Der Wein der Woche

Jung und gut soll er sein

Unter den Rotweinen zeigt wohl kaum einer die frischen, unverfälschten Frucht-Aromen so einprägsam wie ein guter, sorgfältig erarbeiteter junger Rotwein aus exzellentem Traubenmaterial. Selbstverständlich unterliegt diese spezielle Art von Rotwein einerseits persönlichem Geschmacksempfinden, andererseits ist der Genuss eines jungen Roten abhängig vom Anlass, aber auch der Art der begleitenden Speisen, vielleicht sogar der Jahreszeit und der Umgebung.

Ich persönlich ziehe einen guten jungen Wein ohne Holzkontakt in jedem Fall einem mittelmäßigen, im Barrique ausgebauten Crianza vor. Es gibt nichts Schöneres, an einem warmen, sonnigen Nachmittag die unvergleichlich fruchtige Frische eines jungen Weins zu genießen, lange bevor man später zum Abendessen die kräftigeren und älteren „Kollegen” zu sich nimmt. Wie gesagt, gut muss er allemal sein.

Aber was ist ein guter Wein? Ein guter Wein lässt sich vielleicht am ehesten so beschreiben: Gleichgültig ob teuer oder preiswert, er muss eine eigene Identität besitzen und dadurch erkennbar sein. Es gibt nichts Langweiligeres und Schrecklicheres, als seine Nase in ein Glas mit undefinierbarer roter Flüssigkeit zu stecken mit ebenfalls undefinierbarem Geruch, und das Ganze danach auch noch trinken zu müssen. So ganz nach dem Motto: Hauptsache billig, aber auf dem Etikett steht Reserva.

Mein heutiger Weintipp fällt nicht in letztere Kategorie Wein. Aus Pinoso, nahe Alicante, stammt er, der Laderas de el Seque des Jahres 2002. Hergestellt in einem kleinem Weingut, ist dieser Wein ein waschechter Monastrell mit etwas Syrah, ein so genannter junger Rotwein zum Preis von knapp fünf Euro. Seine Farbe geht von Kirschrot zu den Rändern hin in Violett über, einem Zeichen seiner Jugend. Blütig und etwas erdig kommt er daher im Duft, mit Aroma roter Pflaumen.

Im Gaumen wiederholt sich der unverkennbare frische, primäre Fruchteindruck. Die Gerbsäure ist vom Alkohol hervorragend ummantelt.
Alicante, die Heimat dieses Monastrells, aber auch die Heimat des Enrique Mendoza, ist eine der Weinregionen Spaniens, die sich im Aufbruch in eine Zukunft mit hochqualitativen Rotweinen zu guten Preisen befindet.

Der Autor, Norbert Deingruber, ist Inhaber der Weinhandlung Casa del Vino in Manacor.

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