Der Ausblick des Erzherzogs

| Son Marroig, Mallorca |
Diesen wunderschönen Blick hat schon die österreichische Kaiserin Sisi genossen

Diesen wunderschönen Blick hat schon die österreichische Kaiserin Sisi genossen. Die Cousine des Erzherzogs war mehrmals in seinem Herrenhaus Son Marroig zu Gast.

Foto: Foto: Schittelkopp
Diesen wunderschönen Blick hat schon die österreichische Kaiserin Sisi genossenIn Miramar kann eine Schiffskabine der Nixe 2 besichtigt werdenDas Herrenhaus Son Marroig wurde im Renaissance-Stil erbautVersteckt zwischen Olivenhainen liegt das ehemalige Kloster MiramarDie Pracht des Gartens von Son Marroig lädt zum Verweilen einDr. José María Sevilla beschäftigt sich seit 53 Jahren mit dem Erzherzog Ludwig Salvator
In Son Marroig hängen Gemälde und Porträts, die den Erzherzog und seine Gefolgschaft zeigenEin Teil der Ausstellung beschäftigt sich mit Sisi

Einen guten Geschmack hat er gehabt, der österreichische Erzherzog Ludwig Salvator. Zwei seiner Landgüter dienen heute als Museum und halten das Erbe des Habsburgers lebendig. Allein schon der fantastische Ausblick lohnt einen Besuch des Klosters Miramar und Herrenhauses Son Marroig. Beide liegen in direkter Nachbarschaft zwischen Valldemossa und Deià.

"Der Erzherzog war der Begründer des Tourismus auf Mallorca", sagt Dr. José María Sevilla. Der Mediziner und Erzherzog-Experte ist Konservator der beiden Museen. Sevilla nennt den Habsburger wie alle Mallorquiner immer nur "Arxiduc". Der Familie seiner Frau Silvia Ribas Vives gehören die Anwesen heute. Seine Schwägerin Isabel Ribas Vives lebt noch in den Räumlichkeiten von Son Marroig.

Sevilla empfiehlt als Erstes das ehemalige Kloster Miramar zu besuchen. Es wurde 1276 von dem Gelehrten Ramon Llull als gegründet, Ludwig Salvator kaufte den Gebäudekomplex 1872 und ließ ihn wiederherstellen. Die Fassade wurde im Auftrag des Erzherzogs mit arabischen Mustern verziert, wie sie der Habsburger in Establiments gesehen hatte. Heute ist Miramar eines der wenigen Gebäude Mallorcas mit solcher Verzierung. "Er hat vier Jahre lang hier im ersten Geschoss gelebt", erzählt Dr. Sevilla.

Zu besichtigen ist in Miramar der Vorbau mit den historischen Ölmühlen, das Erdgeschoss des Klosterbaus, der Klostergang, die Kapelle des Erzherzogs sowie die weitläufige Gartenanlage. Im Haupthaus wurde in einem Raum eine Kabine des erzherzöglichen Schiffes Nixe 2 mit Originalteilen nachempfunden. Zudem gibt es eine Küche und Kammer der Mönche zu sehen sowie Möbelstücke wie tschechische Öfen, die der Habsburger Jahrhunderte später mit nach Mallorca brachte. "Hier ist ebenfalls die kunsthistorisch wertvollste Skulptur Mallorcas zu sehen", erklärt Dr. Sevilla. Das Werk aus Marmor (1892/93) des Italieners Antonio Tantardini bildet den ersten Sekretär des Erzherzogs, Wratislao Vyborny, mit einem Engel ab. Vyborny kam im Juli 1877 auf dem Weg nach Palma durch einen Sonnenstich ums Leben, als er seine Geliebte besuchen wollte.

Hinter dem Hauptgebäude beginnt ein leicht abschüssiger Fußweg durch die Gartenanlage des Anwesens mit seinen zahlreichen Olivenbäumen. Von mehreren Aussichtspunkten kann der Besucher den Blick über die Nordwestküste der Insel genießen. Zu sehen ist auch der Mirador de Miramar, ein Rundturmbau, der zu einem weiteren Landsitz des Erzherzogs S'Estaca gehört. Heutiger Eigentümer ist der US-Schauspieler Michael Douglas, der die Finca zum Kauf anbietet. Wer das nötige Kleingeld besitzt, kann das ehemaligen Landhaus des Habsburgers für 35 Millionen Euro erwerben.

Das Museum in Son Marroig wurde 1927 auf Privatinitiative gegründet, das Anwesen war der Hauptwohnsitz des Erzherzogs auf Mallorca. Er kaufte den Herrensitz im Renaissance-Stil 1870. Ein Teil der Anlage gehört zu den meistfotografierten Motiven Mallorcas: der Tempel aus Carrara-Marmor. Auch der Erzherzog genoss die Aussicht von Son Marroig aus - gemeinsam mit seiner Cousine, Kaiserin Sisi, die ihn mehrfach dort besuchte. Den besten Blick hat man von der Galerie im ersten Stock aus. "Heute wird die Gartenanlage des Anwesens gern von Brautpaaren für ihre Feierlichkeiten gemietet", sagt Sevilla.

In den öffentlich zugänglichen Räumen des Museums werden Gemälde mallorquinischer Künstler, Kunsthandwerk und mehrere Porträts des Erzherzogs präsentiert. Ausgestellt in einer Vitrine ist auch das "Hauptwerk des Erzherzogs", wie es der Experte bewertet: das 6000-seitige Monumentalwerk "Die Balearen" (1869-1891). In einem kurzweiligen Rundgang schlendert der Besucher durch die Räume des Herrenhauses, dabei fällt auch eine möblierte Kammer ins Auge mit einem Himmelbett aus dem 19. Jahrhundert. "Darin hat der Erzherzog allerdings nie geschlafen", sagt Sevilla, er habe wie echte Seemänner immer auf dem Fußboden genächtigt.

Den Ausflug planen

Die beiden Museen Kloster Miramar und Son Marroig befinden sich in direkter Nachbarschaft. Von Valldemossa aus kommend fährt man auf der Ma-10 in Richtung Deià. In Höhe des Kilometers 67,5 steht ein Hinweisschild auf Miramar, dort links abbiegen. Zwei Kilometer weiter liegt Son Marroig. Wer nicht auf der Landstraße zwischen den beiden Anwesen verkehren möchte, kann eine schmale Zufahrtsstraße nutzen, die beide Grundstücke verbindet. Der Weg wird von zwei Toren verschlossen, die sich per Schalter an der linken Seiten öffnen lassen.

Die Museen sind im Sommer montags bis samstags von 10 bis 17.45 und November bis März von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt jeweils 4 Euro. Von den beiden Landgütern hat der Besucher einen wunderbaren Blick über die Nordwestküste Mallorcas.

Für Wanderer: Von Son Marroig dauert der Abstieg ans Meer eine Stunde, der Aufstieg 30 Minuten länger. Dort ist eines der beliebtesten Fotomotive der Insel zu sehen: der Felsen mit Loch, die Landzunge Sa Foradada. Die Halbinsel gehört zum Privatbesitz, man fragt im Gutshaus, ob man sie betreten darf.

Mehr zum 100. Todestag des Erzherzogs erfahren Sie in der Printausgabe (MM 41/2015) oder im E-Paper. Das Mallorca Magazin wird an allen deutschen Flughäfen sowie an vielen Bahnhöfen in großen und mittleren Städten verkauft.

Kommentar

Nutzungsbedingungen

Rechtlicher Hinweis

» Der Inhalt der Kommentare spiegelt die Meinung der Nutzer wider, nicht die von mallorcamagazin.com

» Es ist nicht erlaubt, Kommentare abzuschicken, die gegen das Gesetz verstoßen oder unangebrachte, beleidigende oder ehrverletzende Inhalte haben.

» mallorcamagazin.com behält es sich vor, unangemessene Kommentare zu löschen.

* Pflichtfelder

Noch kein Kommentar vorhanden.