23.000 gegen Bau von Autobahnen

Aber Regierung will an Strecke Inca-Manacor und zweiter Palma-Umgehung festhalten / Keine Bedenken wegen Beton-Images

Fast 23.000 Bürger haben gegen den Straßenbauplan beim mallorquinischen Inselrat am Montag offiziell Einspruch eingelegt. Damit sind die bisherigen Rekorde für Einsprüche gegen Bauprojekte der öffentlichen Hand weit in den Schatten gestellt worden: Gegen den Bau neuer Sporthäfen gab es 1992 etwa 11.000 Widersprüche, gegen die Umleitung der Quelle Sa Costera 1999 waren es 10.000, gegen den Straßenbauplan 1998 fast 10.500.

Von den jetzt eingegangenen Einsprüchen wenden sich 12.840 gegen den Bau der Autobahn zwischen Inca und Manacor. Die Gegner des Projekts erklären, dass die Straße 600 Quarteradas (mallorquinisches Flächenmaß, je 7103 Quadratmeter) verbrauche, davon 80 mit Baumbestand, sowie den Abriss von 180 Gebäuden verursache und etwa 1000 landwirtschaftliche Betriebe zerstöre.

Die 9500 Widersprüche gegen den zweiten Autobahnring um Palma heben hervor, dass die bislang gut erhaltene landwirtschaftliche Zone S'Horta de Palma (mehr als 72 Hektar) zerstört würde.

In den betroffenen Gemeinden sind auch die meisten Abgeordneten der Partido Popular und von Unió Mallorquina gegen die Autobahnen. PP, mit absoluter Mehrheit an der Balearen-Macht, und UM, alleinige Regierungspartei im Inselrat von Gnaden des PP-Koalitionspartners, haben das Projekt geplant.

Wie Verkehrsministerin Mabel Cabrer (PP) nach dem Eingang der Widersprüche erklärte, will sie an den geplanten Autobahnen festhalten. Die 23.000 Einsprüche relativierte sie mit dem Hinweis auf die Wählerstimmen, die ihre Partei im Mai erhalten hatte.

Beobachter analysieren die politische Situation als kritisch für UM, die in den betroffenen Zonen ihre Hochburgen hat. Der kleine Partner bestand auf dem vierspurigen Ausbau der Landstraße zwischen Palma und Manacor. Da die PP eine Autobahn nach Manacor im Wahlprogramm hat, gab es den Kompromiss, sowohl die Landstraße auszubauen als auch die Autobahn zu bauen.

Wie Joan Flaquer, Tourismusminister und Sprecher der Balearen-Regierung erläutert (MM 45/2003), schlägt man mit der gleichzeitigen Ausführung beider Projekte zwei Fliegen mit einer Klappe. Auf der Autobahn via Inca gibt es eine schnelle und sichere Verbindung zwischen Manacor und Palma; und die ausgebaute Landstraße sorge für eine optimale Anbindung der Dörfer im Inselinneren sowohl an Manacor als auch an Palma.

Dass Mallorca in den Augen ausländischer Touristen als Beton-Insel gelten könne, sieht Juan Carlos Alía, Direktor des balearischen Fremdenverkehrsamtes Ibatur, nicht: „Wir bauen gerade die Infrastruktur, die notwendig ist, nicht einen Meter Autobahn mehr. Zu behaupten, wir lieben Asphalt, ist völlig ungerechtfertigt.”

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