So kommt die Post auch aufs Land

| Llucmajor, Mallorca |
In Lloseta wurden in diesem Jahr Gemeinschaftsbriefkästen aufgestellt

In Lloseta wurden in diesem Jahr Gemeinschaftsbriefkästen aufgestellt, für 60 Euro können Anwohner dort ein Fach erwerben.

Foto: Foto: E. B.

Dass der Postbote jeden Brief bis an die Haustür bringt – diese Zeiten sind auf Mallorca vorbei. Seit einem Jahr stehen beispielsweise in den Urbanisationen der Gemeinde Llucmajor große Sammelbriefkästen am Ortseingang. Dort holen sich die Bewohner ihre Post ab. Zukünftig sollen noch weitere kleine Orte auf Mallorca auf den vollen Service der Post verzichten müssen. Das befürchtet zumindest die Gewerkschaft Confederación General del Trabajo (CGT).

"Die Post will in sehr vielen Urbanisationen auf den Balearen ab Januar den Dienst einstellen", sagt Gewerkschaftsvertreter Luis Camarero. Dann würde die Haustür-Lieferung für normale Sendungen entfallen und Anwohner müssten einen Sammelbriefkasten aufstellen, diesen aber selbst bezahlen. Camarero beruft sich dabei auf das Schreiben, das die Bewohner der dünn besiedelten Bezirke von Ciutadella auf Menorca von Correos kürzlich erhalten haben. Auf Mallorca werden seiner Ansicht nach beispielsweise die Küstenzone von Llucmajor sowie Teile der Gemeinde Felanitx betroffen sein. CGT legte beim Gemeindebund Beschwerde ein.

In Llucmajor weiß man von den Plänen der Post nichts. Derzeit würden in Bahía Grande und Bahía Azul Gemeinschaftsbriefkästen aufgestellt, weil sich die Anwohner beschwert haben, dass die Post nur unregelmäßig und verspätet eintreffe, sagt Gregori Estarellas, Vorsitzender der mitregierenden sozialistischen PSIB und baldiger Bürgermeister der Gemeinde. Bereits vor einem Jahr mussten in vielen Urbanisationen der Gemeinde Gemeinschaftsbriefkästen errichtet werden.

Doch nicht nur in den Urbanisationen der Insel gibt es Kummer mit der Post, auch im Küstendorf Ses Covetes klingelt der Briefträger schon länger nicht mehr. "Ich habe in diesem Jahr noch keinen einzigen Brief im Briefkasten gehabt", berichtet Jutta Brieden. Sie und ihr Mann verbringen einen Teil des Jahres in Ses Covetes beliebten Naturstrand Es Trenc. "Wir bekommen zwar nicht viele Briefe, doch jetzt kommt gar nichts mehr an."

Dass es bei der Zustellung im Küstendorf holpert, ist nichts Neues. Früher habe der Postbote einmal im Monat die Zustellungen bei einem Nachbarn im Dorf abgegeben, der die Sendungen dann unter allen zwölf Einwohnern verteilte. Als das Ehepaar Brieden vor vier Jahren seinen Briefkasten am Haus anbrachte, schickte es einen Testbrief aus Deutschland an die Mallorca-Adresse. "Der Brief ist nie hier angekommen, sondern ging als unzustellbar zurück." Wichtige Post wie Versicherungsunterlagen lässt sich das Ehepaar mittlerweile an die Adresse von Freunden in Calvià schicken. Auch könne es in Ses Covetes durchaus einige Wochen dauern, bis der Briefkasten für die Wurfsendungen mal geleert werde. Touristen müssten dann Geduld aufbringen, bis ihre Grußkarten in der Heimat eintreffen.

Die Pressesprecherin von Correos hält sich bedeckt, was die Pläne des Unternehmens betrifft. "Die Post hat auf keinen Fall vor, den Service in bestimmten Ortschaften einzustellen." Für Llucmajor schließt sie aus, dass weiteren Ortsteilen der Haustür-Service eingestellt wird. Doch gleichzeitig verweist sie auf geltendes spanisches und europäisches Recht. So müssen auf einem Hektar Land 25 Personen leben, die fünf Sendungen pro Woche erreichen, damit der Briefträger die Post an die Haustür bringt. Für dünn besiedeltere Gebiete wird die Auslieferung angeglichen. Sprich: Nur noch Expresssendungen und Einschreiben werden direkt an die Haushalte verteilt, normale Sendungen nicht. "In jedem Fall stellen wir den Anwohnern einen Platz bereit, um einen Gemeinschaftsbriefkasten aufzustellen."

Postlagernd ist kostenlos

Die Post bietet zwei Alternativen für alle an, die keine Post nach Hause bekommen. Zum einen gibt es das Postfach. Im ersten Jahr schlägt der „Apartado postal“ mit 72 Euro zu Buche. Weitere Empfänger kosten extra. Eröffnet wird das Postfach gegen die Vorlage der NIE und eines Lichtbildausweises in einem Postamt. Zum anderen besteht die Möglichkeit, sich Briefe postlagernd an ein Postamt schicken zu lassen. Der Service ist kostenlos, allerdings eher für Durchreisende gedacht. Auf den Brief gehört der Name des Empfängers, der Verweis „Lista de Correos“ sowie Postleitzahl und Ort. Zwei Wochen lang hat der Empfänger Zeit, seine Sendung abzuholen.

(aus MM 40/2015)

Kommentar

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Heinz / Vor über 3 Jahren

Das gibt es in Deutschland schon seit fast 40 Jahren. Das Modell stammt aus Schweden.

Brigitte Witte / Vor über 3 Jahren

Ja, wir kennen das Problem. Sind nur zeitweise in Llucmajor auf dem Land. Haben ein Postfach. An uns gerichtete Weihnachtspost ist als "unbekannt" zurück in die USA geschickt worden. Sehr ärgerlich!! Schließlich zahlen wir Jahr für Jahr für unser Postfach!!!