Streikdrohung nicht vom Tisch

Gewerkschaften und Flughafenverwaltung weiter uneins

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Mallorca, 11. März – Der ankündigung Streik der spanischen Flughafenmitarbeiter schwebt weiterhin als Drohung über die sich erholende Tourismusindustrie. Eine neue Verhandlungsrunde in Madrid war am Donnerstag ergebnislos beendet worden, ein neuer Termin steht nicht fest. Die Beschäftigten der der staatlichen Flughafen-Betreibergesellschaft Aena haben von April bis August insgesamt 22 Streiktage eingeplant.

Der Sprecher der Gewerkschaft Comisiones Obreras, sprach von einem "sehr ernsten Streik", der erst bei einer Einigung abgesagt werden könne. Die Arbeitgeberseite habe zwar ein neues Angebot auf den Tisch gelegt, das nun von den Gewerkschaften geprüft werde. Das Papier gehe aber auf kein der zentralen Forderungen der Arbeitnehmer ein.

Der angedrohte Ausstand war auf Mallorca bereits zu Wochenbeginn mit Empörung zur Kenntnis genommen worden. Die Tourismusindustrie ist alarmiert. Es geht die Angst um, dass die positiven Prognosen für die anstehende Saison durch die Ankündigung einer Arbeitsniederlegung zunichte gemacht werden könnten und zu gravierenden Schäden für das Image Spaniens als sicheres Reiseland führen.

Der balearische Ministerpräsident Francesc Antich hatte an die Gewerkschaften appelliert, den Streik „sofort” abzusagen. „Jede Stunde, die seit der Ankündigung vergeht, ist ein massiver Schlag gegen die genesende Wirtschaft auf den Inseln”, hatte Antich aus Anlass der Internationalen Tourismusbörse ITB in Berlin gesagt.

Die rund 12.000 Angestellten auf den 45 Airports in Spanien wollen allein in der reiseintensiven Osterzeit an vier Tagen die Arbeit niederlegen. Für den Ausstand vorgesehen sind Mittwoch vor Gründonnerstag (20. April), Gründonnerstag (21. April), Ostersonntag, Ostermontag (24. und 25. April). Bestreikt werden sollen zudem wichtige Brückentage in den Sommermonaten.

Die Gewerkschaften UGT, C.O. und USO mobilisieren ihre Mitglieder gegen die geplante Privatisierung der spanischen Flughäfen und den damit verbundenen arbeitsrechtlichen Auswirkungen auf die Beschäftigten. Sie befürchten den Verlust von Arbeitnehmerrechten sowie die Schließung unrentabler Airports.

Die Aena-Angestellten stellen ein relativ kleines Kollektiv, da viele Dienste bereits privatisiert sind. Es geht konkret um Mitarbeiter der Verwaltung, Techniker, Einweiser auf dem Rollfeld, Feuerwehrmänner. Der mögliche Streik betrifft weder Fluglotsen noch das Bodenpersonal zum Befördern der Koffer, ebensowenig Reinigungs- oder Sicherheitskräfte. Am Airport in Palma sind 552 Mitarbeiter von der Privatisierungsmaßnahme betroffen.

Der Präsident der mallorquinischen Handelskammer, Joan Gual de Torrella, appellierte an die Verantwortung der Airport-Angestellten, „keinen neuen Vulkan” zu provozieren. Gual de Torrella bezog sich damit auf das Flugchaos, dass die Aschewolke des isländischen Vulkan Eyjafjalla im Frühling 2010 ausgelöst hatte.

Besorgt über die negativen Auswirkungen für die Balearen als touristische Reisedestination hatten sich bereits im Vorfeld die mallorquinischen Hotel- und Reiseverbände geäußert. Der Kommentator der spanischen Tageszeitung „Ultima Hora” nannte die Gewerkschaften „verantwortungslos”.

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