Mehr Qualität

Lebensstandard nur Durchschnitt / VON MICHAEL BLUM

Lügen, verdammte Lügen, Statistik. So steigerte schon Benjamin Disraeli. Am meisten führen Durchschnittswerte in die Irre. Wie der, dass das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen auf den Balearen das höchste in Spanien und eines der höchsten in der EU ist.

Nach einer jetzt vorgelegten Studie des balearischen Finanzministeriums, die feinere Messinstrumente einsetzt, geht es den Bürgern auf den Balearen zwar nicht schlecht. Aber sie sind in Sachen Lebensqualität lange nicht Spitze.

Das bestätigt, was man sieht, wenn man mit offenen Augen die Realität auf den Inseln betrachtet: Die Menschen arbeiten viel, dafür leben sie wenig – nur in Andalusien wird früher gestorben als hier. Sonne allein macht eben nicht glücklich, und Wohlstand drückt sich nicht allein durch Nullen auf dem Gehaltsscheck aus.

Wer hat nun Schuld daran? In erster Linie die Politiker, vor allem in Madrid, aber auch in Palma, die verhindern, dass die öffentliche Hand auf den Balearen dem Bruttoinlandsprodukt angemessen investiert. Denn dann wären die Zahlen in Sachen Bildung und Gesundheit besser.

Schuld daran ist aber auch eine Struktur, die sehr zerbrechlich ist. Denn das meiste Geld fließt durch den Tourismus auf die Inseln, im Sommer in dicken Strömen, im Winter in einem Rinnsal. Dadurch ist der Arbeitsmarkt instabil, viele Menschen schuften im Sommer pausenlos, sind aber im Winter monatelang erwerbslos. So hat der Industriezweig, der von der Sonne lebt, dunkle Schattenseiten.

Die Forderung an die Politiker, über Parteigezänk hinaus Politik zu machen, ist müßig, aber wieder einmal angebracht. Aber auch die Unternehmer auf den Balearen, vor allem die Hoteliers, dürfen sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Es kann nicht angehen, dass sie dicke Geschäfte machen, aber Angestellte nach Belieben auf die Straße setzen – was die Gesellschaft, etwa in Form von Arbeitslosengeld, zahlen muss.

Es hat nichts mit Neid zu tun, wenn man von Familien wie den Escarrers, die die fünftreichste in Spanien ist, mehr soziales Gewissen fordert. Nicht nur die Eigentümer der größten spanischen Hotelkette Sol-Meliá verzerren mit ihren Mega-Einkünften die Zahl des Durchschnittseinkommens. Warum sollten sie nicht auch zu einer Verbeserung der allgemeinen Lebensqualität beitragen?

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