Nach Mallorca im Bus

Steigende Passagierzahlen wegen Flugangst und Airport-Streiks

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Sie fallen auf, die Busse mit deutschem Kennzeichen, die zurzeit auf der Insel unterwegs sind. Wird Mallorca Urlaubsziel für Bustouristen? „Eindeutig”, meint Tobias Glauch, Chef eines 50 Jahre alten Reiseunternehmens aus Viersen am Niederrhein. „Mallorca ist das Reiseziel der Deutschen überhaupt. Und durch das Attentat vom 11. September hat die Flugangst zugenommen, so dass die Leute Alternativen suchen, um auf die Insel zu kommen”, berichtet er. Diese Alternative scheint günstig für eine Woche Allround-Urlaub. Glauch: „Zwischen 399 und 500 Euro alles inklusive.” Im November vergangenen Jahres schickte das Unternehmen das erste Mal seine Busse auf die Insel, „die beiden einwöchigen Touren waren zu 70 Prozent ausgebucht”, so Glauch. Noch bis April rollen die Busse an, danach geht es erst wieder im November los. Der Grund für die Pause: „Die Hotelbetten werden von den Gesellschaften, die Flugreisen veranstalten, belegt. Wir haben keine Aussicht, unser Angebot bis Juni oder ab September zu erweitern, obwohl wir die Busse vollkriegen würden”, bedauert er. Seine Prognose: „Nächstes Jahr kommen wir mit Doppeldeckern.” Was die Leute reizt, sei vor allem die Vielfalt an Ausflügen, die man mit der Reise buchen kann. Der holländische Reiseleiter, León Janssen, der dieses Wochenende zum vierten Mal die Glauch-Touristen auf die Insel bringt, erzählt: „Die Menschen lieben es, mit dem eigenen, gewohnten Bus unterwegs zu sein. An Bord bekommen sie deutschen Kaffee, der Busfahrer spricht deutsch, sie fühlen sich sicher. Viele kamen schon oft mit dem Flugzeug nach Mallorca und kennen nichts anderes als Arenal. Wenn sie die Anreise mit den Touren buchen, sehen sie mehr.” Janssen sitzt selbst am Steuer. Über die Infrastruktur äußert er sich zufrieden: „Die Straßen sind breit genug, Parkplätze ausreichend vorhanden, auf der Fähre gab es auch noch nie Probleme. Hält man sich an die Gesetze und bucht mallorquinische Reiseleiter, bekommt man keine Probleme.” Richtig Ärger mit den einheimischen Agenturen hatte „Catherina-Reisen” aus Hamburg. „Südländische Praktiken und mafiöse Strukturen” vermutet Chef Günther Achterkamp: „Unsere Busse werden von der örtlichen Polizei kontrolliert, es wurde uns schon angedroht, dass sie angezündet werden. Am Anfang hatten wir deutsche Reiseleiter mit, dann wurden wir eines Besseren belehrt.” Inzwischen heuert das Unternehmen einheimische Ortskundige an, „83 haben wir jetzt für die kommenden Monate angefordert”, so Achterkamp. Bustouren nach Mallorca seien im Trend: „Seit zwei Jahren haben wir sie im Programm. 5000 Leute von uns kommen im Februar, März, Oktober und November auf die Insel. Derzeit sind auf Mallorca acht Catherina-Busse im Einsatz.” Den Passagieren gefällt es, „weiter oben als die anderen Verkehrsteilnehmer zu sein und alles im Blickfeld zu haben”, so der Catherina-Tourist Günther Gräb. Seine neue Bekanntschaft Helga Hoffmann lobt die Reisen: „Im Bus kommt man ins Gespräch, es entsteht keine Langeweile. Wenn Stau ist, kann man schlafen. Man hat keine Parkplatz-Probleme und bekommt auf der Insel alles erklärt.” Und „das Allerbeste” ist laut Gräb: „Kein Streik am Flughafen. Es kann einfach nichts schiefgehen.” Die beiden Freundinnen Inge Schmidt und Hildegard Kuhnt haben die Reise gemeinsam von Berlin aus angetreten. Flugangst kennen sie nicht, aber „sehr bequem ist die lange Fahrt nicht. Aber wir wussten, auf was wir uns einlassen”, resümiert Schmidt. Über eine Postwurfsendung wurden die Frauen auf die einwöchige Mallorca-Bustour aufmerksam: „255 Euro für Fahrt, Unterkunft, Frühstück und Überfahrt. Dazu kommen 375 Euro für sechs Ausflüge plus sechs Abendessen, ein gutes Angebot”, meint Kuhnt. „Geiger-Reisen” aus der Pfalz bietet seit 1997 eine zehntägige Balearen-Rundfahrt an. Mallorca ist Ausgangspunkt für die Ausflüge auf die anderen drei Inseln. Die Studienreisen, die inklusive Eintritte, Führungen, Übernachtungen und Halbpension 1890 Euro kosten, finden Resonanz: „Wir fahren nur einmal im Jahr, rund 150 Touristen haben teilgenommen”, so die Reiseleiterin Brigitte Chevalier. Als anstrengend werden die Busreisen nicht empfunden, meint sie. Denn: „Zwei Übernachtungen und dazwischen eine Stadtrundfahrt in Barcelona, das lindert die Strapazen.”

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