Eine Nummer zu klein

Warum Bernd Krauss für Real die falsche Wahl war / VON WOLFRAM SEIFERT

Ruhmreich ist die Geschichte Real Mallorcas der letzten Jahre. Uefa–Pokal, spanisches Pokalfinale, Sieg im nationalen Supercup, Finale im Europapokal der Pokalsieger und – in der letzten Saison – um ein Haar Zweiter der spanischen Liga. Als Dritter kämpfte sich das Team 2001 in die erste Gruppenphase der Champions League.

Für die Erfolge zeichneten zwei große Trainer verantwortlich: der Argentinier Héctor Cúper, heute bei Inter Mailand, und Luis Aragonés, der zu seinem Stammverein Atlético Madrid zurückkehrte, um ihn zurück in die erste Liga zu führen.

Für die Schmach war Bernd Krauss zuständig, der erste deutsche Trainer in der Geschichte des Vereins.

Krauss stieg in Palma, wie zuvor in Dortmund, in zu große Schuhe. In Dortmund wurde er (trotz des Zwischenspiels Skibbe) am großen Ottmar Hitzfeld gemessen; in Palma an den beiden Leitfiguren Cúper und Aragonés.

Dort wurde er nach elf sieglosen Spielen (davon sieben Niederlagen) geschasst, hier flog er nach sechs Niederlagen in der Liga (in acht Spielen) und dem kompletten Blackout seines Altherren-Teams gegen Schalke.

Die Pleite war vorprogrammiert. Schuld hat natürlich, wie immer, der Trainer (der sie allerdings in erster Linie der Presse zuschiebt). Aber auch die Vereinsführung.

Man muss wissen: Real Mallorca ist kein normaler Fußballverein, sondern gehört dem Medienkonzern Zeta. Der Klub ist ein streng gewinnorientierter Betrieb. Hoch investiert wird nur dann, wenn es betriebswirtschaftlich sinnvoll erscheint.

Aragonés hatte in den Augen der Unternehmensführung jedoch eine so gute, gut eingespielte Mannschaft hinterlassen, dass die Verpflichtung eines Star–Trainers nicht erforderlich schien. So fiel die Wahl auf den vergleichsweise preiswerten Krauss.

Die Mannschaft, sagen Beobachter, habe zuletzt nur noch gegen den Trainer gespielt, habe ihn los werden wollen. Weil er keine Leuchte war, weil er kein Spanier war, weil er sich mit seinem dünnen Spanisch nicht in die Mannschaft einfühlen konnte.

Bernd Krauss sagte, der spanische Fußball sei besser als der deutsche. Das stimmt wohl. Wobei es ihm egal sein kann: Für beide erste Ligen ist er als Trainer eine Nummer zu klein.

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