Sangría eimerweise?

Die Wahrheit über deutsche Urlauber / VON BERND JOGALLA

Der typische Urlauber aus Deutschland trinkt seine Sangría gerne aus dem Eimer, verbringt den Tag am liebsten mit dem Schreiben von Beschwerdebriefen, trägt weiße Socken zu den Sandalen und erfreut seine Umgebung am Abend mit dem Absingen der Hymnen deutscher Fröhlichkeit – heute blau, und morgen blau ...

So weit die gängigen Vorurteile über deutsche Mallorca-Urlauber. Der Grund? Vielleicht die (einst) real existierenden Auswüchse à la Ballermann, oder einfach der fehlende Benimm Einzelner, die die ganze „Innung” blamieren. Aber das Vorurteil ist, so haben es Vorurteile nun mal an sich, falsch.

Der Autor hat das Wochenende im Hotel Aguait in Cala Rajada verbracht, einem etwas betagten und von deutschen Gästen dominierten Vier-Sterne-Haus direkt an der Felsküste. Und was musste er erleben? Dass sich die Gäste so verhalten, wie wir es von Gästen erwarten. Rücksichtsvoll, freundlich und höchst gesittet – Mann geht in Badehose allenfalls ins Bistro, zum Dinner erscheint er in langer Hose. Deutsche Tugenden werden auch im Urlaub gewahrt: So pünktlich, wie morgens um acht die Handtücher auf den Poolliegen platziert werden, stehen die Alemanes um 19 Uhr zum Abendessen bereit und um 22 Uhr zum hoteleigenen Entertainment. Danach ist Ruhe. Kann sich ein Hotelier mehr erhoffen?

Es ist nur allzu gut verständlich, dass sich die neue Balearen-Regierung geradezu rührend um die deutschen Urlauber bemüht. Sein Tourismusminister war in den wenigen Wochen seiner Amtszeit gar schon dreimal in Deutschland.

Nun gut, werden sie sagen, auch Gäste anderer Nationen wissen sich zu benehmen. Ist richtig, aber Urlauber aus Alemania haben für Mallorca noch einen weiteren, entscheidenden Vorteil: Sie reisen nicht nur, wie etwa Franzosen oder Festlandsspanier, im Monat August, sondern das ganze Jahr über. Und genau das ist für Mallorca überlebenswichtig. Es geht darum, dass der Kellner im Hotel einen Ganzjahresjob bekommt, und nicht im Oktober stempeln gehen muss. Die letzten beiden Winter, als die Deutschen ausblieben, haben wir sehen müssen, wie schnell in den Urlaubsorten tote Hose herrscht.

Ich glaube, nicht nur Jaume Matas hat ein wenig Sehnsucht nach den treuen Alemanes. Freuen wir uns darüber.

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