Fischerkolonie macht sich sommerfein

Colònia de Sant Pere; wo viele Mallorquiner in Familie "übersommern"

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In den Gärten werden Bäume und Sträucher beschnitten.

Unmittelbar vor Ferienbeginn, der Hauptsaison in Colònia de Sant Pere, wird der Ort verschönert: In den Gärten werden Bäume und Sträucher beschnitten.

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In den Gärten werden Bäume und Sträucher beschnitten.Eine weitgehend unverbaute Felsküste, an der auch im Sommer nur wenige Badegäste anzutreffen sind.Unmittelbar vor Ferienbeginn, der Hauptsaison in Colònia de Sant Pere, wird der Ort verschönert: Ein Maler streicht die Kirche.Ebenfalls eine Fischerin: Die Skulptur auf der Hafenpromenade blickt auf das Meer hinaus.Die Meerespromenade von Colònia de Sant Pere bei Artà ist eine der gepflegtesten auf ganz Mallorca.Seit 2006 wachsen wieder Weinreben am Fuße der Artà-Berge.

Diese Meerespromenade ist eine der schönsten auf Mallorca - aber auch eine der kürzesten. Wer am Meeresufer in Colònia de Sant Pere vom schicken Sporthafen aus losspaziert, kommt bald schon wieder am östlichen Ortsrand an. Unterwegs geht es vorbei an Restaurants mit Schirmen und Sitzplätzen am Wasser. Die Tische sind im Schatten werbefreier Schirme mit Stoffdecken und -servietten eingedeckt, der Blick schweift zwischen den derzeit blühenden Tamarisken über das Wasser zur gegenüberliegenden Küste der Halbinsel La Victòria. Es geht gediegen zu, ruhig und gepflegt. Man könnte fast meinen, am Bodensee zu promenieren, wäre das Wasser nicht so blau, das Licht so klar, und die Berge so zum Greifen nah.

Colònia de Sant Pere wurde 1881 als kleines Dorf für Fischer und Landwirte gegründet. Vorher waren dort nur ein, zwei Windmühlen zu finden. Und wie in den Gründungs-"Kolonien" dieser Art auf Mallorca, etwa in Portocolom oder Colònia de Sant Jordi, folgt die Architektur dem bewährten Schema: Um einen zentralen Platz mit Kirche wurden im rechten Winkel Straßen angelegt sowie die Parzellen mit ein- und zweistöckigen Häusern im ländlichen Stil bebaut.

"Im Winter leben rund 300 Menschen hier, und im Sommer sind es dann 1500", sagt Marian Sansó. Gemeinsam mit ihrer Schwester Davinia betreibt sie die Bar Central, direkt am Kirchplatz - das Lokal gehört tatsächlich der Pfarrei. Die Bar, die vor zwei Jahren ein modern-minimalistisches Outfit erhielt, ist Treffpunkt für das Dorf und hat das ganze Jahr geöffnet.

"Nach Colònia de Sant Pere kommen Menschen, die Ruhe zu schätzen wissen", sagt Marian Sansó. Das heiße aber nicht, dass es langweilig zugehe. Gerade im Sommer, wenn Ferien sind, füllt sich der Ort mit Familien, die hier die heißen Tage verbringen. "Wer hier lebt, ist einfach glücklich."

Ähnlich sieht das Sabine Hagström. Die Hamburgerin ließ sich vor 15 Jahren in dem Dorf nieder, seit 2000 führt sie das Restaurant Sa Xarxa, das auf Fischgerichte spezialisiert ist. Das Meeresgetier liefert einer der Dorffischer exklusiv. Hagström schwärmt von dem "dornröschen-schläfrigen" Ort. "Colònia de Sant Pere ist die Perle des Nordens. Hier streicht die Sonne mit ganz viel Zeit an uns vorbei, bevor sie jenseits der Tramuntana-Berge untergeht."

Obgleich mancher Kaufmann infolge der Wirtschaftskrise sein Ge-schäft in Colònia de Sant Pere aufgab, sind neue Unternehmer hinzugekommen. Die Niederländerin Marieke van der Vern und ihr Freund Serge Van Laer verlegten ihren Wohnort von den Kanaren nach Mallorca, um in Colònia de Sant Pere die Weinhandlung La Vinoteca zu eröffnen. Gemeinsam mit ihren deutschen Nachbarn, der Firma Immosol, Jürgen Jakobeit und Ulrike Pütz, organisieren sie einmal im Monat einen Flohmarkt für Kinderbekleidung, Spielsachen, Bücher. Dazu gibt es für die Erwachsenen ein Gläschen Champagner. Die Einnahmen werden dem Rathaus von Artà zur Verfügung gestellt, um hilfsbedürftige Familien zu unterstützen.

Seit 2006 ist Colònia de Sant Pere auch wieder Anbaugebiet für Wein. Der französische Graf Fabrice de Suyrot pflanzte auf einer Finca Richtung Betlem mallorquinische und französische Rebsorten. Vier Weine, ein Weißer und drei Rote, werden mit viel Hingabe in kleiner Menge produziert und zumeist in der gehobenen Gastronomie der Insel vertrieben. 2012 war ein großer Tag auf dem Weingut: Da kam der balearische Ministerpräsident José Ramón Bauzá persönlich beim Conde de Suyrot vorbei.

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