Telefonfirmen misstrauen Kunden

Kein Anschluss unter dieser Nummer

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Bei Neukunden sind bestimmte Funktionen häufig gesperrt.

Bei Neukunden sind bestimmte Funktionen häufig gesperrt.

Als die junge Mutter aus Berlin nach der Ankunft im Mallorca-Urlaub ihr Mobiltelefon einschaltete, da blieb dieses trotz aller Bemühungen stumm: keine SMS, kein Anruf, nichts war möglich. Erst ein Gespräch mit ihrem Mobilfunkanbieter E-Plus sorgte für Aufklärung. Die junge Frau war lange Zeit Kundin mit einer im Voraus bezahlten Telefonkarte (Prepaid) gewesen und hatte erst vor Kurzem erstmalig einen Vertrag unterzeichnet. Aus diesem Grund seien Telefonate im und ins Ausland zunächst nicht möglich, habe man ihr erklärt. "Ein Drama ist das zwar nicht, ärgerlich aber schon", sagt die Deutsche. "Zumal ich überhaupt nicht einsehe, was das soll. Schließlich bin ich bei der Firma seit Jahren Kundin und habe immer rechtzeitig gezahlt."

Bei E-Plus räumt man ein, dass bei Neukunden Auslandsgespräche nicht automatisch freigeschaltet sind. Ein Unternehmenssprecher nennt auf Anfrage folgenden Grund: "Wir kennen den Kunden ja gar nicht. Da muss erstmal ein Vertrauensverhältnis entstehen. Es ist ja ein gewisses Risiko, jemandem alle Funktionen zu öffnen." Man fürchtet bei E-Plus offenbar, auf unbezahlten Rechnungen sitzen zu bleiben. Ob es zuletzt eine Häufung von Fällen gegeben hat, in denen Kunden der Firma Telefonkosten schuldig blieben, darüber habe er keine Daten, so der E-Plus-Sprecher. Eine klare Regelung, wie lange die Auslandsbeschränkung gilt, gebe es nicht. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Unternehmens heißt es zu dem Thema, E-Plus sei "berechtigt, die Annahme des Kundenauftrags in Hinblick auf Verbindungen ins Ausland oder aus dem Ausland ganz oder teilweise abzulehnen".

Ein Einzelfall ist das nicht. Tatsächlich scheinen einige Mobilfunkanbieter ihren Kunden zunehmend misstrauisch zu begegnen - nicht nur in Deutschland. Auch eine schweizerische Mallorca-Residentin machte kürzlich eine ganz ähnliche Erfahrung. Sie hatte ihren Mobilfunkanbieter gewechselt und einen Vertrag bei Movistar unterzeichnet. Daraufhin stellte sie fest, dass sie nicht mehr ins Ausland telefonieren konnte. Auf Nachfrage hieß es, diese Beschränkung sei bei Neukunden üblich und könne mehrere Monate dauern.

In einem anderen Fall wurde eine deutsche Mallorca-Residentin von Movistar aufgefordert, 120 Euro Kaution zu hinterlegen, um die anfängliche Auslandssperre zu umgehen. Auch in diesem Fall gibt ein Blick ins Kleingedruckte Aufschluss. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen heißt es: "Movistar kann vom Kunden die Hinterlegung einer Kaution verlangen, sollte es nicht möglich sein, die Kreditwürdigkeit der Person zu überprüfen." Zahle der Kunde die Garantiesumme nicht, könne man den Vertragsabschluss verweigern - oder eben die Möglichkeit, ins oder im Ausland zu telefonieren beschränken.

Ein Sprecher des Unternehmens bestätigt diese Vorgehensweise auf Anfrage. Die Beschränkung für Neukunden könne drei bis sechs Monate dauern. Ziel sei es, die Zahl nicht beglichener Rechnungen, die zuletzt massiv gestiegen sei, möglichst gering zu halten.

Für die junge Mallorca-Urlauberin hatte die unfreiwillige telefonlose Zeit letztendlich auch etwas Gutes: Zwei Wochen ganz ohne lästige Anrufe und Textnachrichten. "War auch mal ganz erholsam", sagt sie.

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