Der schwere Gang der Sünder

Palmwedel, Prozessionen und ,,Kreuzabnahme”: Mehr als 50 Bruder- und Schwesternschaften pflegen Ostertraditionen

Die Osterzeit ist auf Mallorca die Zeit der Bruderschaften und Prozessionen. Die Feiern beginnen mit dem ,,Pregòn”, jeweils am Freitag vor Palmsonntag. Damit gilt die Karwoche als offiziell eröffnet.

In den vergangenen Wochen wurden auf den Märkten – in Palma vor allem auf der Rambla – bereits die traditionellen Palmwedel angeboten. Die werden am Palmsonntag bei den Messen gesegnet. Danach wird der Wedel über der Haustür, am Balkongitter oder unter dem Fenster angebracht. Das bringt Glück fürs ganze Jahr.

Am Palmsonntag beginnen dann die täglichen Prozessionen. Träger dieser Prozessionen sind die frommen Bruderschaften, die ,,Cofradías” oder ,,Hermandades”. Diese Bruderschaften haben sich aus den mittelalterlichen Zünften entwickelt. Die Mitglieder kommen, wie die Angehörigen einer Loge oder Berufsvereinigung, mehrmals im Jahr zusammen, um für ihre Kirche zu sammeln, vor allem aber, um die Prozessionen der Karwoche vorzubereiten.

Mehr als 50 Bruderschaften gibt es auf Mallorca, 31 alleine in Palma. Die älteste, die ,,Cofradía Cruz de Calatrava” wurde 1564, die jüngste, die ,,Cofradía Santa Monica”, 1999 gegründet. Die Mitgliedschaft in einer Bruderschaft wird meist vom Vater auf den Sohn vererbt, inzwischen auch von der Mutter auf die Tochter. Denn es gibt auch Bruderschaften, die nur aus Frauen bestehen. In früheren Jahrhunderten war Frauen die Teilnahme an den Prozessionen versagt. 1988 wurde in Palma die erste ,,Schwesternschaft” gegründet. In der ,,Cofradía de la Agonía de Cristo” schlossen sich zunächst vierzig Büsserinnen zusammen. Männer haben keinen Zutritt. Inzwischen sind in vielen Bruderschaften Männer und Frauen zugelassen.

Die wichtigste Prozession auf Mallorca ist die ,,Processiò de la Sang”, die Prozession des Heiligen Blutes. ,,El Cristo de la Sang”, der ans Kreuz geschlagene Christus, wird feierlich durch die Stadt getragen. Diese Statue wird von den Mallorquinern auch außerhalb der Osterzeit am meisten verehrt.

Viel beachtet und besucht ist die ,,Kreuzabnahme” (Devallement) in Pollença. Hier wird die Christusfigur der Kirche auf dem Kalvarienberg vom Kreuz genommen und auf eine Art Katafalk aufgebahrt. Dann trägt man sie die 365 Stufen des Kalvarienberges hinunter zur Gemeindekirche. Zu dieser Prozession kommen Menschen aus fast allen Teilen der Insel. Auch in Felanitx wird die Kreuzabnahme am Karfreitag um 21.30 Uhr nachgespielt.

In Sineu findet am Karfreitag die ,,Prozession der Heiligen Grablegung und der Einsamkeit Maria” statt. Diesen Brauch gibt es in dem Landstädtchen seit dem Jahr 1667. An dieser Prozession nehmen mit die ältesten Bruderschaften der Insel teil, von denen manche schon seit dem Beginn des 17. Jahrhunderts bestehen.

Jeweils zehn Bruderschaften nehmen an den Prozessionen teil, die am Gründonnerstag und am Karfreitag in Muro stattfinden. Am Karfreitag ist auch die ,,Schwesternschaft der Schwarzen Damen” dabei.

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