre alt und bringt den Auszubildenden nicht nur die Tricks und Kniffe bei, die er sich in seiner jahrzehntelangen Karriere als Maître angeeignet hat, sondern auch die richtige Einstellung zum Beruf. „Es soll hier so realistisch wie nur irgendwie möglich zugehen”, sagt er.

504 Schüler lassen sich zurzeit an der Hotelfachschule nördlich von Palma ausbilden – zum Koch, zum Kellner, zum Rezeptionisten oder auch zum Hoteldirektor. Die Nachfrage nach den qualifizierten Arbeitskräften ist enorm: Den 177 Absolventen des vergangenen Jahres standen rund 800 Jobangebote aus dem Tourismussektor gegenüber – laut Maria Antònia Garcia, Direktorin der von der Balearen-Regierung subventionierten und mittlerweile zehn Jahre alten Fachschule. „Der Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt wird immer größer”, sagt sie, „umso wichtiger ist, dass die jungen Leute gut ausgebildet sind.” Darum gehört sehr viel mehr als nur das Basis-Handwerkszeug zur Ausbildung. Sprachen (Englisch und Deutsch) stehen ebenso auf dem Lehrplan wie Marketing, Finanzverwaltung, Planung. „Zur Ausbildung gehört auch, dass die zukünftigen Hoteldirektoren Gläser polieren können”, sagt Garcia. „Damit sie später wissen, wovon sie reden.”

Ginés Pizá ist 20, im ersten Lehrjahr und will unbedingt Kellner werden. „Im Sommer habe ich in einem Restaurant auf der Insel gejobbt und gemerkt, dass es nicht schlecht wäre, den Beruf richtig zu lernen”, sagt er. Den Wunsch lässt er sich einiges kosten. Denn das Lehrgeld, das er für seine Umsetzung zahlen muss, ist nicht gerade billig. Zwischen 1800 und 3000 Euro kostet die Ausbildung pro Jahr – je nach Fachrichtung.

Dafür ist Mallorcas größte Hotelfachschule (auch an Palmas Berufsschule Junípero Serra werden einige Berufe aus dem Hotelgewerbe gelehrt) aber auch komplett eingerichtet: Neben unzähligen Klassenräumen gibt es eine voll funktionsfähige Großküche und sogar eine Suite mit allem Drum und Dran – zum Üben für die Auszubildenden. In der Küche etwa wird jeden Tag das Mittagessen für Schüler und Lehrer zubereitet – insgesamt immerhin fast 600 Personen.

Derweil überkommt Señor Pascual die Nostalgie. „Ich bin einer der letzten Dinosaurier”, sagt er. „Ich habe noch die Zeiten erlebt, als der Kunde wirklich König war. Ich hätte es nie gewagt, einen Gast zu duzen. Heute ist das doch Gang und Gäbe.” Die alte Schule – einen Teil davon will Señor Pascual an seine jungen Schüler weitergeben.

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