Kassen müssen zahlen

Der europäische Gerichtshof stärkt die Rechte der Versicherten / Zahnärzte auf Mallorca begrüßen Urteil

Product de Balears jetzt auch im Mund: Wer sich eine neue Zahnkrone oder Brücke ,Made in Mallorca' einsetzen lassen will, braucht von seiner Krankenkasse in Deutschland keine Hemmnisse mehr zu fürchten. Möglich wurde dies durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes, das Mitte Mai in Kraft getreten ist und die Rechte der Verbraucher in der EU stärkt. Die Richter stellten fest, dass sich auch gesetzlich versicherte Bürger im EU-Ausland ambulant behandeln lassen dürfen. Die Kassen daheim haben die dabei entstehenden Kosten zu erstatten, und zwar in der selben Höhe, in der sie die erbrachten Leistungen auch zuhause berechnet hätten.

In der Regel bezahlen die Kassen 50 bis 60 Prozent der Behandlungskosten für Zahnersatz. Da auf Mallorca die Dienste der Zahnärzte im Vergleich zu Deutschland 25 bis 35 Prozent günstiger sind, fällt der Eigenanteil der Versicherten niedriger aus. Ab Mai 2004 gilt die Regelung auch für die neuen Beitrittsländer.

Der seit 14 Jahren in Palma tätige Zahnarzt Tilo Hörstmann begrüßt das Urteil. „Heute ist es das gute Recht der Patienten, sich preisgünstigen Zahnersatz im Ausland machen zu lassen.” Schon vor der Regelung habe er im Jahr 50 bis 60 „Zahnarzt-Touristen” behandelt. Mitunter war es für die Klienten schwierig, im Vorfeld die Genehmigung ihrer Kasse oder im Nachhinein die Kosten erstattet zu bekommen.

In Zukunft bezahlen die Versicherten den Arzt zunächst selbst und lassen sich nach der Rückkehr in die Heimat das Geld von der Versicherung in Höhe der regulären Kassenleistungen rückerstatten.

Die Behandlungskosten sind auf der Insel gut ein Drittel niedriger, weil hier die Mieten, Gehälter und Steuern weniger zu Buche schlagen als in Deutschland, sagt der Zahnarzt im Ärztehaus Palma, Klaus Overmann. Das gelte auch für die Laborkosten. Allein auf Mallorca gebe es mindestens fünf von deutschen Zahntechnikern geführte Unternehmen, die mitunter ausschließlich Aufträge aus der Bundesrepublik bearbeiten. „Der Preisvorteil für die Herstellung von Brücken und Krone wird an den Patienten weitergegeben”, sagt Overmann. Ein Beispiel: Kostet eine Krone in Deutschland um die 450 Euro, werden auf Mallorca in der Regel 270 bis 300 Euro fällig. Mit dem ersparten Geld finanziere der Patient den Insel-Urlaub mit. „Das heißt, es gibt auf Mallorca gesunde Zähne und Urlaub, statt nur gesunde Zähne in Deutschland.” Die Zahnmediziner rechnen nun mit einem Anstieg der Zahnarzt-Touristen. (as)

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