„Ein Geschenk vom lieben Gott”

Johan Botha gilt als der beste Tenor seiner Generation. Im Sommer 2006 tritt er auf Mallorca auf

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Selbst in den Ferien auf Mallorca wird Johan Botha (45) ein wenig nervös, wenn er ein paar Tage nicht singen kann. Singen ist für den Startenor, den bisher jüngsten österreichischen Kammersänger der Wiener Staatsoper, Berufung und Passion. „Sänger bist du 24 Stunden am Tag. Auch wenn keine Vorstellung ist, arbeitet das Gehirn weiter”, sagt er. Und er erzählt, dass er schon mit fünf Jahren wusste: Ich möchte Opernsänger werden. Mit 13 begann der in Rustenburg in Südafrika geborene Tenor seine Gesangsausbildung, studierte an der Hochschule in Pretoria und debütierte 1989 am Staatstheater Roodeport. 1990 bekam er durch seine Mitwirkung im Bayreuther Festspielchor die Chance, nach Europa zu reisen, sang noch im gleichen Jahr den Gustavo in „Ein Maskenball”, hatte Engagements in Hagen, Dortmund und an der Oper in Bonn, wo er bereits wesentliche Rollen seines heutigen Repertoires sang.

Es begann eine mehr als steile Karriere, seine Verpflichtungen und Verträge gehen bis ins Jahr 2008, an der Wiener Staatsoper sind jährliche Neuproduktionen mit ihm geplant: „Othello”, „Tannhäuser”, „Tristan”. Johan Botha gilt heute als der beste Tenor seiner Generation: „Das ist mir Ehre und Verpflichtung zugleich. Ich bin noch jung, ich kann also noch viel lernen.” Damit meint er nicht nur Opernpartituren, sondern auch Sprachen. Zur Zeit studiert er Französisch, um auch diese Opern in der Originalsprache singen zu können. Damit wird sein bislang schon bemerkenswert großes Repertoire noch erweitert.

Johan Botha singt vor allem die dramatischen Rollen, sowohl in italienischen als auch in deutschen Opern. „Wer den Radames in Aida singen kann, kann auch Lohengrin singen”, sagt er. „Die italienischen Opern erlauben mir die Kontrolle, wie die Stimme richtig zu führen ist. Das ist wichtig, um Wagner zu singen, um mit der Stimme auch für die lange Dauer dieser Opern hauszuhalten, die Stimme nicht zu schädigen.” Und er fügt spöttelnd hinzu: „Für eine Wagner–Oper braucht man vor allem bequeme Schuhe.”

1993 brachte sein Debüt als „Pinkerton” in Madame Butterfly an der Pariser Opera Bastille den internationalen Durchbruch. In kürzester Zeit sang er an den wichtigsten europäischen Opernhäusern, an der Komischen Oper Berlin, in Covent Garden, an der Mailänder Scala. Seit 1996 feiert er Erfolge an der Wiener Staatsoper, wo er seitdem regelmäßig zu Gast ist mit „Lohengrin”, „Fidelio”, „Tosca”, „Turandot” und „Die Frau ohne Schatten”. In Wien ist der inzwischen österreichische Staatsbürger mit Frau und zwei Söhnen (7 und 9) zu Hause.

Ein großer persönlicher Triumph war ein Gastspiel an der Metropolitan Opera in New York, wohin er auch mit „Lohengrin”, „Meistersinger” und anderen Opern zurückkehrte. Die Planung dort geht mit „Turandot” und „Aida” weit über das kommende Jahr hinaus. Es ist ein Glücksfall, dass er seinem Freund Josef Egger zusagte, im Juni des nächsten Jahres zu einer Gala „Noche de Verdi” mit Arien aus „Othello” nach Mallorca zu kommen. Egger, Präsident des Verbandes der österreichischen Freunde Mallorcas, hat mit den Vorbereitungen begonnen.

Von Beginn seiner Karriere an legte Botha großen Wert auf den kontinuierlichen Ausbau seines Konzertrepertoires; er arbeitete mit Dirigenten wie Abbado, Barenboim, Gielen, Maazel oder Sir George Solti. Kernstück des Repertoires ist Verdis „Requiem”.

Was bedeutet es für einen dramatischen Tenor, geistliche Musik zu singen? „Ich glaube, dass der liebe Gott mir ein Geschenk gegeben hat. So ist diese Musik für mich auch ein Dankeschön.”

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