Millionär auf Mallorca

Vom einfachen Los bis zum hochkomplizierten System: In Spanien gibt es viele Möglichkeiten zu gewinnen

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Spanien ist ein Land der Glücksspieler. Die staatliche und die Lotterie des Blindenverbandes ONCE fesseln Tag für Tag Millionen, bei der großen Weihnachtsziehung am 22. Dezember steht alles für ein paar Stunden in Erwartung des Hauptloses, genannt „El Gordo” (der Dicke) still.

Auch Ausländer packt zunehmend das Spielfieber, Touristen wie Residenten steht das komplette Angebot offen. Während Lotto, Toto und Spiel 77 einfache Angelegenheiten sind, liebt es der Spanier mitunter kompliziert. Das Glück will eben gefordert werden.

Die Gewinne werden ins Ausland überwiesen, man muss nur dafür sorgen, dass der Beleg in Spanien vorgelegt wird – durch eine Vertrauensperson oder per Einschreiben.

Bei folgenden Spielen winken Millionen:
Lotería Nacional
Die klassische Lotterie ist das mit Abstand beliebteste Spiel. Gleichzeitig ist die Lotería Nacional einfach. Das Los, das man kauft, hat eine Nummer. Man muss nichts ankreuzen, keine Vielfach-Kombinationen ausknobeln, nur hoffen, dass die Nummer gezogen wird – etwa wie bei der Glücksspirale in Deutschland. Und zu gewinnen gibt es bis zu 2'9 Millionen Euro für ein Zehntellos.

Das Erfolgsgeheimnis liegt wohl auch in der relativ hohen Gewinnwahrscheinlichkeit. Die Losnummer besteht aus fünf Ziffern, es gibt fortlaufende Nummern von 00000 bis 99999. Die Wahrscheinlichkeit, die richtige Nummer für kleinere Gewinne zu haben, beläuft sich auf eins zu 100.000.

Die Höhe der Gewinne hängt von der jeweiligen Ziehung ab, auch der Lospreis variert entsprechend. Donnerstags kostet ein Zehntellos drei, für die Ziehung am Samstag in der Regel sechs Euro. Einige Samstage gibt es Spezialziehungen, bei denen für das Zehntellos („Décimo”) zwölf Euro berappt werden müssen.

Apropos Zehntellos. Die spanische Lotterie gibt normalerweise mehrere Losserien mit derselben Nummer aus, jedes Los wiederum besteht aus zehn Abschnitten, genannt „Cupón”. Donnerstags sind es sechs Serien, samstags zehn, und bei der großen Weihnachtsverlosung sogar 190. Mit anderen Worten: Theoretisch können maximal zwischen 60 und 1900 Menschen dieselbe Losnummer haben. Noch ein Grund für die große Beliebtheit: Spanier können ihr Glück und die Freude darüber teilen. Wer einmal die Bilder von den Gewinnern der Weihnachtsverlosung gesehen hat, wo ganze Stadtteile feiern, weiß, wovon die Rede ist.

Die Maximalprämien (2.904.000 Euro) gibt es in den Samstagsziehungen, wobei nur der Décimo gewinnt, der neben der richtigen Losnummer auch die richtige Serie mit der richtigen Abschnittsbezeichnung („Fracción”) hat. Bei 100.000 Nummern, zehn Serien à zehn Zehntellosen beläuft sich die Wahrscheinlichkeit, den Haupttreffer zu landen, also auf eins zu zehn Millionen. Die günstigeren Donnerstagsziehungen haben eine Hauptgewinnwahrscheinlichkeit von eins zu sechs Millionen.

Mit einer Wahrscheinlichkeit von eins zu 100.000 kann man donnerstags den ersten Preis in Höhe von 30.000 Euro, samstags 60.000 und bei Sonderziehungen in Höhe von 96.000 Euro pro Décimo gewinnen. Weihnachten gibt es keinen Hauptgewinn für ein einziges Zehntellos, sondern maximal 200.000 Euro pro Décimo – der berühmte Gordo – und das mit einer mathematischen Chance von eins zu 100.000.

Bei der Lotería Nacional wird übrigens für jede Gewinnstufe eine eigene Nummer gezogen.
La Primitiva
Die Primitiva entspricht dem deutschen Lotto. Es geht darum, aus 49 Zahlen sechs Richtige anzukreuzen. Auf dem Lottoschein gibt es acht Felder, auf denen man seine Zahlen ankreuzen kann. Pro Einzelwette kostet das einen Euro, Ziehungen finden donnerstags und samstags statt. Mit dem Schein, der einen grünen Streifen hat, nimmt man an einer Ziehung teil, hat er einen braunen Streifen, an zweien.

So weit, so einfach. Jetzt kommt das spanische Faible für Zahlenmagie. Denn es gibt die Möglichkeit, auf einem Schein bis zu 465 Einzelwetten abzuschließen. Das kostet dann zwar entsprechend viel, erhöht die Gewinnchancen jedoch beträchtlich.

Bei der Fünferwette werden lediglich fünf Zahlen angekreuzt. Die restlichen 44 zählen automatisch mit. Sie machen also 44 Wetten gleichzeitig, ergo kostet das 44 Euro. Dadurch erhöhen sich die Chancen auf sechs Richtige von 0'0000000716 (oder eins zu 13.983.816) auf 0'000003146 Prozent.

Hat man zwei Zahlen korrekt getippt, hat man automatisch drei Richtige, bei drei Treffern vier Richtige und so weiter. So gibt es bei einem Gewinn mehrere Gewinnstufen gleichzeitig. Zum Beispiel fünf richtige Zahlen ergeben je einen Gewinn der ersten und zweiten sowie 42 der dritten Kategorie. Hat man drei richtige Zahlen, gibt es drei Gewinne der vierten und 41 der fünften Kategorie.

Das finden Sie kompliziert? Dabei geht es noch weiter. Sie können auch sieben, acht, neun, zehn oder elf Nummern ankreuzen. Das ergibt sieben, 28, 84, 210 oder 462 Einzelwetten mit den entsprechenden Kombigewinnmöglichkeiten. Sollten Sie bei elf Kreuzen sechs Richtige mit Zusatzzahl haben, gibt es einen ersten, sechs zweite, 24 dritte, 150 vierte und 200 fünfte Preise. Die kompletten Tafeln gibt es übrigens bei den Lottoannahmestellen oder im Internet (http://onlae.terra.es).

Es ist ihnen noch nicht kompliziert genug? Dann versuchen Sie sich doch mal an Kombinationen wie „Direktwette auf sechs”, „Reduziert auf fünf”, „Reduziert auf vier” oder „Reduziert auf drei”. Auf Nachfrage bei der balearischen Regionalniederlassung der staatlichen Lottogesellschaft heißt es nur: „Das ist was für Leute, die was davon verstehen.” Während bei der Lotería Nacional jeweils 70 Prozent der Einnahmen als Gewinne ausgeschüttet werden, sind es bei der Primitiva nur 55 Prozent. Aber wie beim deutschen Lotto sind sechs Richtige in der Regel besonders lukrativ. Der Rekord stammt vom 20. Oktober 2001, als ein Spieler in Madrid den Jackpot knackte und genau 19.649.903'89 Euro gewann. Als am 12. Februar 2001 der Jackpot auf der Rekordhöhe von 21.622.286'06 Euro stand, tippten sechs Spieler sechs Richtige, einer der Gewinner von jeweils 4.758.200'58 Euro hatte sein Los in Palma gekauft.

Die genaue Gewinnverteilung: Von den Einnahmen einer Verlosung werden 55 Prozent ausgeschüttet. Zehn Prozent davon gehen an die, die die Nummer richtig getippt haben, mit der sie den Einsatz zurückgewinnen. Für drei Richtige gibt es immer acht Euro. Von den 45 Prozent nach Auszahlung des Einsatzes werden die Gewinne für drei Richtige abgezogen. Von dem, was davon übrig bleibt, gehen zu gleichen Teilen 52 Prozent an diejenigen, die sechs Richtige tippen; acht Prozent für fünf Richtige mit Zusatzzahl, 16 Prozent für fünf und 24 Prozent für vier Richtige.

Die Jackpots werden von amtlicher Seite festgelegt. Am Donnerstag, 4. September, ging es beispielsweise um 5.936.317 Euro, an diesem Samstag kann man 11.205.263'25 Euro aus dem Jackpot holen.

Bonoloto
Gordo de la
Primitiva
Diese Spiele funktionieren wie die Primitiva. Die Umsätze sind allerdings vergleichsweise bescheiden. Die Unterschiede zur Primitiva bestehen im Einsatz, den Tagen, an denen gezogen wird und der Gewinnaufteilung. Bei Bonoloto kostet jede Wette 50 Cents, es müssen mindestens zwei Wetten gespielt werden. Beim Gordo de la Primitiva kostet der Einsatz für eine Wette 1'50 Euro.

Bonoloto veranstaltet vier Ziehungen: Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag. Der Tippschein mit rotem und grünem Rand ist für eine Ziehung gültig, der mit rotem Rand für eine Woche. Der Gordo de la Primitiva hat einen schwarzen Rand, auf dem „Domingo” steht, weil die Auslosung immer sonntags stattfindet.

Die Gewinnausschüttung der beiden Spiele ist wie bei der Primitiva. Mit einigen Unterschieden. Für drei Richtige gibt es bei Bonoloto vier Euro, beim Gordo 15. Für sechs Richtige gibt es beim Bonoloto 45 Prozent, beim Gordo 55 Prozent der zu verteilenden Summe. Für fünf mit Zusatzzahl sind es 24 (Bonoloto) beziehungsweise fünf Prozent (Gordo), für fünf Richtige 12 beziehungsweise 16 und für vier Richtige 19 beziehungsweise 24 Prozent. Die Jackpots werden bei beiden Spielen jeweils nach einer Ziehung neu festgelegt. Der „Bote” beim Gordo beläuft sich an diesem Sonntag, 7. September, auf 482.362 Euro, der Bonoloto Jackpot enthält für diesen Freitag, 5. September, 1.500.172 Euro.

La Quiniela
Dieses Spiel entspricht der Elferwette des deutschen Toto, allerdings müssen hier 14 Spiele getippt werden. Der Mindesteinsatz ist in dieser Saison von 30 auf 50 Cent erhöht worden. Gleichzeitig gibt es erstmals auch für zehn richtig getippte Spiele einen Gewinn, insgesamt erhöhen sich damit die Gewinne nach LAE-Angaben um mehr als das Vierfache.

Es gibt Tippscheine für direkte Einfach– und Mehrfachwetten, für Mehrfachwetten mit Streichungen und Mehrfachwetten mit bestimmten Bedingungen. Die beiden letzteren Varianten gehören zu den komplizierteren, um in Spanien Geld zu gewinnen. Alleine die Tabelle für die Kombinationen und möglichen Gewinne bei der direkten Methode besteht aus 38 Spalten und 83 Zeilen.

55 Prozent der Einnahmen werden ausgeschüttet, dabei gehen 15 Prozent an die, die alle Partien richtig tippen, und jeweils zehn Prozent an die Tipper, die bei 13, zwölf, elf oder zehn Spielen richtig liegen.

Cupón de la

ONCE
Die 23.000 Losverkäufer der Blindenorganisation ONCE gehören zu Spanien wie Osborne-Stier, Vino Tinto und Serrano-Schinken. Das Prinzip ist das gleiche wie bei der Lotería Nacional: Man kauft ein Los mit fester Nummer, wird diese Nummer gezogen, gewinnt man. Den Hauptpreis gibt es, wenn man die fünf Ziffern und die Seriennummer richtig hat. Danach geht es nur nach den Ziffern - alle fünf, die vier, drei oder zwei letzten. Für die richtige letzte Ziffer erhält man den Einsatz zurück, stimmt die mit „R” markierte Ziffer mit der ausgelosten überein, ein neues Los.

Nach bescheidenen Anfängen 1939 gibt es mittlerweile auch bei ONCE ordentlich Geld zu gewinnen. Der „Cupón diario” kostet 1'50 Euro und wird von Montag bis Donnerstag ausgelost. Als Hauptgewinn winken 300.000 Euro, 59 Mal sind 33.000 Euro zu haben.

Der „Cuponazo” kostet zwei Euro, die Auslosungen finden freitags statt. Als Hauptpreis winken fünf Millionen, für fünf richtige Ziffern immerhin 149 Mal 30.000 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat geht es sogar um noch mehr Geld, für einen Lospreis von 2'50 Euro kann man auf 6.010.122 Euro hoffen, dazu gibt es 119 mal 30.000 Euro für fünf Richtige.

Sonntags kann man sein Leben finanziell dauerhaft klären: Der Hauptpreis besteht aus 100.000 Euro jährlich über 25 Jahre. Fünf Richtige bringen noch 30.000 Euro (einmalig). Der „Supercupón” wird für zwei Euro verkauft. Sonntags nach dem „speziellen” Freitag verlost ONCE sogar 100.000 Euro jährlich für 25 Jahre plus einmalige Sofortzahlung in Höhe von 500.000 Euro. Ein solches Los kostet 2'50 Euro.

Wer keine Chance auslassen will und immer dieselbe Nummer spielen möchte, kann mit dem Bonocupón bei allen Ziehungen einer Woche spielen. Der Preis des Loses richtet sich nach den einzelnen Verlosungen, die in der fraglichen Woche stattfinden, die etwaigen Gewinne der einzelnen Ziehungen summieren sich.

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