„Aufstehen und weitergehen”

Auf dem Jakobsweg arbeitete Manfred Bleckmann seine Krankheit auf. Daraus entstand ein Buch

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Dass „immer mehr Krebskranke den Mut fassen, gegen den Strom zu schwimmen”, wünscht sich Manfred Bleckmann aus Llucmajor. „Und ich freue mich darauf, diese Menschen an der Quelle der Gesundheit wiederzutreffen.” Er selbst hat es mit den Jahren gelernt, gegen den Strom zu schwimmen – spätestens seit er 1997 die Diagnose „Prostatakarzinom” erhält.

Für ihn und seine Frau Hanne – die beiden leben damals schon auf Mallorca – beginnt eine schwere Zeit zwischen Bangen und Hoffen: Nach dem Schock die Operation, Intensivstation, dann die Nachsorge. Jede bevorstehende Kontrolluntersuchung löst erneut tiefe Ängste aus: Ist der Krebs wirklich überstanden? Nachdem der gemessene PSA-Wert (Tumormarker) zunehmend Hoffnungslosigkeit in ihm auslöst, beschließt Manfred Bleckmann, selbst nach alternativen Heilmethoden zu forschen. Seine Suche bringt ihn in Kontakt mit dem Verein „Menschen gegen Krebs” (MgK), der Patienten neben Angeboten der Schulmedizin alternative Wege anbietet. Heute ist er selbst MgK-Berater – und hat den Krebs besiegt.

Sein Konzept „Schwimmen gegen den Strom” bringt ihn 2007 dazu, seine Frau Hanne per Wohnmobil auf dem Jakobsweg zu begleiten, obwohl „ich mir selbst den Pilgerpfad körperlich nicht zugetraut habe”. Aber begleiten will er sie, „Hausmann spielen”, sie umsorgen, so wie sie während der Krankheit für ihn gesorgt hat. Als eine Freundin den beiden kleine Notizbücher mit auf den Weg gibt, um ihre Eindrücke auf der Reise festzuhalten, will er kein Spielverderber sein und beginnt „eine Art Tagebuch” zu schreiben: „Dabei hatte ich mein ganzes Leben noch nie geschrieben.” Während Hanne morgens „aufsteht und weitergeht” auf dem Jakobsweg, jeden Tag 20 bis 30 Kilometer, geht ihr Mann, ganz unerwartet, einen anderen Weg: Er arbeitet seine Krankheitsgeschichte von damals auf. „Ich merkte plötzlich, wie sich meine aktuellen Wahrnehmungen, Gedanken und Gefühle mit den Bildern von damals verwoben.” Aus dem „Tagebuch” ist ein Buch entstanden: „Aufstehen und weitergehen. Der Weg einer Heilung”, so der Titel (Sensei-Verlag; erhältlich auch beim Weltbild- und Ritterverlag, 14'90 Euro). Ein Buch, das in seiner ungeschminkten Ehrlichkeit berührt – und Hoffnung macht. „Es muss am Camino liegen”, heißt es da. „Irgendwie sehe ich die letzten zehn Jahre wie einen Läufer, der sich bei jeder Etappe immer mehr ein Stückchen aufrollt.” Und wie jeder Pilger auf dem Jakobsweg erkennt Manfred Bleckmann, wie wichtig das „Loslassen” auch für den kranken Menschen ist: „Ihm wird bewusst, dass sein Rucksack am Anfang des Weges zu schwer bepackt war. Ihm wird klar, dass auch er im Leben Ballast abbauen muss.” Mit der Schilderung seines Heilungsweges möchte der Autor anderen Menschen Mut machen, die die Diagnose Krebs erhalten. Denn: Rückblickend würde er heute vieles anders machen und sich „besser informieren”: „Heute weiß ich, dass es eine Fülle an alternativen Krebstherapien gibt – und vor allem, dass man am Krebs nicht sterben muss.” Erst am Ende der Reise, als das Paar am 24. Juni – „zufällig unser 24. Hochzeitstag” – den Leuchtturm von „Cabo Finisterra”, den westlichsten Punkt der iberischen Halbinsel, erreicht hat, erzählt sie ihm, dass sie während seiner Krankheit das Versprechen gemacht habe, den Jakobsweg zu gehen: „Wenn du wieder gesund wirst.”

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