Kleiner Sommer mitten im Winter

Im Januar wiederholt sich Jahr für Jahr ein bemerkenswertes Wetterphänomen: die „Calmes de gener"

Calma de Palma: Das Meer so glatt wie ein See – während der „Calmes de gener" weht meist kein Lüftchen.

Es gibt gute Gründe, den mallorquinischen Winter zu mögen. Einer davon sind die „Calmes de gener". Dieses Wetterphänomen, das mit „Ruhe des Januars" zu übersetzen ist, sorgt für sommerliche Tage, mit oft mehr als 20 Grad, strahlendem Sonnenschein, wolkenlosem Himmel und völliger Windstille - wie ein kleiner Sommer mitten im Winter eben.

Vorherzusagen ist das Phänomen aber nur bedingt, sagt Agustí Jansà, der Direktor des balearischen Wetteramtes. „Meist handelt es sich um zehn bis 15 Tage im Januar", erklärt der Meteorologe. „Allerdings können die ,Calmes' auch schon im Dezember eintreten, andererseits fallen sie manchmal einfach aus." Ob der ungewöhnlich sonnige Dezember bereits den „Calmes" geschuldet war, ist eher unwahrscheinlich, sagt Jansà: „Dafür war es zu windig."

Denn die meist vollkommene Windstille ist eines der charakteristischen Merkmale dieses Wetterphänomens. Praktisch ohne Wellen liegt dann das Meer da und gleicht eher einem See. „Gutes Wetter für Fischer, schlechtes Wetter für Seeleute", so der mallorquinische Volksmund zu den „Calmes".

Letztendlich handelt es sich bei dem Phänomen um die Auswirkungen eines umfangreichen Hochdruckgebietes, das sich im Januar regelmäßig bildet und nicht nur den Balearen-Inseln gutes Wetter beschert, sondern weiten Teilen Europas, wie Jansà erklärt.

Hochdruckgebiete verhindern in der Regel die Wolkenbildung und zeichnen sich außerdem häufig durch Windstille aus.

Das charakteristischste Merkmal der „Calmes" auf Mallorca und auf den balearischen Nachbarinseln ist aber das Absinken des Meeresspiegels. Um bis zu einen halben Meter fällt der Pegel, sodass stellenweise sogar Fischerboote auf dem Trockenen liegen - darum werden die „Calmes" auch „Seques" („Trockenheit") oder „Minves" („Absinken") genannt.

Der Grund für das Fallen des Meeresspiegels ist laut Jansà der steigende Luftdruck: „Ein Millibar mehr Luftdruck senkt den Meeresspiegel um etwa einen Zentimeter." Der Vollmond dagegen, der am kommenden Montag, 9. Januar, erreicht ist, spiele dabei entgegen einer weit verbreiteten Meinung keine Rolle.

Ob es die „Calmes" in diesem Winter schon gegeben hat, ob sie noch bevorstehen oder ob sie gar ausfallen - da will sich Jansà nicht festlegen. Sicher ist er dagegen, dass das Wetter auch in den nächsten Tagen freundlich bleiben wird.

Nur für Freitag, 6. Januar, sind vereinzelte Schauer vorhergesagt. Ansonsten ist es sonnig und bis zu 18 Grad warm, kurz: nicht wirklich winterlich.

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