Bodyguards für die Posidonia am Meeresgrund

| Mallorca |
Eine Küstenwächterin ermahnt Segler, nicht auf Posidonia-Flächen zu ankern

Eine Küstenwächterin ermahnt Segler, nicht auf Posidonia-Flächen zu ankern.

Foto: Sergio G. Canizares

Achtung, Segler und Motorbootfahrer! Zum Schutz des wertvollen Seegrases Posidonia oceanica rüstet die Balearen-Regierung dieses Jahr die Küstenüberwachung massiv auf. Ab Mai werden um alle Inseln Wachboote patrouillieren. "Sie sollen sicherstellen, dass keine Segelboote oder Motoryachten auf Posidoniafeldern ankern und sie dabei beschädigen", sagt Miquel Mir vom balearischen Umweltamt.

300.000 Euro investiert die Balearen-Regierung in das Projekt. Der Schwerpunkt liegt auf Ibiza und Formentera. Dort waren in der vergangenen Saison bereits sieben Wachboote im Einsatz, dieses Jahr sind es doppelt so viele. Erstmalig werden vor Menorca ein und vor Mallorca drei Boote patrouillieren. Ein Boot wird die Bucht von Pollença und den nördlichen Teil der Bucht von Alcúdia übersehen, das zweite den Süden der Bucht von Alcúdia bis zum Cabo del Freu und das dritte den Küstenstreifen von Es Trenc bis Cap Salines. Außerdem sollen die Bojenfelder verstärkt kontrolliert werden, die über mehreren Posidoniawiesen angelegt wurden, sagt Mir. In Bojenfeldern ist freies Ankern verboten. Hier muss gegen Gebühr an den Bojen angelegt werden. Auf Mallorca bestehen Bojenfelder vor Sant Elm, Cala Blava, Formentera, Cabrera und in drei Häfen, Port Andratx, Portocolom und Portopetro.

Die Posidonia oceanica steht seit 2001 unter Artenschutz und zwar auf der höchsten Schutzstufe. Wer sie durch Ankern beschädigt, riskiert eine Strafe. In der Regel betragen die Sanktionen zwischen 100 und 500 Euro, aber bei besonderer Schwere sind auch sechs- und sogar siebenstellige Beträge möglich. Immer wieder haben Umweltorganisationen und Wissenschaftler in den vergangenen Jahren mangelnde Kontrollen kritisiert. Ankern auf Posidonia würde selten und zu lasch geahndet.

Mit den Wachbooten reagiert die Balearenregierung auf die Kritik. "In erster Linie wollen wir aber informieren und Bewusstsein für die Bedeutung der Posidonia schaffen", betont Miquel Mir. Deswegen würden die Kontrolleure mit Info-Material in mehreren Sprachen ausgerüstet sein. Von ausländischen Besuchern könne man nicht erwarten zu wissen, dass die Posidonie das wichtigste Ökosystem im Mittelmeer sei, das für klares Meerwasser sorge, für die Strandbildung verantwortlich sei, die Küste vor Erosion schütze, Sauerstoff liefere und Kohlendioxid binde, meint Mir.

"Die meisten Deutschen, die im Sommer nach Mallorca kommen, haben keine Ahnung, was die Posidonia ist und warum sie wichtig ist", bestätigt der Skipper Helmuth Schröder. Information sei gut und notwendig. Wer Bescheid wisse, handle respektvoller. Die Bojenfelder findet der Skipper dagegen zweischneidig. Natürlich nützten sie der Umwelt, aber die Anlegegebühren summierten sich im Laufe eines Sommers. Da stehe wohl auch ein geschäftlicher Aspekt dahinter. Definitiv nicht in Ordnung sei es, auch dann den vollen Tagessatz zu verlangen, wenn man nur zwei bis drei Stunden an einer Boje anlegen wolle. "Dann meinen meine Kunden, die spinnen." Dafür müsste eine Lösung gefunden werden.

Die Lizenzen für die Verwaltung der Bojenfelder laufen Ende dieses Sommers aus. Nächsten Sommer kann es also Veränderungen und auch neue Bojenfelder geben. Und das ist nicht alles. "Wir arbeiten am ersten Posidonia-Gesetz Spaniens", verkündet Miquel Mir. In Kürze werde es der Öffentlichkeit vorgestellt. Bislang basierten die Sanktionen und Verbote nur auf dem Status der Posidonia als geschützte Art. Das Gesetz werde erstmalig und hoffentlich ab nächstem Jahr konkret alle Aktivitäten regeln, die negative Auswirkungen auf sie haben könnten. Dazu gehörten nicht nur das Ankern, sondern auch bestimmte Fischereitechniken sowie die Zufuhr von nicht oder unzureichend geklärtem Abwasser, Schlamm und Abfall.

Regeln fürs Ankern

Verboten ist das Ankern auf Posidoniawiesen. Badebereiche an Stränden und Buchten sind für Segelboote und Motoryachten ebenfalls tabu. Um mit Ihrem Boot an Land zu gelangen, können Sie die markierten Wasserstraßen nutzen, dürfen darin aber nicht ankern. An Stränden ohne abgegrenzten Badebereich müssen Sie eine Geschwindigkeitsbegrenzung von drei Knoten innerhalb von 200 Metern vom Ufer beachten. Für die restliche Küste reduziert sich diese Grenze auf 50 Meter. Ein ausdrückliches Ankerverbot gibt es hier allerdings nicht. Keinen Anker werfen dürfen Sie dagegen in Hafeneinfahrten und in Bojenfeldern. Hier müssen Sie an den Bojen anlegen.

Reservierung von Bojen: Sant Elm, Cala Blava, Port Andratx, Porto Petro, Porto Colom: www.fondeos.caib.es. Formentor: Per Telefon unter 971-793750. Cabrera: reservasparquesnacionales.es (nur bis 20 Tage im voraus).

(aus MM 15/2017)

Kommentar

Nutzungsbedingungen

Rechtlicher Hinweis

» Der Inhalt der Kommentare spiegelt die Meinung der Nutzer wider, nicht die von mallorcamagazin.com

» Es ist nicht erlaubt, Kommentare abzuschicken, die gegen das Gesetz verstoßen oder unangebrachte, beleidigende oder ehrverletzende Inhalte haben.

» mallorcamagazin.com behält es sich vor, unangemessene Kommentare zu löschen.

* Pflichtfelder

Noch kein Kommentar vorhanden.