Zur Fuß zur Quelle von Sa Costera

Wanderung mit Naturschauspiel: Der Fußmarsch ist unbedingt zu empfehlen

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Nach starken Regenfällen ist das Wasserauffangbecken so gut gefüllt, dass es überläuft. Fotos: jm

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Es gibt ohne Frage schönere Wanderstrecken auf Mallorca, mit spektakuläreren Aussichten und abwechslungsreicherer Landschaft rechts und links. Dennoch ist ein Ausflug nach Sa Costera absolut empfehlenswert, denn wer den hübschen und nicht allzu anstrengenden Küstenweg zurückgelegt hat, der bekommt eines der bedeutenden Industriedenkmäler Mallorcas sowie bei den richtigen Wetterverhältnissen ein einzigartiges Naturschauspiel zu sehen.

Es gibt zwei Möglichkeiten, um auf dem Landweg nach Sa Costera zu gelangen. Der kürzeste und schnellste Weg beginnt in Cala Tuent (etwa eine Stunde). Etwas weiter und beschwerlicher ist der Weg vom Mirador Ses Barques aus (etwa zweieinhalb Stunden). In beiden Fällen ist die Ausschilderung sehr gut.

Wer sich dem Ziel der Wanderung nähert, der erahnt schon aus der Ferne, welche Art Naturschauspiel ihn erwartet: Je mehr man sich der Küste nähert, desto lauter wird das Rauschen der Wassermassen. Dabei handelt es sich keineswegs um wild ans Ufer rollende Wellen: Die plätschern an diesem sonnigen Tag nur sanft vor sich hin. Da es aber in den Tagen zuvor kräftig geregnet hat, ergießt sich ein regelrechter Wasserfall die Klippen hinab über die Felsen.

Gelangt man auf das Gelände der ehemaligen Stromfabrik, befindet sich linkerhand die eigentliche Quelle. Ein zubetonierter und abgesperrter Bereich markiert die Stelle, an der das Wasser zur Trinkwassergewinnung ins Rohr geleitet wird. Sehenswert aber sind in Sa Costera vor allem die Überbleibsel der alten Stromfabrik.

Das ursprüngliche System aus Kanälen und Rückhaltebecken ist weitgehend intakt. Nach Regen fließt hier reichlich Wasser bis in das hinterste und größte Becken. So viel, dass durch den Überlauf permanent Wasser schießt, Hunderte, Tausende Liter pro Sekunde, das sich dann rauschend über die Felsen ergießt und schließlich im Meer landet - ein auf Mallorca einzigartiges Naturschauspiel. Als die Nutzung von Sa Costera zur Trinkwassergewinnung beschlossen wurde, da war eine Auflage, dass ein Teil des Wassers weiterhin in die bestehende Installation fließen müsse, um die Besonderheit dieses Ortes zu bewahren - eine weise Entscheidung.

Der alte Maschinenraum liegt ein Stück weiter unten, ein breites, 27 Meter langes Rohr führt von den Rückhaltebecken dorthin. Wer den kühlen, feuchten Raum betritt, der fühlt sich wie in eine andere Zeit versetzt. Es riecht nach rostendem Stahl, der Boden ist mit einer dicken Staubschicht überzogen, nur mühsam gewöhnen sich die Augen an die Dunkelheit. Ja, es mag schönere Wanderstrecken auf Mallorca geben. Viele eindrucksvollere Wanderziele aber gibt es nicht.

Auf der Finca  Sa Costera  in Escorca befindet sich eine. der ertragreichsten Quellen der Insel, die seit dem Jahr 2008 auch zur  Trinkwassergewinnung  genutzt wird. Sa Costera aber ist noch viel mehr als das.

Escorca ist die Inselgemeinde mit den wenigsten Einwohnern (252), dafür aber einer der Orte mit der höchsten Dichte an Sehenswürdigkeiten: In Escorca befindet sich das Kloster Lluc, das ebenso einen festen Platz auf dem Besuchsprogramm vieler, vieler Touristen hat, wie die Serpentinenstraße Sa Calobra und die Schlucht Torrent de Pareis, die ebenfalls auf dem Gemeindegebiet von Escorca liegen. In Escorca befinden sich auch die höchsten Berge der Insel, der Puig Major (1445 Meter) und der Massanella (1364 Meter). Auch die beiden Stauseen Cúber und Gorg Blau liegen in Escorca. Aber es gibt dort noch eine weitere Attraktion, weniger bekannt vielleicht, aber nicht minder sehenswert: die Finca Sa Costera.

Diese liegt jenseits der Cala Tuent kurz vor der Gemeindegrenze zu Fornalutx. Bekannt ist Sa Costera vor allem wegen der Quelle Font des Verger, die dort zumindest im Winter eifrig sprudelt und sich bei entsprechenden Wetterverhältnissen in Form mehrerer Wasserfälle ins Meer ergießt. Aber nicht nur wegen dieses einzigartigen Naturschauspiels ist die Wanderung nach Sa Costera unbedingt zu empfehlen (siehe zur Wegbeschreibung Seite 22).

Die Kraft des Wassers wurde in Sa Costera bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts genutzt, um Strom zu erzeugen: Auch heute noch sind dort die ziemlich gut erhaltenen Überbleibsel des ersten Wasserkraftwerks der Insel zu besichtigen. Sa Costera beherbergt eines der eindrucksvollsten Industriedenkmäler der Insel (siehe dazu die folgende Seite).

Seit 2008 wird die Quelle von Sa Costera, die Font des Verger, zur Trinkwassergewinnung genutzt. Um das möglich zu machen, war eine Investition von rund 80 Millionen Euro nötig - mehr als das dürfte selbst der Bau der beiden Stauseen ein paar Kilometer weiter nicht gekostet haben, schätzt Juan Antonio García, Bereichsleiter bei der Betreiberfirma Abaqua. Es habe sich also um die größte Trinkwasserinfrastrukturbaumaßnahme in der Geschichte Mallorcas gehandelt, ergänzt Gabriel Serra, Ingenieur bei Abaqua.

Mehr als 30 Kilometer 1,2-Meter-Rohre wurden verlegt, neun Kilometer davon am Meeresboden. Allein durch Schwerkraft gelangen bis zu 5500 Kubikmeter Quellwasser pro Stunde von Sa Costera zunächst bis ins Sammelbecken in Port de Sóller. Hier stehen neun Pumpen, die das Wasser bis zum höher gelegenen Auffangbecken bei den Gärten von Alfàbia befördern. Von hier aus gelangt das Wasser dann erneut dank Schwerkraft entweder in das zentrale Trinkwasserdepot Son Pacs vor den Toren Palmas, direkt in die Gemeinden Calvià und Andratx, oder wird in die unterirdischen Grundwasservorkommen bei Bunyola und Santa Maria geleitet, von wo es bei Bedarf wieder heraufgepumpt werden kann.

"Das Wasser aus Sa Costera hat sehr gute Qualität", sagt Abaqua-Ingenieur Gabriel Serra. Es sei problemlos ohne Behandlung trinkbar. Da es auf Mallorca immer wieder Trockenperioden gibt und das Trinkwasser knapp wird, fiel bereits vor Jahrzehnten der Entschluss, das Wasser aus Sa Costera zu nutzen. Bis zu sechs Millionen Kubikmeter sind nun in den vergangenen Jahren zusätzlich ins mallorquinische Versorgungsnetz eingespeist worden. Insgesamt verbrauchen Inselbewohner und -urlauber jährlich rund 100 Millionen Kubikmeter.

Auch wenn die Investitionskosten hoch waren und die Quelle nicht immer gleich viel Wasser liefert: Laut Gabriel Serra hat sich die Erschließung von Sa Costera dennoch gelohnt. Ein Liter Trinkwasser von dort sei deutlich billiger als ein Liter etwa aus einer der Entsalzungsanlagen, deren Produktionskosten ein Vielfaches betrügen. In Sa Costera dagegen sprudelt das Wasser gänzlich kostenlos.

WANDERUNG nach SA COSTERA

Startort: Entweder in Cala Tuent oder am Mirador Ses Barques. In beiden Fällen gibt es kostenlose Parkplätze. In Cala Tuent beginnt der Weg am Ende des Strandes. Hier steht der erste Wegweiser nach Sa Costera. Am Mirador de Ses Barques befindet sich der Einstieg rechts neben dem Ausflugslokal.

Dauer: Zwei bis fünf Stunden, je nach Strecke.

Strecke: Von Cala Tuent aus ist der Weg nach Sa Costera in einer Stunde zu schaffen. Vom Mirador Ses Barques aus sollte man zweieinhalb Stunden veranschlagen. Es geht über Fahrwege, durch Wald, Gestrüpp und über Geröll sowie Trockensteinwege. Wer vorab ein Auto in Cala Tuent abstellt und dann vom Mirador Ses Barques startet, muss nicht wieder zurücklaufen. Allerdings kostet das locker zwei Stunden Zeit.

Schwierigkeit: Die Wanderung mit Start in Cala Tuent ist recht einfach, auch wenn einige Steigungen zu überwinden sind, vor allem das letzte Stück ist recht steil. Vom Mirador Ses Barques aus erfordert die Wanderung einiges an Kondition, zumindest wenn man auch wieder zurückwandert.

Anfahrt: Von der Plaça d'Espanya in Palma bis in die Cala Tuent sind es via Inca und Lluc 71 Kilometer, über Sóller etwas weniger (dafür muss man aber 5,05 Euro Tunnelmaut zahlen). Die Fahrt dauert in beiden Fällen knapp 90 Minuten. Der kürzeste Weg zum Mirador Ses Barques bei Kilometer 45 der Ma-10 führt über Sóller (dort der Ausschilderung in Richtung Pollença folgen).

Ausrüstung: Feste Schuhe, Proviant, Trinkwasser sowie Wanderkarte sollten wie immer dabei sein. Da es zum Teil durch dichtes Carritx-Gras geht, zerschneidet sich die Beine, wer mit kurzer Hose unterwegs ist.

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