Die Mallorquiner orientieren sich am Wind

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Der nördlichste Zipfel der Insel: Cap Formentor ist ein beliebtes Ausflugsziel

Der nördlichste Zipfel der Insel: Cap Formentor ist ein beliebtes Ausflugsziel.

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Der nördlichste Zipfel der Insel: Cap Formentor ist ein beliebtes AusflugszielDas Cap de ses Salines in Colònia de Sant Jordi ist der südlichste Punkt Mallorcas

Wer schon mal einen Mallorquiner gefragt hat, wo Andratx, Sóller und Lluc liegen, bekam immer die gleiche Antwort: In der Serra de Tramuntana. Jenem Gebirge, das die Insel von der West- bis zur Nordspitze durchzieht. Und wo liegt die Tramuntana? "An der Costa Nord", so die Antwort, an der Nordküste also. Genau damit hat mancher Resident und Urlauber seine Probleme. Würde er doch Andratx eher im Westen und Lluc im Norden der Insel einordnen.

Aufgrund seiner charakteristischen Form fällt die Unterteilung Mallorcas gemäß den Himmelsrichtungen schwer. Einheimische verwenden sie meist gar nicht. "Die Mallorquiner benutzen eher die Windrichtungen, wenn sie sich auf der Insel orientieren", erklärt Joan Barceló, Journalist aus Porreres und ehemaliger Wettermann des balearischen Fernsehens. Das rühre daher, dass auf Mallorca viele Menschen auf dem Meer arbeiten oder als Hobby Wassersport ausüben: "Seefahrer orientieren sich immer am Wind."

Nordwind heißt auf Mallorquinisch Tramuntana und verlieh dem Inselgebirge seinen Namen. "In der Wahrnehmung der Menschen steht der Norden für kühlere Temperaturen und viel Regen, solche klimatischen Bedingungen herrschen in der Tramuntana", erklärt Maurici Ruiz, der als Kartograf an der Balearen-Universität arbeitet. Deshalb heiße die Tramuntana- auch Nordküste.

"Westen gibt es auf der Insel gefühlt nicht", sagt Ruiz. Kein Mallorquiner würde sagen, dass Estellencs, Banyalbufar oder Valldemossa im Westen liegen. Gebräuchlich ist die traditionelle Unterteilung in Comarcas. Sie sind mit Landkreisen vergleichbar, obwohl sie keinen offiziellen Verwaltungseinheiten entsprechen. Mallorca besteht aus sechs solcher Comarcas. Einige von ihnen tragen die mallorquinischen Bezeichnungen der Windrichtungen des Mittelmeeres: Tramuntana (Nordwind), Migjorn (Südwind) und Llevant (Ostwind). Eine Comarca Poniente (Westwind) gibt es nicht, vielmehr umfasst Tramuntana die Gemeinde von Calvià bis nach Pollença, also alle süd- und nordwestlichen Kommunen. Auf dem Gemeindegebiet von Pollença befindet sich die nördlichste Spitze Mallorcas, das Cap Formentor.

Ihr Gegenstück im Süden bildet das Cap de Ses Salines, das Kap gehört zur Gemeinde Santanyí. Mallorcas Süden, also der Migjorn, nimmt wie der Norden eine große Fläche ein. Zu ihm gehören die Kommunen Llucmajor, Campos, Felanitx, Santanyí und Ses Salines. "Der Süden hat eine große Ausdehnung", sagt Joan Barceló. Die Doktorarbeit des mallorquinischen Geografen Vicenç Maria Rosselló Verger "Mallorca. El Sur y Sureste" (Mallorca. Der Süden und Südwesten. 1964) beschäftigt sich mit dem Gebiet zwischen Llucmajor bis Manacor.

Manacor zählt eigentlich schon zur Comarca Llevant, ebenso wie Artà, Capdepera, Sant Llorenç des Cardassar und Son Servera. "Der Osten der Insel hat seine eigene Identität", sagt Maurici Ruiz. Schwieriger sei es dann schon mit der Zuordnung von Ortschaften wie Son Serra de Marina und Can Picafort. Sie gehören zum Pla de Mallorca, jenem Verbund der Gemeinden wie Inca und Sant Joan, die sich auf der lang gestreckten mallorquinischen Ebene befinden. "Dort liegt auch Porreres", erklärt Barceló über seinen Heimatort.

Auf der Ebene Pla tobt ein Streit um die Mitte Mallorcas. Mehrere Gemeinden beanspruchen für sich, der Nabel der Insel zu sein. Anwärter darauf sind: Sencelles, Sineu, Sant Joan und Lloret, im letzteren Ort steht sogar ein Stein, der die Inselmitte markiert. "Aufgrund seiner Küstenstruktur ist es schwierig, Mallorcas Zentrum zu berechnen", erklärt Kartograf Ruiz.

Die Comarca Raiguer mit der Victoria-Halbinsel im Norden und Marratxí im Süden bildet den Übergang zwischen Pla und der Tramuntana. Sie schließt in Palma ab. Fährt ein Mallorquiner nach Palma, würde er übrigens nie sagen, es geht Richtung Süden, sondern in die "Ciutat", die Stadt. "Eigentlich ganz einfach", sagt Joan Barceló und lacht.

(aus MM 01/2017)

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