Artà: Tradition und Moderne mit kreativem Touch

| Artà, Mallorca |
Weite Aussichten: Von der Wallfahrtskirche San Salvador aus kann man weite Teile der Llevant-Zone im Nordosten von Mallorca über

Weite Aussichten: Von der Wallfahrtskirche San Salvador aus kann man weite Teile der Llevant-Zone im Nordosten von Mallorca überblicken.

Foto: Patricia Lozano
Weite Aussichten: Von der Wallfahrtskirche San Salvador aus kann man weite Teile der Llevant-Zone im Nordosten von Mallorca überDie lange Fußgängerzone in Artà im Nordosten von Mallorca führt bis in die Altstadt. Auf dem Hügel thront das alte Kloster Sant Kunst ist in Artà im Nordosten von Mallorca na jeder Ecke zu finden.Kleine sehenswerte Läden säumen die Fußgängerzone in Artà im Nordosten von Mallorca.Auch ein Blick in die Innenhöfe der Geschäfte und Cafés in Artà im Nordosten von Mallorca lohnt sich.

Eine steife Brise weht über die Festungsmauern der Wallfahrtskirche San Salvador. Ein paar Touristen machen Fotos, andere sitzen im Café im Hof. Die Aussicht von hier oben ist weitreichend. Im Norden erstreckt sich das grüne Artà-Massiv, im Südosten sind die Überreste des talaiotischen Dorfs "Ses Païsses" zu sehen. Der einzige Küstenort der Gemeinde, Colònia de Sant Pere, wird im Nordwesten durch Hügel verdeckt. Dafür ist der Ausblick auf den Ortskern von Artà umso besser. Die hellen, niedrigen Häuser und die kleinen verwinkelten Gassen lassen erahnen, dass Artà vor 100 Jahren noch von der Landwirtschaft, dem Textilhandwerk und dem Korbflechten aus Palmenblättern lebte.

Heute ist von dem Kuhkaffcharakter kaum noch etwas übrig. Rund 7400 Menschen sind hier registriert und sie sind alles andere als verschlafen. Als eine der wenigen Gemeinden Mallorcas wählten sie bei der Parlamentswahl im Juni mehrheitlich die neue linke Protestpartei Podemos, im Rathaus herrscht dagegen die bürgerliche Regionalpartei PI vor - die Gemeinde im Nordosten ist voller Gegensätze. Das merkt man auch beim Bummeln durch die lange Fußgängerzone, die vom Ortseingang bis in die Altstadt führt. Die geschmackvollen Vintagemöbel in dem gemütlichen Hinterhof des Cafés "Parisien" spiegeln wider, was vieles in Artà ausstrahlt: Eine Mischung aus Tradition und Moderne mit einem kreativen Touch. In Artà trifft graues Kopfsteinpflaster der Fußgängerzone auf bunt gestrickte Schals, die die Bäume am Rand der Straße zieren - die Strick-Guerilla ist auch im Inselnorden angekommen. Hier treffen alte Gebäude auf moderne Wohndekorationsartikel und typisch mallorquinische Bars auf neue Sushi-Lokale.

"Nicht nur der Ort Artà, auch das gesamte Gemeindegebiet ist ein wenig anders als der Rest Mallorcas", findet Bürgermeister Bartomeu Gili und fügt an: "Aber das ist gut so." Partyurlauber, Pauschaltouristen, übermäßige Bebauung der Küsten - all das gibt es auf dem knapp 140 Quadratkilometer großen Gemeindegebiet nicht. 84 Prozent sind unbebaut. Und das, obwohl Artà 25 Küstenkilometer zählt. "Die Naturschutzbedingungen im Naturpark sind streng", sagt Gili. Der Naturpark Llevant erstreckt sich in großen Teilen über Artàs Gemeindegebiet. Ein Paradies für Wanderer und Naturliebhaber.

"Viele Menschen machen Urlaub auf Fincas oder in den knapp ein Dutzend Agroturismo-Hotels", so Gili. Einige kämen in den kleinen Boutique-Hotels im Ort unter. "Viele reisen aber auch für einen Tagesausflug aus den typischen Urlaubsorten in den Nachbargemeinden zu uns." Vor allem dienstags, am Markttag. "Das ist der einzige Tag, an dem auch die Seitenstraßen gefüllt sind und man tatsächlich von Massentourismus sprechen kann", so Gili und lacht. "Es ist gut so, aber wir sind froh, dass nicht jeden Tag Dienstag ist." Es sei wichtig, die Ausgewogenheit zu bewahren, zwischen einem ruhigen, mallorquinischen Dorf und einem attraktiven Ausflugs-ort für kulturell und geschichtlich interessierte Urlauber.

"Hier hat sich viel getan in den letzten Jahren", sagt Eric Kellermann. Der deutsche Rentner und Schriftsteller wohnt seit Jahren in einem Stadthaus in Artà. Er weiß noch, wie es war, vor gut 15 Jahren, als die Fußgängerzone den Verkehr noch nicht aus dem Zentrum verbannte. "Die Autos fuhren in beide Fahrtrichtungen, Gastronomiebetriebe gab es kaum, das meiste waren Imbisse für Bauarbeiter." Heute grenzt ein Restaurant ans nächste. "Auch im Winter hat hier vieles auf", berichtet Bürgermeister Gili. "Wir sind nicht so saisonabhängig wie viele Küstenorte."

Ein Beispiel ist der Backwarenladen "Ca Na Bel". "Hier in die Seitenstraßen kommen ohnehin vor allem Einheimische und die kommen das ganze Jahr über", erzählt die blonde Verkäuferin. "Touristische Kunden sind ein guter Zuverdienst, aber wir sind weiterhin ein mallorquinischer Ort."

(aus MM 30/2016)

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Nadine / Vor über 2 Jahren

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