Politische Heimat Deutschland

Die FDP landet auf Mallorca

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Die FDP will auf Mallorca Fuß fassen. Der Ortsverband wird Bestandteil der Auslandsgruppe Europa der Liberalen sein, die – so klärt die FDP im Internet selbst auf – wiederum eine Art 17. Landesverband der Bundes-FDP ist. Im vereinigten Europa ein ganz normaler Vorgang. Könnte man meinen. Doch was in Paris oder Luxemburg ganz selbstverständlich ist, birgt auf Mallorca durchaus Konfliktpotenzial. Das müsste keiner besser wissen als die FDP selbst, die 1998 schon einmal Kritik für bundesdeutschen Wahlkampf auf mallorquinischem Boden erntete.

Wer auswandert, so die Kritiker damals, sollte sich in das Parteiensystem seiner neuen Heimat integrieren, statt deutsche Politik in den Mittelmeerraum zu tragen. Vielleicht reagiert das politische Mallorca inzwischen etwas gelassener, zum Schwur wird es jedoch kommen, wenn – wie damals – erste FDP-Wahlkampfplakate geklebt werden. Dann stehen Deutsche möglicherweise wieder einmal vor der Frage, ob sie auf die Befindlichkeiten der Einheimischen Rücksicht nehmen oder auf ihr gutes Recht bestehen sollen. Das muss jeder für sich selbst beantworten.

Tatsache ist jedoch, dass es den deutschen Residenten schwerfällt, auf Mallorca eine politische Heimat zu finden. Das zeigte schon die schwache Beteiligung der EU-Ausländer an den Lokalwahlen. Das politische Interesse richtet sich in die alte Heimat, aus der man auch die meisten Signale empfängt: TV-Signale nämlich. Das mag man bedauern, zur Integration kann jedoch niemand gezwungen werden. Zumal die mallorquinischen Parteien es den Ausländern auch nicht gerade einfach machen. Sie gehen – Wahlkampf mal ausgenommen – viel zu wenig auf die Neubürger zu. Und wenn die den ersten Schritt tun, müssen sie schnell feststellen, dass ihre Sprachkenntnisse nicht ausreichen. In den meisten Parteigremien wird nämlich nicht Spanisch, sondern Mallorquín gesprochen. Da müssen die allermeisten Deutschen passen.

So gesehen ist die Landung der FDP auf Mallorca nichts anderes als ein Spiegelbild des schwierigen Miteinanders - zumindest auf der politischen Bühne.

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