¿Entiendes?

VON GABRIELE KÜSTER

Zugegeben: Man kann auf dieser Insel auch leben, ohne die Sprache des Landes zu sprechen. Ausländer, die schon seit Jahren auf Mallorca sind, und bei einem ,,¿entiendes?” nur mit dem Kopf schütteln können, gibt es zuhauf. Schließlich sind da ja genügend Landsleute, mit denen man sich umgeben kann, und schließlich ist die komplette Palette der Dienstleistungen auch in Deutsch oder Englisch – wenn auch in der Regel etwas teurer als sonst – zu haben.

Wer allerdings nicht ausschließlich wegen des Klimas auf Mallorca lebt, wer teilnehmen will am Alltag auf der Insel und wer zur arbeitenden Bevölkerung gehört, kommt nicht umhin, Spanisch zu lernen. Das Angebot an Sprachschulen auf Mallorca ist erfreulich gut (siehe S. 3 bis 8). So gut, dass wahrscheinlich jeder für sich die passende Unterrichtsform findet. Wie in jeder Branche gibt es aber auch hier schwarze Schafe, die sich im Konkurrenzkampf mit unlauteren Mitteln schlagen: Also aufgepasst bei Verträgen und Preis-Leistungs-Verhältnis vergleichen! Durchaus nicht selbstverständlich ist das Angebot, das die Inselbehörden Ausländern machen, um die Integration ihrer neuen Mitbürger zu fördern. Kostenlose oder sehr günstige Kurse in Castellano und Català werden lobenswerterweise in vielen Gemeinden der Insel angeboten. Bisweilen – wie in Palma – ist die Anstrengung zur Annäherung der Nationalitäten allerdings von nationalistischen oder regionalistischen Bestrebungen überschattet. Wie sonst ließe sich erklären, dass das Castellano in den Kursen für Erwachsenen nur eine Nebenrolle spielt, während die Verbreitung der katalanischen Sprache auf allen Ebenen gefördert wird?

An dieser Stelle soll beileibe niemand vom Katalanisch-Lernen abgebracht werden. Besonders auf dem Dorf dringt man mit Català einfach leichter in die Köpfe und Herzen seiner mallorquinischen Nachbarn ein. Wer beide Inselidiome spricht – um so besser. Die Politiker und Beamten sollten aber klar im Auge behalten, dass Sprache in erster Linie der Verständigung und einem besseren Verständnis dient – und nicht als Politikum missbraucht werden sollte. Castellano ist zweite offizielle Amtssprache und sollte mindestens denselben Stellenwert haben. Wenn die Bewahrung von Identität Ausgrenzung bedeutet, dann kommt mir das ziemlich spanisch vor.

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