Im Museum Artartà sind die Figuren der mallorquinischen Märchen zu Hause

Im Museum Artartà sind die Figuren der mallorquinischen Märchen zu Hause

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Viele der Figuren entstammen der Märchensammlung des Priesters Antoni Maria Alcover (1862-1932).

Viele der Figuren entstammen der Märchensammlung des Priesters Antoni Maria Alcover (1862-1932).

Viele der Figuren entstammen der Märchensammlung des Priesters Antoni Maria Alcover (1862-1932).María Isabel Sancho hat das Museum in ihrem Elternhaus ohne fremde Hilfe aufgebaut.Viele der Figuren entstammen der Märchensammlung des Priesters Antoni Maria Alcover (1862-1932).Viele der Figuren entstammen der Märchensammlung des Priesters Antoni Maria Alcover (1862-1932).Viele der Figuren entstammen der Märchensammlung des Priesters Antoni Maria Alcover (1862-1932).Viele der Figuren entstammen der Märchensammlung des Priesters Antoni Maria Alcover (1862-1932).

"Ich bin im Märchenland", schrieb Elias mit etwas ungelenker Kinderschrift ins Gästebuch des Museums Artartà. Die Sammlung von Märchenfiguren macht Kinderträume wahr. Wobei Erwachsene ebenso begeistert sind, wenn sie sich denn für Brauchtum und Tradition der Insel Mallorca interessieren.

Das Märchenmuseum Artartà wurde im vergangenen Sommer eröffnet. Die Gründerin und Initiatorin María Isabel Sancho hatte das Haus im Herzen von Artà von ihrer Mutter geerbt. Sie selbst hat ihre Kindheit hier verbracht und genau dort auch die ersten Märchen in ihrem Leben gehört, erzählt von der Großmutter.

"Es ist ein Glücksfall, so aufzuwachsen", sagt sie. "Und ich wollte den Schatz an Erzählungen und Märchen auch mit anderen teilen. So habe ich das Haus in ein Museum umgewandelt."

Was angesichts der spanischen Wirtschaftskrise ein mutiges Unterfangen war. Alle Behörden und Institutionen zeigten sich von der Idee höchst angetan, doch letztendlich wollte sich niemand an den Kosten beteiligen. So hat María Isabel Sancho die Sache selbst in die Hand genommen. Mit viel Aufwand und Liebe zum Detail, immer unter Erhalt der gegebenen Strukturen, der alten Bauelemente. Wie etwa die Fliesen des Fußbodens. Sie wurden von dem gleichen Künstler gefertigt, der auch den Boden in der Burg San Salvador herstellte.

Ein Glücksfall für sie war auch Pere Pujol (1934 -2001). Als er 32 Jahre alt war, konnte er aufgrund einer schweren Krankheit seiner Arbeit nicht mehr nachgehen. Er konzentrierte sich fortan auf Brauchtum und die Bildhauerei. Ab dem Jahr 1970 begann er, aus Ton, Harz und Pappmaché Figuren aus den mallorquinischen Rondalles nachzubilden. Auch ihm hatte man als Kind Märchen erzählt.

Er konzentrierte sich auf die Geschichten aus der Sammlung des mallorquinischen Priesters Antoni Maria Alcover (1862-1932), der unter dem Pseudonym En Jordi es Racó (Ecken-Georg) 450 Märchen der Insel gesammelt und veröffentlicht hat. Bis heute ein Schatz, der im Volksbewusstsein Mallorcas sehr verankert ist. Kaum eine Fiesta, bei der nicht in irgendeiner Weise die Alcover-Märchen zur Sprache kommen oder nachgespielt werden.

Pere Pujol fertigte rund 70 Figuren aus den Märchen, etliche von ihnen sind im Museum in Artà zu sehen. Etwa Joan aus dem Märchen "Es nas de dos pams" (Die zweihandbreitlange Nase), die Geschichte von einem armen Fischer, der von einer Fee eine lange Nase und die Gabe, eine große Schlacht zu gewinnen, verliehen bekam. So konnte er sich mit der Tochter des Königs vermählen. Auch sie hatte eine riesige Nase.

Wo María Isabel und ihre Familie einst gebadet haben, ist heute etwa der arabische Arzt aus "Es Metge Guinyot" (Der Richter und der Arzt) zu sehen.

Ansonsten wimmelt es nur so von Teufeln und Dämonen, die gar schrecklich anzusehen sind, von verzauberten Tieren, von Hexen auf Besenstielen, die jeden Augenblick gen Himmel zu reiten scheinen. Zu sehen sind die drei Eremiten mit ihren langen, weißen Bärten, die alle Tiere, wo immer sie auch leben, beschützen. Oder die Tochter von Sonne und Mond, "Sa filla del sol i de la lluna", die in der Lage war, alle Gegenstände um sie herum zum Sprechen zu bringen und schließlich den König heiratet. Wie es im Märchen eben geht.

Im Erdgeschoss befindet sich ein Museumsshop, in dem mallorquinische Produkte und gutes Kunsthandwerk angeboten werden, Keramik, Bücher über die Insel, Gewebtes, vor allem aber die für Artà typischen Korbwaren, die immer weniger hergestellt werden. Im dahinter gelegenen Patio, wie er zu jedem Haus der Region gehörte, ist eine Cafeteria mit einer Auswahl an Pa amb oli, dazu alles, was eine ordentliche Bar zu bieten hat.

Erste Kontakte mit anderen Museum zum Thema wurden bereits geknüpft. Kürzlich übergaben Dr. Michael Koehle, Direktor des Pocci Museums in Münsing, und seine Frau Barbara Koehle eine Figur des Kasperls Larifari, eine Figur, die Graf Pocci (1807-1866) für das Münchner Marionettentheater entwickelte.

María Isabel Sancho möchte einerseits Brauchtum und Traditionen der Insel bewahren und weitergeben: "Wir hatten bereits mehr als 1000 Schulkinder hier zu Gast", sagt sie stolz. Das Museum ist aber auch eine Fundgrube für den interessierten Mallorca-Besucher.

INFO:

Museum Artartà, Artà, Carrer Antoni Blanes 19 (Fußgängerzone). Geöffnet von Montag bis Samstag.
Eintritt 5 Euro, Kinder
4 Euro.
www.artarta.es

(aus MM 51/2013)

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