Nasser Tod

Mehr Respekt vor dem Meer / VON BERND JOGALLA

20 Menschen sind im August in Schwimmbädern und vor Stränden der Balearen ertrunken. Das mag eine unglückliche Häufung sein – wir kennen die ,,schwarzen Serien” im Straßenverkehr –, aber es sind 20 zuviel.

Gerade die jüngsten Toten vom vergangenen Wochenende zeigen, dass viele Badegäste den nötigen Respekt vor dem Meer vermissen lassen. Wer bei roter Flagge in die Fluten springt, ist tödlich leichtsinnig. Wobei er möglicherweise nicht nur sich selbst in Gefahr bringt. Schon mehrfach haben wir es erlebt, dass Rettungsversuche auch für die Retter mit dem Schlimmsten endeten.

Warum die Warnsignale so häufig missachtet werden, ist leicht nachvollziehbar. Wer nur zwei Wochen Urlaub hat, will keinen Badetag verlieren. Auch wer auf der Insel residiert und arbeitet, will die Anfahrt zum sonntäglichen Strandgang nicht umsonst getan haben. Hinzu kommt, dass sich viele Landratten die Gewalt, die das Meer zuweilen entfacht, einfach nicht vorstellen können. Zumal sich die Verhältnisse verblüffend schnell ändern können. Das müssen auch auch immer mehr unerfahrene Freizeitkapitäne feststellen. Die Seerettung fährt jedes Jahr mehr Einsätze. Häufigste Ursachen der Seenot: Unwissen und Leichtsinn.

Für die Schwimmer muss gelten: Wenn sich das Meer rebellisch zeigt, ist das Baden tabu, auch wenn's schmerzt. Die jüngsten Todesfälle mögen den Schluss nahelegen, dass nur schwache Senioren oder Kinder gefährdet sind. Falsch! Selbst gute Schwimmer sollten der Versuchung widerstehen – wie leicht können sie ihre Kräfte überschätzen. Außerdem haben sie Vorbildfunktion. Man kann es immer wieder an den Playas beobachten, dass die Leute auch bei Rot besonders sorglos ins Nass waten, wenn andere schon drin sind. Also ist auch der erste Schwimmer schon einer zuviel.

Das Meer ist faszinierend schön. Aber es kann sich auch in eine tödliche Attraktion verwandeln. Das muss jeder Mallorca-Besucher wissen und diesem Element mit dem entsprechenden Respekt begegnen.

Die Verantwortlichen in Tourismus und Politik sollten ihre Bemühungen um Aufklärung und Sicherheit an den Stränden noch verstärken. Die Überwachung der Playas ist noch lange nicht lückenlos. Vor allem in der nahenden Nebensaison sind viele Wachtürme verwaist. Als ob das Meer in die Winterpause ginge ...

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