Spanisches Mietrecht geändert

Die neue Gesetzgebung sieht flexiblere Regelungen für beide Parteien vor

Die neue Mietgesetzgebung soll das Mieten und Vermieten für beide Parteien interessanter machen und vereinfachen.

Die neue Mietgesetzgebung soll das Mieten und Vermieten für beide Parteien interessanter machen und vereinfachen.

In einem Land wie Spanien mit nur 17 Prozent Mietwohnungen gegenüber einem Wohneigentumsanteil von zirka 83 Prozent spielen Mietgesetze nicht die Hauptrolle in der Gesetzeslandschaft. Der bisherigen Vernachlässigung der Mietmaterie hat der spanische Gesetzgeber jedoch im Hinblick auf deren volkswirtschaftliche Bedeutung nunmehr durch Gesetzesdekret 4/2013 Rechnung getragen. Ziel soll die Flexibilisierung des Mietmarktes auf auch Mallorca sein. Vermieten soll sowohl für den Vermieter als auch für den Mieter interessant und lukrativ werden.

Miet- und Kündigungsfristen

Bisherige starre Regelungen wie die Verlängerung von Mietvertragszeiten sind von fünf auf drei Jahre verkürzt worden, ebenso die Kündigungsfristen des Mieters. Der Mieter soll bei Veränderung persönlicher Umstände, wie zum Beispiel bei einem Arbeitsplatzwechsel, nicht durch lange Kündigungsfristen an den Mietvertrag gebunden sein.

Der Parteiautonomie wird der Vorrang eingeräumt gegenüber rigiden gesetzlichen Regelungen. So ist die Vereinbarung von Schiedsgerichten in Mietsachen zulässig. Auch die Angabe von E-Mail-Adressen für jede Art von Mitteilungen und Zustellungen zwischen den Parteien ist eine gesetzliche Neuerung.

Touristische Vermietungen wie die temporäre Vermietung einer möblierten Wohnung fallen dagegen nicht in den Bereich des neuen Mietgesetzes.

Eintragung von Mietverträgen im Grundbuch

Die Eintragung von Mietverträgen im Grundbuch bedeutet im Falle der Veräußerung des Mietobjekts einen wirksamen Kündigungsschutz für den Mieter. Nicht im Grundbuch eingetragene Mietwohnungen genießen diesen Mieterschutz grundsätzlich nicht. Diesen steht jedoch ein Bleiberecht von drei Monaten im Falle einer Veräußerung des Mietobjektes zu, wie auch ggf. Schadensersatzansprüche gegen den Vermieter.

Wenngleich die Dauer des Mietverhältnisses jetzt frei vereinbart werden darf, kann der Mieter jedoch bis zu einem Gesamtzeitraum von drei Jahren die jeweils jährliche Verlängerung verlangen. Andererseits hat dieser bei Vertragsende gegenüber dem Vermieter ein nur 30-tägiges Kündigungsrecht.

Eigenbedarf des Vermieters darf erst nach einer Mietdauer von einem Jahr geltend gemacht werden. Nach einer Mietdauer von mindestens sechs Monaten darf der Mieter das Vertragsverhältnis mit einer Frist von 30 Tagen kündigen.

Wenn sich das Mieter-Paar trennt

Im Fall der Scheidung, Trennung oder Nichtigkeitserklärung hat der Ehepartner, der selbst nicht Vertragspartner ist, ein Eintrittsrecht in den Mietvertrag aufgrund einer entsprechenden gerichtlichen Verfügung. Hierbei hat der übernehmende Ehepartner allerdings die Pflicht, seinen Willen, das Vertragsverhältnis fortzusetzen, innerhalb von zwei Monaten nach Zustellung des Gerichtsbeschlusses dem Vermieter mitzuteilen.

Falls der Mieter stirbt, haben dessen Familienangehörige einen Anspruch auf Eintritt in das Mietverhältnis. Allerdings können die Vertragsparteien bereits im Mietvertrag den Verzicht auf dieses Mieterrecht vereinbaren, wenn die anfängliche Dauer des Mietverhältnisses mehr als drei Jahre beträgt.

Renovieren statt Miete zahlen

Eine weitere Neuerung des Gesetzes besteht darin, dass die Mietparteien bei einem über drei Jahre dauernden Mietverhältnis statt Mietzahlung die Renovierung der Wohnung oder Umbauten durch den Mieter für einen bestimmten Zeitraum vereinbaren dürfen.

Wenn der Vermieter Verbesserungen vornimmt

Verbesserungen am Mietobjekt durch den Vermieter darf dieser im Wege einer bis zu 20-prozentigen Mieterhöhung gegenüber dem Mieter geltend machen, allerdings erst nach einer dreijährigen Mietdauer. Eine bedeutende Neuerung besteht darin, dass der Mieter im Mietvertrag auf sein gesetzliches Vorkaufsrecht verzichten darf. Der Vermieter muss allerdings dem Mieter von dem beabsichtigten Verkauf des Mietobjektes 30 Tage vor Abschluss des notariellen Kaufvertrages in Kenntnis setzen.

Mietnomaden

Bei Mietverträgen, die im Grundbuch eingetragen sind, hat der Vermieter bei Nichtzahlung der vereinbarten Miete das Recht auf Vertragsaufhebung und Rückgabe des Mietobjekts. Üblich ist in diesen Fällen die notarielle oder gerichtliche Form der dem Mieter zuzustellenden Willenserklärung. Dergleichen setzt allerdings voraus, dass dies im Mietvertrag ausdrücklich vereinbart worden ist.

Als begleitende Maßnahme zum reformierten Mietvertragsgesetz vom 4. Juni 2013 wurden auch Regelungen zur Beschleunigung der Mietprozesse in die spanische Zivilprozessordnung aufgenommen. Als Maßnahme gegen Mietnomaden und um Vermietern bei Vermietungen die Möglichkeit einer Recherche über etwaige frühere Urteile wegen Nichtzahlung der Miete zu geben, wurde ein so genanntes Register über rechtskräftige Urteile wegen nicht bezahlter Mieten eingeführt. Damit soll das Risiko für den Vermieter vermindert werden, keine Gegenleistung für die Eingehung eines Mietvertrages zu bekommen, zugleich ein Anreiz zur Vornahme der Vermietung.

Nur bei neuen Mietverträgen gültig

Die gesetzliche Neuregelung gilt grundsätzlich nur für Mietverträge ab dem 5. Juni 2013, es sei denn, die bisherigen Mietvertragsparteien vereinbaren die Anwendung der Neuregelung auch auf bestehende Altverträge.


Die Autoren Burckhardt Löber und Fernando Lozano, sind Rechtsanwälte beziehungsweise Abogados in Frankfurt am Main, Dénia und Valencia. Dr. Löber betreibt in Partnerschaft mit Rechtsanwalt Dr. Steinmetz eine Kanzlei in Frankfurt am Main (Tel. 0049-069-96221123, info@loeber-steinmetz.de, www.loeber-steinmetz.de). Er betreibt gleichzeitig mit Herrn Lozano, Abogado und Asesor Fiscal die Kanzlei Loeber & Lozano Abogados SLP in Dénia (Tel. +34-965-78254, denia@loeberlozano.com und in Valencia (Tel. +34-963-287793, info@loeberlozano.com. http://www.loeberlozano.com/)

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KR / Vor über 5 Jahren

ich musste leider in 2011 die Erfahrung machen, dass sich Herr RA Fernando Lozano an meinem Immobilienproblem um rund 3000,- € - aus meiner Sicht - auf äußerst dreiste Weise bereichert hat. Ich fühlte mich in meiner damaligen Situation schamlos ausgenutzt! Eine an den Haaren herbeigezogene Klage wurde kreiert um das Einkassieren meines gezahlten Vorschusses zu rechtfertigen. Der von mir erteilte Auftrag wurde dagegen bis heute nicht erfüllt. Zu diesen Herren kann ich nur sagen: Finger weg !!!

Emil / Vor über 5 Jahren

Diese Änderungen sind doch schon sehr alt. Sind die Autoren Burckhardt Löber und Fernando Lozano, auch sonst so schnell? Keine sehr gute Reklame.