Kreisverkehr im Zentrum von Palma am Mini-Obelisken. | Patricia Lozano

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Wer einmal mallorquinische Autofahrer dabei beobachten möchte, wie sie sich ärgern, wild zu hupen anfangen und andere Verkehrsteilnehmer deftig beschimpfen, der sollte sich einfach mal das Treiben auf einem der viel befahrenen Kreisverkehre auf Mallorca betrachten, die es etwa in Palma gibt. Da werden fremder Leute Mütter verunglimpft, Fäuste geballt und Schläge angedroht.

Besonders gut zu beobachten ist dieses alltäglich Spektakel auf der Plaça del Cardenal Reig in Palma, benannt nach einem ranghohen Geistlichen, der an der Wende zum 20. Jahrhundert auf der Insel wirkte. Immer wieder kommt es auf dem Kreisverkehr, der rund um einen weithin sichtbaren Obelisken führt, zu waghalsigen Ausweichmanövern und Vollbremsungen. Nicht selten kracht es auch.

Das liegt daran, dass diese „Rotonda”, wie die Spanier sagen, besonders unübersichtlich ist. Nicht nur, dass sie gleich drei Fahrspuren hat, es gibt zudem acht Ampeln, die den Verkehrsfluss regulieren, und auf den Asphalt sind noch zusätzliche Verkehrszeichen gemalt. Aus fünf Straßen strömen Autos hier zusammen, um mehrheitlich in die sechste wieder abzubiegen.

Dies aber ist nur ein Extremfall. Auch an vielen anderen Kreisverkehren kommt es zu Problemen. Der Hauptgrund ist, dass es keine klaren Vorschriften für ihre Benutzung gibt. Die spanische Straßenverkehrsordnung sieht nur eine einzige Regel für das Verhalten in Kreisverkehren vor: Wer sich bereits in der „Glorieta” befindet, wie die Kreisverkehre offiziell heißen, hat Vorfahrt. Alles andere ist dem gesunden Menschenverstand überlassen.

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Da aber nicht jeder Autofahrer damit in ausreichendem Maße gesegnet ist, kommt es insbesondere bei mehrspurigen Kreisverkehren vor allem dann zu Problemen, wenn jemand auf der inneren Fahrspur unterwegs ist und abbiegen will. Oft kommt es dann zu abrupten Spurwechseln. Sprich: Von der inneren Spur wird dann direkt über die äußere Spur hinweg die Ausfahrt genommen. Zu Problemen führt das, wenn gleichzeitig auch jemand auf der äußeren Fahrspur unterwegs ist und nicht abbiegen, sondern im Kreisverkehr bleiben möchte.

Dabei ist das Vorgehen in solchen Fällen eindeutig, wie die spanische Verkehrsbehörde erklärt: Der Kreisverkehr darf nur von der äußersten Fahrspur aus verlassen werden. Wer sich auf der inneren befindet, muss also zunächst auf die äußere wechseln, bevor er dann die Ausfahrt nimmt – oder zumindest den Verkehr so gut beobachten, dass er beim Abbiegen niemanden schneidet.

In einem Erklärvideo zu dem Thema, das im Internet zu finden ist, wird das Ganze anhand eines Vergleichs veranschaulicht. Auf gerader Strecke – zum Beispiel einer Schnellstraße mit zwei Fahrbahnen pro Richtung – dürfe man ja auch nicht von der linken Spur aus direkt in eine etwaige Ausfahrt abbiegen. Zuvor müsse man auf die rechte Fahrbahn wechseln. Das gelte auch in einem Kreisverkehr, den man sich zu dem Zweck einfach mal als gerade Strecke vorstellen solle.

An anderer Stelle empfiehlt die Verkehrsbehörde, die innere Fahrspur nur dann zu nutzen, wenn man den Kreisverkehr zumindest zu drei Vierteln umrunden will, bevor man ihn wieder verlässt. Die äußere Fahrspur dagegen solle nehmen, wer höchstens bis zur Hälfte in der „Rotonda” bleiben möchte. Verpflichtend aber ist das nicht. Die äußerste Fahrspur kann man immer nutzen, egal, wo man abbiegen möchte.

In jedem Fall hilfreich bei der Nutzung eines Kreisverkehrs, ist der Blinker. So lässt sich etwa signalisieren, dass man auf der äußeren Spur fahrend den Kreisverkehr noch nicht verlassen möchte. Eine Besonderheit in der „Rotonda” sind übrigens Radfahrer, die in größeren Gruppen unterwegs sind, wie man sie auf Mallorca häufig antrifft. Diese sind nämlich als Einheit zu betrachten: Sobald der erste Radler in den Kreisverkehr gefahren ist, müssen Autofahrer der gesamten Gruppe Vorfahrt gewähren. Auch die Unkenntnis dieser Regel hat auf der Insel schon zu bösem Blut geführt.