In der Traumwelt der Eichenwälder

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In Eichenwäldern (wie hier auf dem Landgut Gabellí Petit bei Campanet) herrscht häufig eine ganz besondere, magische Atmosphäre.

In Eichenwäldern (wie hier auf dem Landgut Gabellí Petit bei Campanet) herrscht häufig eine ganz besondere, magische Atmosphäre.

Foto: Foto: Archiv Ultima Hora
In Eichenwäldern (wie hier auf dem Landgut Gabellí Petit bei Campanet) herrscht häufig eine ganz besondere, magische Atmosphäre.Flechten lassen sich bevorzugt an den Ästen der Steineichen nieder.20 Meter hoch, 600 Jahre alt: Diese Steineiche "d' en Pere" ist als Naturdenkmal geschützt und steht auf der Finca Binifaldo.35231

Die alten Steineichenwälder in den Höhen der Tramuntana haben eine geheimnisvolle, fast mystische Ausstrahlung. Das liegt zum Teil an den federähnlichen silbergrünen Flechten, die sich gerne um die Äste der Bäume ranken, von denen nicht wenige über 500 Jahre alt sind. Die Baumgreise haben mächtige, weit ausladende buschige Kronen. Steineichen trotzen der kargen Natur in der Sierra und wachsen selbst auf dem felsigsten Boden. Jetzt im Spätherbst sind viele Felsen mit dunkelgrünem Moos bedeckt und immer wieder kann man hören, wie Eicheln auf das trockene Laub fallen.

Eine schöne Wanderung durch Steineichenwälder, die gleichzeitig Einblicke in die Geschichte gibt, führt um den Berg Moleta de Binifaldó in der Nähe des Klosters Lluc. Dort beginnt auch die Tour. Sie ist als Route Nummer 1 "Volta a sa Moleta de Binifaldó" gekennzeichnet.

Der Weg führt zunächst kurz an der Ausfahrt des Klosters entlang bis zu einem Fußballfeld und von dort an Steineichen vorüber weiter auf den "Camí Reial", den Königsweg. Der breite Schotterweg wurde bereits 1337 urkundlich erwähnt und war im Mittelalter die Hauptverbindung zwischen Lluc und Pollença. Nach einer Dreiviertelstunde gemütlichem Anstieg überquert die Route die Landstraße MA-10 und führt weiter auf dem Königsweg, der hier allerdings geteert wurde, durch die öffentlichen Landgüter Menut und Binifaldó.

Beide Landgüter stammen noch aus maurischer Zeit. Heute ist in Binifaldó ein Umweltbildungszentrum und in Menut befindet sich das Forstzentrum der Balearen, aber bis in die 1950er Jahre arbeiteten hier 150 Männer das ganze Jahr über, um aus dem Holz von Steineichen Holzkohle und aus Kalksandstein Kalk herzustellen.

Ein restaurierter Kalkofen kurz hinter der MA-10 und zahlreiche Kohlenmeiler (160 sind es auf beiden Fincas) zeugen davon. Die Kalksteine mussten zehn bis zwölf Tage durchgehend brennen, um zu Kalk zu werden. Fast genauso lange dauerte das Verkohlen von Holz. Während dieser Zeit mussten die Meiler überwacht werden. Die Carboners schliefen deshalb direkt neben ihnen im Wald.

Die Wanderroute verläuft direkt vor dem Eingangstor zu den Häusern von Menut. Wer kurz vorher rechts durch eine Holztür geht, sieht nach knapp 100 Metern eine strohbedeckte runde Hütte. Es ist eine nachgebaute Unterkunft der Carboners. Ganz in der Nähe steht ein gotisches Kreuz, das "Creu de Menut", zum dem die Bauern der Serra jahrhundertelang kamen, um in Trockenzeiten um Regen zu bitten.

Ab Menut sind in einer halben Stunde die Häuser von Binifaldó erreicht. Dabei gibt der Waldweg immer wieder den Blick frei auf die felsige Bergwelt rund um Lluc. Die Häuser von Binifaldó sind von gewaltigen Steineichen umgeben. Hier verlässt die Wanderroute den Königsweg und führt in Kurven bergauf zum Berg Coll de Pedregaret. Jetzt kann man auch dem Wegweiser "GR-221 Refugio Son Amer, Lluc" folgen.

Doch vor dem Anstieg lohnt sich ein kleiner Abstecher. Knapp zehn Minuten von Binifaldó, weiter auf dem Königsweg Richtung Pollença, steht ein Baumdenkmal. Es ist die riesige Steineiche "d'en Pere". Sie ist fast 600 Jahre alt und 20 Meter hoch. Ihre Baumkrone hat einen Umfang von 118 Metern. Der Abstecher lohnt sich auch, weil von hier die Hauptgipfel der Tramuntana zu sehen sind: der Puig de Massanella (1367 Meter) und der Puig Major (1447 Meter). Zurück in Binifaldó beginnt der halbstündige Aufstieg zum Coll de Pedregaret, von dem ein schmaler Pfad in 30 Minuten über den Coll des Bosc Gran zum Coll de sa Font führt.

Immer wieder erscheinen dabei Kohlenmeiler im Wald, der einer Traumwelt gleicht. Auf dem höchsten Punkt weist ein Wegweiser zu einem "Mirador", einer Aussichtsplattform mit einem imposanten Blick auf das Kloster Lluc mit seinen ausgedehnten Steineichenwäldern, und auf vier Gipfel: Caragoler (913 Meter), de n'Ali (1038 Meter), Massanella und d'en Galileu (1128 Meter). Von da ist nach etwa 40 Minuten Abstieg, immer dem Schild "GR - 221 Refugio Son Amer / Lluc" folgend, wieder Lluc erreicht.

Dauer: 3 Stunden
Schwierigkeitsgrad: leicht

AUCH DIESE WANDERUNGEN FÜHREN DURCH DIEA EICHENWÄLDER

Reitweg des Erzherzogs

Der berühmteste Wanderweg, der zu einem großen Teil durch Steineichenwälder führt, ist der Reitweg des Erzherzogs. Der Weg läuft vom Ortskern von Valldemossa über die Lichtung Pla des Pouet auf den Gipfel Puig des Caragoli bis zur Hochebene Pla des ses Aritges. Der Abstieg führt durch den Wald Coma des Cairats zur Schutzhütte Son Moragues und dann steil bergab wieder nach Valldemossa.

Dauer: 5 Stunden
Schwierigkeit: mittel

Von Banyalbufar nach Esporles

Diese Wanderung verläuft auf dem alten Postweg von Banyalbufar nach Esporles. Zunächst sind in einem steilen Anstieg 400 Höhenmeter zu überwinden. Danach geht es auf Trockensteinmauerwegen durch Steineichenwälder und Olivenhaine ins acht Kilometer entfernte Esporles. Auf der Höhe bietet sich eine weite Aussicht über die Küste bis zur Halbinsel Na Foradada, der Felsnase mit Loch. Wer mag, kann die Wanderung im Volkskundemuseum La Granja, das auf dem Weg liegt, unterbrechen.

Dauer: hin und zurück gut 5 Stunden
Schwierigkeit: mittel

Aufstieg zum Puig de Maria

Eine kurze, aber mit einem überragenden Ausblick belohnte Wanderung ist der Aufstieg zum Kloster Mare de Deú del Puig in Pollença. Ausgangspunkt ist bei Kilometer 51,8 auf der Ma-2200 südlich von Pollença. Der Aufstieg erfolgt durch einen Steineichenwald hinauf zu einem Nonnenkloster, das bis ins 16. Jahrhundert bestand. Von hier sieht man auf die Buchten von Pollença und Alcúdia, auf die Ebene Pla de Mallorca sowie auf das Tramuntanagebirge mit dem Puig de Massanella im Hintergrund.

Dauer: 1,5 Stunden
Schwierigkeit: mittel

Der magische Wald von Ufanes

Die Menschen strömen herbei, wenn die Quellen von Ufanes nach heftigen Regenfällen aus dem Boden sprudeln. Doch auch ohne das nur wenige Male im Jahr stattfindende Naturschauspiel ist der Steineichenwald, in dem die Quellen liegen, einen Besuch wert. Er befindet sich auf der Finca Gabellí Petit bei Campanet. Von der Wallfahrtskirche Sant Miquel aus geht man in wenigen Minuten zum Eingang des Landgutes und von dort in etwa 20 Minuten auf einem Forstweg zu dem Wald mit gewaltigen alten Steineichen. Das Zugangstor ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Dauer: 40 Minuten
Schwierigkeit: sehr leicht

(aus MM 48/2015)

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