Von den Pyrenäen zum Coanegra-Tal

Initiatoren des soziokulturellen Wegenetzes „El Camí" haben ihr Projekt gestartet

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Antònia Fuster und Emili Gallardo organisierten die Wanderung durch das Coanegra-Tal.

Antònia Fuster und Emili Gallardo organisierten die Wanderung durch das Coanegra-Tal.

Foto: Foto: Alexander Sepasgosarian
Antònia Fuster und Emili Gallardo organisierten die Wanderung durch das Coanegra-Tal.Durch das Coanegra-Tal verlief einst der Mauleselpfad von Santa Maria nach Orient.Wasserlauf und alte Herrensitze.Der "Avenc de Son Pou", benannt nach der Finca im Coanegra-Tal. Die Tropfsteinhöhle hat gigantische Ausmaße. Ohne Taschenlampe sZerklüftete Felsen am Bachbett, gesäumt von Eichen und Erlen.Ein Aquaedukt führt Quellwasser aus dem Coanegra-Tal nach Santa Maria ab.
Ein Kind begibt sich in den Tunnel, der zur Grotte führt. Das Coanegra-Tal führt stellenweise Wasser, ein ungewohnter Anblick auf Mallorca.Steinige, steile Wege führen durch wild-romantische Bergwälder.Die traditionelle Beschilderung weist den Weg nach Orient aus. An der Stelle , wo dieser Wegweiser steht, befindet sich auch rec

Gut 50 Meter führt der schmale Gang in den Berg hinein. Ohne Taschenlampe ist es finster, die Hände tasten sich an den Wänden entlang, in geduckter Haltung geht es voran. Es waren wahrlich keine Riesen, die den schmalen Gang 1893 mit Dynamit ins Gestein gesprengt hatten.

Dann schimmert am Ende des Tunnels trübes Licht. Noch wenige Schritte und mit einem Mal steht man in einem Kuppelsaal, den die Natur in Millionen von Jahren geschaffen hat. Der Eindruck ist überwältigend. Bis zu 50 Meter hoch wölbt sich das hohle Bergmassiv, an seinem höchsten Punkt befindet sich eine ovale Öffnung, durch die das Tageslicht einfällt und der Tropfsteinhöhle ein nahezu sakrales Gepräge gibt.

Willkommen im "Avenc de Son Pou", wie die Grotte genannt wird. "Avenc" bedeutet auf Katalanisch steil abschüssige Höhle. Erst dank des künstlich errichteten Tunnels kann der bizarre "Felsendom" ohne Abseilen betreten werden.

Der Avenc de Son Pou war der Höhepunkt einer Wanderung, mit dem die Initiatoren des Wanderweges "El Camí" am vergangenen Donnerstag die ersten Abschnitte auf Mallorca offiziell eröffneten. Rund 30 Wanderer aus Mallorca und Katalonien hatten sich dazu eingefunden.

Das Projekt sieht die Errichtung eines 4000 Kilometer langen Wanderweges vor, der in 40 Abschnitten durch die katalanischsprachigen Regionen Spaniens führt, von den Pyrenäen bis nach Alicante. Auch die balearischen Inseln sind in dieses Wegenetz integriert.

Den Initiatoren geht es dabei nicht nur um Wandern als Freizeitaktivität, sondern um die "Erwanderung" ihrer sprachlichen Heimat. Die Wege sind zu diesem Zweck mit Bedacht ausgewählt, sie führen nicht nur durch reizvolle Landschaften, sondern vorbei an kulturhistorisch interessanten Stätten.

"Die Wege verknüpfen nicht nur Orte miteinander, sie verbinden uns auch mit unserer Geschichte, unseren Traditionen und unseren Vorfahren, die ja diese Wege und Dörfer angelegt haben", sagt Lluís Planes, Präsident des Trägervereins von El Camí.

Auf Mallorca haben die ersten Gemeinden Unterstützung zugesagt. So soll als erster Abschnitt die Wegstrecke von Santa Maria über Consell und Binissalem bis nach Alaró führen.

Emili Gallardo aus Sa Pobla und Antònia Fuster aus Artà sind die "Wegbereiter" von El Camí auf Mallorca. Sie suchen "Weggefährten", die das Projekt auf freiwilliger Basis mittragen. Ziel ist es, Wegweiser und Infotafeln zu erstellen und die Wege bei Kontrollgängen zu überprüfen und pflegen.

Nach Lluís Planes Worten werden bis September zirka 30 Prozent des gesamten El-Camí-Weges ausgeschildert sein. Die Wegpfleger erstellen zudem im Internet Tipps für Unterkunft und Verpflegung (www.elcami.org).

Das Coanegra-Tal, durch das der ehemalige Maulttierpfad von Santa Maria nach Orient aufsteigt, ist in dem geplanten Wegenetz ein landschaftlich reizvoller Seitenpfad. Er wird gesäumt von historischen Landgütern wie Son Torrella, verfallenen Wassermühlen, einem Bewässerungskanal aus maurischer Zeit.

Nach Regenfällen führt das Tal Wasser, je höher der Weg sich in die Berge windet, desto mehr weicht die bäuerliche Kulturlandschaft zurück, nehmen die wild-romantischen Eichen- und Kiefernwälder zu. Wälder, in denen Legenden zufolge einst Räuber und Wilderer hausten.

Und noch während des Spanischen Bürgerkriegs sollen sich dort ein Vater und sein Sohn versteckt haben, bis sie nach Jahren des Zuwartens per Schiff nach Afrika entschwinden konnten.

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