Auf (fast) direktem Weg in den Inselosten

| Mallorca |
Aus dem Zug kann man Mandel- und Olivenbäume sehen.

Aus dem Zug kann man Mandel- und Olivenbäume sehen.

Aus dem Zug kann man Mandel- und Olivenbäume sehen. Im Osten der Insel legt sich morgens Nebel über die Felder.

Geschäftiges Treiben herrscht morgens an Palmas Plaça d'Espanya. Geschäftsleute, Bauarbeiter und Schüler wuseln über den zentralen Platz der Inselhauptstadt. Im Minutentakt spuckt der unterirdische Omnibus- und Zugbahnhof "Estació Intermodal" Menschen aus. Wer hingegen den Gang in den Untergrund wagt, wird überrascht sein. Hier, wo auch Palmas wenig genutzte Metro in Richtung Marratxí und Balearen-Universität abfährt, hat die Inselhauptstadt etwas richtig Großstädtisches. Die Drehkreuze, die Schalterhalle und die modernen Anzeigetafeln erinnern fast ein wenig an Paris, Berlin oder London.

An einem der Ticketautomaten steht Hilde Bramsiepe aus Recklinghausen - Kurzhaarschnitt, rote Outdoor-Jacke, Rucksack. Sie scheint eine der wenigen Touristen zu sein, die sich am frühen Morgen in Palmas Unterwelt wagen, um einen Ausflug mit dem Zug zu machen. Warum es ihr so wenige Landsleute gleichtun? "Ich glaube, die Deutschen nehmen lieber den Bus. An den Zug trauen sie sich nicht richtig heran, da haben sie Angst, etwas falsch zu machen", so die freundliche Dame. Und sie selbst? "Ich fahre nach Manacor und treffe mich dort mit meinen ehemaligen Nachbarn aus Recklinghausen, die nun in Bonn leben. Sie machen Urlaub an der Ostküste, ich an der Playa de Palma." In Manacor wollen sie gemeinsam über den Markt flanieren und etwas essen. Noch trennt die Freunde aber eine gut einstündige Zugfahrt. 8,20 Euro kostet des Ticket für die Hin- und Rückfahrt. Der Erwerb der Fahrscheine ist einfach. Die Schalter sind nicht stark frequentiert, zur Not gibt es auch die Möglichkeit, das Ticket an einem Automaten zu kaufen. Frau Bramsiepe hält die Karte an einen Scanner, ehe sich vor ihr das Drehkreuz öffnet und den Weg zu den Rolltreppen freigibt.

Einmal pro Stunde geht die Linie drei nach Manacor. Schon beim Einsteigen wird klar: Nicht viele Leute nutzen die Bahn auf Mallorca. Die Waggons wirken nagelneu und sind blitzsauber. Einzig die Fenster gehören mal wieder geputzt. Die Temperatur ist angenehm, nicht zu warm und nicht zu kalt.

Ohne viel Lärm setzt sich der Zug in Bewegung. Zunächst geht es durch einen Tunnel, den gleichen, den auch Palmas Metro benutzt. Allerdings hält der Manacor-Zug nicht an den U-Bahn-Haltestellen. Nach wenigen Minuten ist das Sonnenlicht zurück, und der erste Bahnhof wird bedient - Marratxí. Danach verlässt die Bahn den Großraum Palma in Richtung Inca. Zum letzten Mal tauchen links die blauen Schilder der Autobahn auf, von rechts fällt die Sonne wärmend durch die Fenster, und die ersten blühenden Mandelbäume sind zu erkennen, erst wenige, dann - in Richtung Santa Maria - immer mehr. Mit ihren weißen Blüten und dem Kontrast zur rotbraunen, trockenen Erde scheinen sie geradezu zu leuchten. Überhaupt ist die Fahrt durch die Ebene bei Consell und Binissalem ein wahres Paradies für Freunde der weißen Pracht. Mit dem Mietwagen dürfte es schwieriger sein, so vielen blühenden Mandelbäumen so nahe zu kommen wie mit dem Zug, der acht Haltepunkte bedient, ehe er Enllaç auf dem Gemeindegebiet von Inca erreicht. Dort müssen Fahrgäste in einen dieselbetriebenen Zug umsteigen, denn die Strecke zwischen Enllaç und Manacor ist noch nicht elektrifiziert. Allerdings treffen sich die beiden Züge immer zum gleichen Zeitpunkt an dem kleinen Dorfbahnhof, sodass ein nahtloses Umsteigen gewährleistet ist. Deshalb heißt die Verbindung Palma-Manacor auch "semidirecte", also "halbdirekt".

Auf dem zweiten Teil der Strecke ändert sich die Landschaft schlagartig. Die trockenen Braun- und Rottöne weichen einem satten, saftigen Grün, über welches sich hier und da Nebelschwaden legen. Zwischen Sineu und Petra muss die schwerfällige Diesellok eine Steigung bewältigen, sodass man geradezu mitfiebert, ob sie es schafft. Sie schafft es. Dann, nach einer Stunde und zehn Minuten Fahrtzeit kommt die Bahn in der "Estación" von Manacor an.

Auch Hilde Bramsiepe mit der leuchtend roten Jacke verlässt den Zug. Am Bahnsteig, vor dem historischen Bahnhofsbau, warten schon Theodor und Angelika Klein. Gemeinsam machen sich die drei lachend auf den Weg in Richtung Markt an der Plaça Ramon Llull. Der Fußmarsch dauert etwa 15 Minuten. Der "Mercado" zieht sich von der Plaça bis hinauf zur Kirche, wo sich Zugreisende in Restaurants und Bars stärken können, ehe sie wieder die Fahrt nach Palma antreten.

Ebenfalls stündlich gehen die Züge zurück in die Hauptstadt. Dann stehen die Mandelbäume in Fahrtrichtung links, blühen aber noch genauso prächtig wie auf der Hinfahrt.

Kommentar

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Michael Lauffer / Vor über 2 Jahren

Genau so habe ich schon mehrfach den Tren in Richtung Cala Rajada genutzt. Auch in Manacor ist der Bus für die Gäste in Richtung Cala Rajada pünklich da. Es ist einfach eine entspanntes erleben der Insel. Toller Bericht. Kleine Anmerkung: Man benötigt das Ticket auch um in Manacor um wieder aus dem Bahnhof herauszukommen.