Mallorca nach dem Bombenattentat: Die schwierige Rückkehr zur Normalität

Eine Woche nach dem Anschlag in Palmanova versuchen Inselbewohner und Urlauber, wieder zum Alltag überzugehen

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Das spanische Prinzenpaar gab sich demonstrativ entspannt bei einem Stadtbummel in Palma am Mittwoch. Foto: Jaume Morey

JONAS MARTINY

Mallorca. Die Bombe hat Mallorca erschüttert. Der tödliche Terroranschlag von Palmanova versetzte die Inselbewohner in einen tagelangen emotionalen Ausnahmezustand. Viele Mallorquiner zeigten sich wegen des Bomben-attentats tief betroffen. Zum ersten Mal gab es auf der Insel nach einem Terrorakt Todesopfer zu beklagen. Bisher galt unumstößlich die Überzeugung, eine solche Tat könne es auf einer Insel wie Mallorca nicht geben. Zu dicht sei das Netz der Kontrollen, zu schwierig die Flucht nach einem solchen Anschlag. Manch ein Inselbewohner dürfte sein Weltbild wanken sehen in diesen Tagen.

Es ist viel getrauert worden seit dem vergangenen Donnerstag, an dem die Autobombe in dem Touristenort der Gemeinde Calvià südwestlich von Palma zwei Polizisten tötete. Tausende sind gegen den Terror auf die Straßen gegangen und haben sich mit den Opfern und deren Angehörigen solidarisch gezeigt.

Gleichzeitig ist die größte Fahndungsaktion in der Geschichte Mallorcas angelaufen. 1600 Polizisten jagen die Attentäter und versuchen herauszufinden, wie dieser Bombenanschlag überhaupt möglich war. Fahnder versuchen unter Hochdruck, die Geschehnisse der Stunden vor und nach dem Anschlag zu rekonstruieren. Noch immer gibt es verstärkte Kontrollen an den Häfen und am Flughafen, immer wieder kommt es inselweit zu Verkehrskontrollen. Diese Maßnahme wird laut der Vertretung der Zentralregierung bis aus weiteres aufrecht erhalten. „Niemand verlässt die Insel, ohne identifiziert worden zu sein”, so eine Behördensprecherin am Mittwochnachmittag gegenüber MM. Es ist nicht auszuschließen, dass die Täter weiterhin auf der Insel sind.

Dennoch bemühen sich Inselbewohner und Urlauber spürbar, wieder zur Normalität zurückzukehren. Schon kurz nach dem Attentat herrschte an vielen Stellen im vor allem bei Briten beliebten Palmanova der übliche Urlaubstrubel – in anderen Touristenorten wie etwa an der Playa de Palma ohnehin.

Auch international sorgte der Anschlag für Aufsehen. Beim Medienwettlauf um die aufregendste Titelgeschichte wurden auch Falschmeldungen verbreitet, wie etwa die, es habe Dutzende Verletzte gegeben. Tatsächlich waren die beiden Polizisten die einzigen Opfer.

Wegen der großen Aufmerksamkeit, die das Attentat hervorrief, sahen sich die Behörden zu einer beruhigenden Botschaft an die Bevölkerung und an die Touristen genötigt. „Die Insel ist sicher”, so der Tenor.

Auch die Königsfamilie hat ihren Beitrag zur Normalisierung beigetragen. Trotz Attentat ist Juan Carlos zum Sommerurlaub auf der Insel gelandet und bleibt damit dem Verhaltensmuster treu, das die Spanier schon immer dem Terror entgegensetzen: Zurück zum Alltag. Die Normalität ist Teil der Anti-Terrorstrategie.

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