Funkstille beim Mallorca Fernsehen

Seit Jahresbeginn keine Sendungen mehr / „Wir haben uns mit diesem Projekt schon sehr alt gefühlt” / Neue Pläne

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Das deutschsprachige Mallorca Fernsehen hat sich von den Bildschirmen auf den Inseln verabschiedet. Am 1. Januar erfolgte die letzte Ausstrahlung. Seitdem ist auf dem angestammten Sendeplatz im Canal 4 die Verkaufssendung Teletienda zusehen, in der unter anderem Schlankheitspräparate beworben werden. „Wir strahlen nicht mehr über Canal 4 aus”, bestätigt die Geschäftsführerin der Produktionsfirma Mallorca Fernsehen S.L., Hanna Christensen, auf MM-Anfrage. Die Gesellschaft, betont sie, bestehe indes weiter. Noch in diesem Jahr, voraussichtlich zu Beginn der Hochsaison, werde sich das Unternehmen mit einem neuen Angebot präsentieren.

Noch ist es nach Christensens Worten zu früh, um über das neue Vorhaben zu sprechen. Allerdings sollen die bisher produzierten Fernsehbeiträge, deren Urheberrechte bei der Gesellschaft liegen, und der eigene Internetauftritt „in kombinierter Art” stärker zum Tragen kommen. „Wir sind dabei, ein neues Projekt aufzubauen, mit unseren bewegten Bildern und der Webpage.”

Am Ende hatte sich der TV-Auftritt des Mallorca Fernsehens nach Christensens Worten überlebt. Am 1. November vergangengen Jahres hatte die Sendung ihren sechsten Geburtstag gefeiert. „Wir haben uns mit diesem Projekt schon sehr alt gefühlt”, räumt die Geschäftsführerin ein. Während der gesamten Existenz des Mallorca Fernsehen seien 2200 Sendungen, also Beiträge rund um Mallorca, produziert worden. „Das ist eine enorm hohe Zahl und ziemlich ausreichend für ein Lokalthema.” Für die Zuschauerschaft sei das möglicherweise „ein bisschen zu viel Insel” gewesen.

Christensen überlegt im Nachhinein, ob die Sendung statt sieben Tage die Woche – Ausstrahlung um 17 Uhr mit Wiederholung um 9 Uhr am Folgetag – nicht vielleicht besser nur an den Wochenenden ausgestrahlt worden wäre.

Andererseits ist sie zuversichtlich, durch die neue Situation eine deutlich bessere Position zu erlangen. „Bei Canal 4 war ein günstigerer Sendetermin für uns nicht drin.” Darüber hinaus ist Christensen der Überzeugung, „dass die Ausstrahlung von Sendungen und Werbung per Antenne – der terrestrische Markt – die besten Zeiten hinter sich hat. „Die Zukunft für unsere Zielgruppe ist nicht die terrestrische Ausstrahlung.”

Gleichwohl haben sich die Sendungen mit Themen rund um Mallorca selbst finanziert. Daneben werde die Gesellschaft wie bisher Auftragsarbeiten und Industrieaufnahmen produzieren. In den ersten drei Jahren habe man mit den Sendeplätzen viele Ruheständler ansprechen können, die zu den Sendeterminen Zeit zum Fernsehen hatten.

Danach vollzog sich mit dem Boom ein Wandel auf der Insel. Statt Aussteiger kamen immer mehr Umsteiger, sprich Berufstätige mit schulpflichtigen Kindern, die zu den Sendeplätzen nicht vor dem TV-Gerät sitzen konnten. „Wir hielten unsere Stammzuschauer, konnten uns aber keine neuen erschließen.” Dennoch haben laut Christensen täglich 20.000 bis 22.000 Deutsche, Spanier und andere Nationalitäten Mallorca Fernsehen gesehen.

Das Aus der Sendung ist auch vor dem Hintergrund der derzeitigen Umwälzung der Fernsehlandschaft auf den Inseln zu sehen. Der Sender Calvià, zu dem die Gesellschaft wechseln wollte, wurde vom neu gewählten Bürgermeister Carlos Delgado (PP) an die neue Balearen-Regierung verkauft. Diese will den Sender bekanntlich als Keimzelle eines archipelweiten balearischen Fernsehsenders nutzen. Mit dem Start ist jedoch nicht vor 2005 zu rechnen.

Ursprünglich sah es so aus, als ob der Sender Calvià – der bisher Mallorca-weit zu empfangen war – vorerst weitersenden sollte. Doch dann wurde der Betrieb überraschend beendet. Bis zum Start des Balearen-Senders im kommenden Jahr herrscht daher erst einmal Funkstille.

Darüber hinaus will die Balearen-Regierung Mitte dieses Jahres erstmals Digitallizenzen für Lokalsender vergeben. Wie es aussieht, soll jedoch – abgesehen vom künftigen autonomen Balearen-Fernsehen – vermutlich kein Lokalsender wie bisher auf dem gesamten Archipel zu empfangen sein. Die Tendenz geht hin zu Lokalsendern mit begrenzten Reichweiten.

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