Arenal-Alarm

Palma vertreibt Trink-Urlauber / VON MICHAEL BLUM

Alarm in Arenal: 4000 bierselige Deutsche protestieren lautstark gegen die polizeiliche Schließung ,,ihrer” Tränken. Das sorgt für Schlagzeilen: auf Mallorca, aber auch in Deutschland.

Es stellen sich zwei Fragen: Musste es so weit kommen? Und: Ist die Politik der Stadt, in der Schinkenstraße für Ruhe zu sorgen, überhaupt richtig?

Erstens: Es müsste Möglichkeiten geben, den Streit zwischen den Besitzern der Biergärten, die um ihre Einnahmen fürchten, und der Stadt Palma in zivilisierter Form auszutragen. Aber schon von Beginn an gab es Demonstrationen und Schreie auf Seiten der Wirte und ihres Bedienungspersonals. Aber das Rathaus ist auch nicht gerade dafür bekannt, den Dialog besonders zu suchen. Dabei sollten sich beide, Politiker und Wirte, im klaren sein, dass sie im selben Boot sitzen. Und auf diese Weise tun sie alles, um es zu versenken.

Das führt zu zweitens: Die deutschen Feierurlauber gehören zu den Touristen, die am meisten Geld nach Mallorca tragen. Der Preis, den die Insel für diese Einnahmen wiederum bezahlen muss, ist aber vergleichsweise gering: Die Biergärten und der Ballermann befinden sich auf eng begrenztem Raum an der Playa de Palma. Säufer mieten keine Autos, vermüllen nicht das Hinterland, spielen kein landschaftsverschlingendes Golf.

Die Kegelklubs konnten an der Playa bis vor kurzem saufen und singen, bis die Schwarte krachte. Jahrzehntelang hat das keinen gestört, zumindest hat sich keiner beklagt. Klar: Man will mit dem Vorgehen gegen Bierkönig & Co. gegen das schlechte Image angehen, das von der Schinkenstraße in die Welt transportiert wird. Aber wie wird das Image erst werden, wenn die Playa touristisches Ödland ist? Denn was soll anstelle der ergiebigen Biergärten entstehen? Noble Fincas etwa? Mit der neuen Politik der leisen Töne erreichen die Stadtväter nur eines mit Sicherheit: Die trinkseligen Touristen werden wegbleiben, sich neue, lustigere Reviere suchen.

Außerdem drängt sich der Eindruck auf, dass in Palma selektive und diskriminierende Politik gemacht wird. Warum darf ein anderer großer Biergarten ausschenken, wenn er nicht mal eine Betriebserlaubnis hat? Warum unterbindet keiner den Krach auf dem Paseo Marítimo oder um die Plaza Gomila?

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