Vermieter von Ferienwohnungen sehen sich im Nachteil

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Wohnungen in Palma sind auch bei Urlaubern begehrt, die für ein, zwei Wochen mediterranes Altstadt- oder Großstadtflair erleben

Wohnungen in Palma sind auch bei Urlaubern begehrt, die für ein, zwei Wochen mediterranes Altstadt- oder Großstadtflair erleben möchten.

Wohnungen in Palma sind auch bei Urlaubern begehrt, die für ein, zwei Wochen mediterranes Altstadt- oder Großstadtflair erleben Irene Perelló ist Dierktorin des Vereins für touristische Wohnungsvermietungen.

Irene Perelló spricht leise, aber ihre Worte kommen geschliffen daher, wie Messer. "Dass ein Ministerium wie unsere Tourismusbehörde sich auch Ministerium für Innovation und Technologie nennt, und uns gleichzeitig den Einsatz einer Technologie wie die des Internets untersagen möchte, ist irreal", sagt Perelló. Die Juristin und Wirtschaftlerin ist seit knapp einem Jahr Geschäftsführerin der Vereinigung für touristische Vermietungen in Apartments und Wohnungen auf den Balearen (Aptur). Die Organisation gibt es schon lange, doch in Perelló hat Aptur erstmals eine hauptamtliche Direktorin, damit diese sich an den verschiedenen rechtlichen Fronten uneingeschränkt um die Belange von Immobilienbesitzern kümmern kann, die ihre Wohnungen an Urlauber und Sommergäste vermieten möchten.

Das größte Ärgernis der Branche ist, dass das derzeitige balearische Tourismusgesetz, das 2012 von den Konservativen in Kraft gesetzt worden war, den Immobilienbesitzern das Bewerben ihrer Wohnungen auf touristischen Internetseiten verbietet. "Wie aber", fragt Perelló, "soll in heutiger Zeit ein interessierter Kunde in Europa Zugang zum Vermieter finden, wenn nicht über das Internet?"

Auch mit dem Regierungswechsel im vergangenen Sommer habe sich die Situation nicht geändert. Im Wahlkampf hatten etwa die Sozialisten eine Reform des Tourismusgesetzes versprochen. "Wir haben unsere Vorschläge eingereicht und sollten bis Dezember einen Rückmeldung erhalten. Tatsache ist, bis heute hat niemand mit uns gesprochen", sagt Perelló. Nach ihren Worten gibt es derzeit keinen Entwurf zu diesem Bereich, obgleich die Politiker an vielen Tourismusaspekten wie der Urlaubersteuer oder der Begrenzung der Ferienvermietung durch private Immobilienbesitzer am Werkeln sind.

Beunruhigend für Perelló: Neben den Hoteliers, die traditionell gegen die unliebsamen Mitbewerber zu Felde ziehen, haben sich die Umweltschützer gesellt, die verhindern wollen, dass der Individualtourismus die Küstenhotels meidet und sich die ländliche Inselmitte erobert. Perelló befürchtet, dass die Balearen-Regierung dem Hotelsektor mit den Restriktionen für die touristische Vermietung entgegenkommen könnte, als Ausgleich dafür, dass die Hoteliers ihre Gegnerschaft zur geplanten Übernachtungssteuer aufgäben.

Den Nachteil haben die Privatvermieter, sagt Perelló. Hierbei werde der Gesetzgeber der wirtschaftlichen Bedeutung der Branche nicht gerecht. Wie Aptur in Studien festhält, übernachtet mittlerweile nahezu jeder zweite Urlauber auf Mallorca (zirka 42 Prozent) nicht im Hotel, sondern kommt anderweitig unter: in der eigenen Wohnung, bei Freunden oder eben in gemieteten Ferienhäusern und Wohnungen. Tendenz steigend. Der Verband hat für das Jahr 2014 exakt 45.250 Wohneinheiten ermittelt, von denen 31.105 nicht bei der Tourismusbehörde registriert waren. Fazit: "Die Balearen könnten die existierende touristische Nachfrage gar nicht befriedigen ohne die Ferienvermietung." Die bestehenden Hotels würden nicht ausreichen.

Hinzu komme das Geld, das die in Privatvermietung wohnenden Urlauber für Einkäufe, Mietwagen, Restaurants, Freizeitaktivitäten und Ausflüge auf der Insel lassen. Der Aptur-Studie zufolge gaben diese Urlauber 2014 rund 268 Millionen für den Komplementärbereich aus. Insgesamt beliefen sich die Ausgaben inklusive Unterkunft auf 366 Millionen Euro. "100 Betten in der nicht vom Tourismusgesetz regulierten Privatvermietung sichern 23 Arbeitsplätze, in der Hotellerie sind es lediglich 13", sagt Perelló

Die Besitzer der Immobilien sehen sich durch die Rechtslage nicht nur ungerecht behandelt, sondern in ihren von der Verfassung garantierten Grundrechten verletzt. "Es gibt das Recht auf Privateigentum, das auch das Vermieten einschließt. Man kann uns nicht die Vermarktung per Internet verbieten", betont Perelló.

Gleichwohl könne der Verein nicht direkt vor das spanische Verfassungsgericht ziehen. Erst müssten in den unteren Instanzen Urteile zu konkreten Fällen vorliegen. Doch diese bahnten sich an. Denn im Sommer 2015 gab es die ersten Geldstrafen, die die Balearen-Regierung über das Tourismusministerium wegen der Bewerbung von Ferienwohnungen im Internet verhängte. Gegen diese Bußgelder haben die Besitzer sowie Aptur Widerspruch eingelegt. Das letzte Worte über die Verfassungsmäßigkeit der rechtlichen Vorgaben werden also irgendwann die Richter haben. "Da sehen wir uns auf der sicheren Seite. Auch wenn das kein Kampf ist, den man mit einer einzigen Schlacht gewinnt."

Perelló kann die Widerstände der Regierung nicht nachvollziehen. Zumal ihr Verband sich für die Übernachtungssteuer ausspricht. "Wir wollen verbindliche Regelungen für alle Beteiligten in der Tourismusbranche."

(aus MM 6/2016)

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Veronica / Vor über 2 Jahren

Vor Jahren von mir schon einmal gepostet als es um das gleiche Thema ging. Wie will man denn diese Angebote https://www.airbnb.com/s/Majorca--Spain?s_tag=3iu1i_oL verbieten, ganz abgesehen davon, dass der Imageschaden durch solches Ansinnen fuer Mallorca bei weitem groesser ist als der nachhaltige positive Effekt durch solche Individualtouristen. Zudem lassen diese bekanntlich sehr viel mehr Geld auf der Insel als der Pauschalurlauber. Eindeutig ist die Hotellerie, die noch hoehere Profite moechte, der Betreiber solchen Denkens. Die Ressourcen an den Straenden geben im Sommer ein Mehr an Pauschalurlaubern doch garnicht mehr her. Stimme Herrn Roser absolut zu.

Manfred Rosar / Vor über 2 Jahren

Wenn man nicht wüsste, dass es tatsächlich so ist, würde man es für einen Scherz halten - unglaublich. Aber die Regierung kann es sich leisten so mit Immobilienbesitzern die Wohnraum touristisch vermieten möchten, umzuspringen. Die politische Lage - speziell in Europa - treibt die Touristen auf das schöne Mallorca. Diese Willkür finde ich beschämend, denn gerade Individualtouristen, für die eine Unterbringung in einer Bettenburg nicht infrage kommt, interessieren sich für Land, Leute und Kultur was natürlich nicht heißen soll, dass Hotelurlauber die ganze Woche am Strand/Pool liegen und lediglich im Hotel essen. Aber tendenziell ist es wohl so und der Individualtourismus ist aus meiner Sicht sehr wertvoll und vor allem nachhaltiger. Ein Werbeverbot darf und kann es nicht geben - skandalös!!!

Heinz / Vor über 2 Jahren

Guter Ansatz, Mike, hab ich noch gar nicht so gesehen.Ist aber wohl was dran.

Mike / Vor über 2 Jahren

Was Frau Perello unterschlägt ist dass es mit einem Mehr an zugelassener touristischer Vermietung (schneller Mammon in kurzer Zeit) zu einem Weniger an bezahlbarem Wohnraum der hier Lebenden kommt.

Berger / Vor über 2 Jahren

Die Privatvermietung von Aptms. auf Mallorca ist ein fetter Brocken. Die vorangegangenen PP-Regierung hat in einer mir fragwürdig vorkommenden Weise diese untersagt. Gleichzeitig wurde das aufstocken von Hotels auch in 1. Linie gestattet. Das stinkt zum Himmel! Solange derartiges Bestand hat, kann man nur sagen: "La marca Espania - es diferent" und sollte nicht mehr auf den Balearen investieren. Denn: Was kommt morgen? Die totale Enteignung?