Der (Eier-)Tanz ums goldene Mallorca

Eine Symbiose aus Residenten- und Touristeninsel – aber wie?

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Was für eine herrliche Vorstellung: Samba tanzende Brasilianer in der Rüdesheimer Drosselgasse. Die WM naht mit großen Schritten und fordert Deutschland nicht nur sportlich, sondern auch touristisch heraus. Fans aus 31 Ländern werden erwartet, fünf Millionen zusätzliche Übernachtungen: „Deutschland rollt den roten Teppich aus”, heißt der Slogan der Reisewirtschaft, die das Sport-Event als DIE Chance sieht: Hunderttausende Fans des Sommers sollen die Touristen von morgen sein.

Eine Herausforderung, vor der Touristiker auf Mallorca permanent stehen. Über das Ziel ist man sich einig – über den Weg dahin nicht im geringsten. Das zeigt auch das Chaos, das die Arbeit des Konsortiums zur Sanierung der Playa de Palma prägt. Gerade wird eine akribische Bestandsaufnahme von Busanbindung bis Straßenbeleuchtung betrieben, danach „Mach- und Finanzierbarkeit” analysiert. Nur: Wie für die gesamte Insel mangelt es auch hier an der „Vision”, wie das der ehemalige Politiker Pep Moll einmal nannte. Die wichtigste Frage fehlt: Welches Gesicht soll Mallorca künftig haben?

„Modell Miami”, Familieninsel – oder doch ein Unterwasserhotel à la Dubai? Die gegensätzlichen Ideen weisen auf das gänzliche Fehlen einer Strategie hin. „Saisonale Entzerrung” – Angebote, die Mallorca zu einem ganzjährig attraktiven Reiseziel machen – ist ein Begriff, der in die richtige Richtung weist.

Ebenso die „Symbiose aus Residenten und Touristen”, die der Chef des Fremdenverkehrsverbandes, Alvaro Middelmann fordert: Nur, wo ganzjährig gelebt wird, fühlen sich auch Besucher wohl. Apropos „Wohlfühlen”: Wie wäre es mit der Aufnahme dieses simplen menschlichen Grundbedürfnisses in den Fragenkatalog?

Mit der Bauwut fühlt sich kaum noch ein Mallorca-Liebhaber wohl. „Ohne Angst” will die Regierung die „Infrastruktur” erweitern. Angst macht immer mehr Menschen das fast absurde Bild, wenn man Autobahnkonzepte vom Kontinent einfach auf kleine Inseln überträgt. Mallorca braucht Entscheidungsträger mit Visionen – und Mut zu einem Nein. Man kann nicht auf allen Hochzeiten gleichzeitig tanzen.

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