Tarjeta Sanitaria: Kleine Karte mit großer Wirkung

| Mallorca |
Noch sind sie blau: Die Gesundheitsbehörde will die Krankenkarten aber sukzessive bis 2020 durch rote ersetzen.

Noch sind sie blau: Die Gesundheitsbehörde will die Krankenkarten aber sukzessive bis 2020 durch rote ersetzen.

Foto: Patricia Lozano

Aus der Heimat ist das System bekannt: Wer auf Mallorca krank wird und einen Arzt aufsuchen muss, braucht auch hierzulande eine Krankenkarte. Das gilt zumindest für das staatliche Gesundheitswesen. Wie in Deutschland verfügt auch auf der Insel die "Tarjeta Sanitaria" über ein Foto des Versicherten und auf einem Chip sind die Patientendaten gespeichert. Ausgestellt wird sie direkt im Gesundheitszentrum ("centro de salud"). Der Versicherte muss sich selbst darum kümmern.

Die balearische Gesundheitsbehörde IB-Salut ist sowohl für die Gesundheitszentren als auch die Versichertenkarten zuständig. Seit 2016 kostet es den Versicherten nichts, sich eine Gesundheitskarte ausstellen oder verlängern zu lassen. Vorher war eine Gebühr erhoben worden. Die Gültigkeit der Karte ist laut IB-Salut für Spanier und EU-Ausländer auf vier Jahre begrenzt. Das Ablaufdatum ist auf der Vorderseite vermerkt.

Die Versichertenkarte muss vorgelegt werden, wenn ein Patient sich in einem staatlichen Ärztezentrum oder Krankenhaus behandeln lassen will. Zudem werden auf ihr Rezepte elektronisch gespeichert. Einen Anspruch auf die "Tarjeta Sanitaria" haben Personen, die auf Mallorca sozialversichert sind und ihre nächsten Angehörigen.

Um eine Karte zu bekommen, muss man zunächst einen Termin ausmachen. Das geht per Telefon unter 902-079079 oder 971-437079 beziehungsweise persönlich im zuständigen Ärztezentrum. Wer neu auf Mallorca lebt, fragt am besten seine Nachbarn, welches Ärztezentrum für den Wohnort zuständig ist.

Laut Auskunft der Gesundheitsbehörde müssen Ausländer zu dem Termin im zuständigen Gesundheitszentrum Folgendes vorlegen: Ein Ausweisdokument (Personalausweis oder Reisepass), den grünen Auszug aus dem Ausländerregister, wenn vorhanden die alte Versichertenkarte sowie ein amtliches Passfoto ("foto carné", 32 auf 26 Millimeter). Eine Meldebescheinigung der Gemeinde muss nur mitbringen, wer nicht in Palma wohnt, da die Gesundheitsbehörde Zugriff auf die Daten des Einwohnermeldeamtes der Inselhauptstadt hat.

Bei einem zweiten Termin bekommt der Patient dann seine Gesundheitskarte ausgehändigt. In größeren Ärztezentren kann der Versicherte sie auch manchmal sofort mitnehmen, weil sie vor Ort ausgestellt wird. Auf der Rückseite befindet sich ein Aufkleber. Dieser informiert, welches Ärztezentrum und welcher Hausarzt für den Patienten zuständig ist. Mit der Karte lassen sich auch über die Webseite der Gesundheitsbehörde Termine beim Hausarzt vereinbaren.

In Spanien gilt ein strenges Hausarzt-Modell. Er stellt alle Überweisungen aus und ist auch alleine für Krankschreibungen zuständig. Freie Arztwahl gibt es nicht. Wer mit seinem Hausarzt nicht zufrieden ist, muss den Wechsel beim IB-Salut beantragen. Bei jedem Umzug wird dem Versicherten ein neuer Hausarzt zugewiesen. Er meldet sich dafür im Gesundheitszentrum an seinem neuen Wohnort. Zudem ist die Karte nur in Spanien gültig, wer innerhalb Europas verreist, muss bei der Sozialversicherung die Europäischen Krankenversicherungskarte beantragen.

Die derzeitige Balearen-Regierung hat mit Beginn ihrer Amtsperiode vor mehr als zwei Jahren einige Veränderungen im Gesundheitssystem eingeführt: Nicht nur ist das Ausstellen der Karten nun kostenfrei, auch sollen die alten blauen Tarjetas bis 2020 nach und nach gegen rote ausgetauscht werden.

Außerdem führte sie den Versicherungsschutz für illegale Einwanderer wieder ein, den die Vorgängerregierung abgeschaft hatte. Ein Balearen-Gericht hatte im September den Beschluss für ungültig erklärt, die Regierung will jedoch an ihrem Modell festhalten und vor den Obersten Gerichtshof ziehen.

(aus MM 45/2017)

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Barbara / Vor 8 Monaten

@roswitha. So ist das nun mal, wenn Sie kein spanisch sprechen. Wäre es in Deutschland anders? Dann müssen Sie eben jedesmal jemanden zum übersetzen mitnehmen. Meine Erfahrungen nach über 20 Jahre Spanien sind sehr gut.

Denn die besten Ärzte sind nunmal in der Seguridad Social.

Roswitha / Vor 8 Monaten

Schön geschrieben, leider erlebe ich als EU Residentin hier,ärztliche NICHTBEHANDLUNG weil ich kein spanisch spreche, ( ein Arzt von Creu Roja hat mir das sogar schriftlich bestätigt ) eine andere Ärztin im Spital ( anbei meine privat bezahlte Übersetzerin ) behandelte mich auch nicht, schrieb eine Überweisung an einen Hämatologen ( der dann fragte warum ich dort sei? ) Nach Monaten des Wartens auf "angebliche Spezialisten Termine" war ich nicht flug und reisefähig, jetzt bin ich nach Deutschland geflogen um mich ärztlich behandeln zu lassen. Und das finde ich eine Schande. Ich bin gesetzlich renten-pflege-und kranken versichert und erlebe genau das Gegenteil was im Gesetz steht. Diesen Missstand aufzuklären war niemand zuständig, die IB Salut hat die Beschwerde abgeschmettert....wie praktisch.