„Die Zeit ist reif ”

Rockstar Peter Maffay, seit Jahrzehnten in Pollença ansässig, will seinen Teil dazu beitragen, dass auch nachfolgende Generationen etwas von Mallorcas Natur haben. Im MM-Interview spricht der 57-Jährige über seine Zusammenarbeit mit den Umweltschützern des GOB, den Tourismus auf der Insel – und über die Zukunft seines Sohnes Yaris

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Peter Maffay in Pollença.

MM: Herr Maffay, Anfang 2006 saßen wir schon einmal zusammen, um ausführlich über Mallorcas Umwelt zu sprechen. Gestatten Sie mir eine ähnliche Einstiegsfrage wie damals, da die seinerzeit im Bau befindliche Autobahn inzwischen nahe Ihres Zuhauses bei Pollença endet. Ist es nicht schön, wie schnell Sie jetzt vom Flughafen zu Hause sind?
Peter Maffay: Ganz ehrlich, das ist eine Erleichterung. Ich bin tatsächlich zehn Minuten schneller zu Hause oder am Flughafen. Aber diese zehn Minuten würde ich hergeben, wenn die Versiegelung des Bodens geringer gewesen wäre.

MM: Hohes Verkehrsaufkommen wird als Argument für den Bau neuer Straßen angeführt ...
Maffay: In einem TV-Beitrag habe ich gerade erfahren, dass die Verkehrsdichte in Palma die größte in ganz Europa sein soll. Das wusste ich bisher nicht. Das Problem ist doch, dass die Politik es zugelassen hat, dass eine solche Verkehrsdichte entsteht. Und die zieht dann Baumaßnahmen nach sich.

MM: Ihren Standpunkt haben Sie schon länger deutlich gemacht. Im vergangenen Jahr folgte dann der Entschluss, sich intensiver zu engagieren. Wissen Sie jetzt schon, wie genau?
Maffay:
Ich habe Gespräche mit Vertretern der Umweltschutzorganisation GOB geführt, das wird wohl dazu führen, dass ich über kurz oder lang Mitglied werde. Am Donnerstag stellen wir bei uns im Stiftungshaus eine Broschüre von GOB vor. Die heißt „Tipps zur Erhaltung der Kulturlandschaft auf den balearischen Inseln”. Das ist nur ein Beispiel der Arbeit.

MM: Wird es also weitere gemeinsame Aktivitäten von Peter Maffay und GOB geben?
Maffay: Ich habe dem GOB bereits angeboten, dass er unser Stiftungshaus regelmäßig oder unregelmäßig als Plattform für Dialoge mit Gesellschaft und Politik nutzen kann.

MM: Es gibt ja mehrere Umweltschutzorganisationen. Wieso gerade GOB?
Maffay: Die grüne Position ist mir wichtig, das ist für mich der richtige Ansatz für die Lebensqualität auf dieser Insel. Außerdem ist der grüne Gedanke für mich ein internationaler. Umweltaspekte muss man global behandeln, da können wir uns keine nationale Isolation leisten. Ich möchte mich aber als Ausländer auf Mallorca nicht parteipolitisch engagieren. Und der GOB ist keine Partei.

MM: Welchen Beitrag möchten Sie denn konkret vor Ort leisten?
Maffay: Wenn ich jemandem, wie eben erwähnt, mein Haus öffne, dann positioniere ich mich ja recht eindeutig. Es geht darum, Leute mit der gleichen gedanklichen Ausrichtung zusammenzubringen. Sie miteinander zu vernetzen.

MM: Sehen Sie sich auch als jemand, der aufgrund seiner Popularität Meinungen vielleicht besser in die Öffentlichkeit transportieren kann als andere?
Maffay: Das ist wohl so. Ich werde inzwischen oft von deutschen Medien gefragt, was ich über bestimmte Dinge auf Mallorca, zum Beispiel die Umweltthematik, denke. Und ich weiß, dass ich dann viele Punkte anspreche, die andere Menschen auf Mallorca genauso sehen.

MM: Vor ein paar Monaten haben 50.000 Menschen auf Mallorca für die Umwelt demonstriert. Hätten Sie gedacht, dass so viele an einem Strang ziehen?
Maffay: Ich war total erstaunt. Ich weiß nicht, ob ich richtig liege, aber ich halte die Mallorquiner nicht für ein demonstrationswütiges Volk. Dass da so viele auf die Straße gehen und sagen „Das, was da passiert, wollen wir nicht”, zeigt, dass die Zeit reif ist.

MM: Bewegt man sich mit einer solchen Demo nicht auf einem sehr schmalen Grat? In deutschen Medien wurde berichtet, dass Mallorca gegen den Tourismus protestiert. Wird da nicht aus wirtschaftlicher Sicht viel Porzellan zerschlagen?
Maffay: Nein, das sehe ich nicht so. Es ist immer eine Drohgebärde: Bloß nichts gegen den Tourismus sagen, die Haupteinnahmequelle der Insel. Damit will man die Leute mundtot machen. Es geht nicht darum, gegen den Tourismus zu sein, sondern darum, den Tourismus, der wichtig ist für die Insel, in die richtigen Kanäle zu lenken. Man muss die richtigen Maßnahmen treffen, um einen inselverträglichen Tourismus zu schaffen. Wichtig ist, die Kapazität der Insel richtig einzuschätzen. Es geht um die Fragen, wie viel Tourismus verträgt die Insel, was verträgt sie an Fahrzeugen, an Infrastruktur, an Hotels.

MM: Aber die Berichterstattung in Deutschland lässt sich nicht steuern ...
Maffay: Ich glaube doch. Man muss versuchen, das Bewusstsein der Journalisten auf die richtigen Punkte zu lenken. Denken Sie zum Beispiel an die Diskussionen um den G8-Gipfel. Vor einem halben Jahr sprachen alle von Globalisierungsgegnern. Inzwischen wird das oft differenzierter gesehen und es geht um Globalisierungskritiker. Durch Aufklärung kann man in einer Demokratie Einfluss nehmen auf Entwicklungen. Ich möchte kein Provokateur sein, ich habe nicht vor, Leuten auf die Füße zu treten – es sei denn, sie geben die Verantwortung auf gegenüber der Allgemeinheit.

MM: Ein gutes Stichwort. Ihre Aussagen Anfang 2006 im Mallorca Magazin haben dazu geführt, dass sich der eine oder andere provoziert gefühlt hat. Heiß wurde die Frage diskutiert, ob man sich als Ausländer auf Mallorca einmischen darf. Es gab auch Kommentare, die deutlich unter die Gürtellinie gingen.
Maffay: Auf dieses Diskussionsniveau wollte ich mich nicht herabbegeben. Deshalb habe ich damals auch nicht auf den einen oder anderen Leserbrief reagiert, den ich im Mallorca Magazin lesen konnte. Wir sind doch alle inzwischen mindestens Europabürger, wenn nicht sogar Weltbürger. Wie ich bereits sagte, haben viele Probleme nicht mehr den nationalen Charakter.

MM: Sie haben sich also nach der MM-Lektüre nie gesagt „Hätte ich bloß den Mund gehalten”?
Maffay: Aber nein, auf keinen Fall. Wir alle haben eine verdammt hohe Verantwortung gegenüber den Generationen, die nach uns kommen. Nach uns sollen noch viele Menschen lebenswerte Umstände vorfinden. Da darf man sich nicht von kleinkarierten Meinungen ausbremsen lassen.

MM: Sehen Sie denn weiterhin die Zukunft Ihres Sohnes Yaris, der im Oktober vier wird, auf Mallorca?
Maffay: Im Augenblick genießt er, so hoffe ich, seine Kindheit. Die Wurzeln von Yaris werden in mallorquinischem Boden sein. Ich will ihn aber auch auf Reisen mitnehmen, damit er Mallorca von außen betrachten kann. Das ist ein anderer Blick, man sieht oft mehr, als wenn man mittendrin ist. Ich hoffe, dass er kein Duckmäuser wird und immer den Mut hat, sich gerade zu machen, wenn man ihm sagt: „Verbrenn dir nicht den Mund.”

MM: Nochmal nachgefragt: Dass gerade an diesem Donnerstag die Broschüre des GOB präsentiert wird, hat das mit den Wahlen vom kommenden Sonntag zu tun?
Maffay: Das ist Zufall. Die Wahl ist sicher wichtig, aber ob die Bäume sterben oder leben, hat zumindest im Augenblick nichts mit der Wiederwahl einer Partei zu tun.

MM: Sie sind kein Resident und wählen am 27. Mai nicht. Haben Sie trotzdem eine Wahlempfehlung?
Maffay: Hat es jemals durch Wahlen auf dieser Insel große Veränderungen gegeben? Oder werden die Geschicke der Insel nicht eher durch Lobbyismus gelenkt? Diese Frage soll kein Affront gegen Mallorca sein. Das ist hier micht anders als in anderen Regionen der Welt. Die Gesellschaft ist doch wie in Deutschland oder Frankreich oder in vielen, vielen anderen Gegenden geprägt von Lobbyimus und Korruktion. Es gibt aber überall immer wieder integre Menschen, integre Politiker. Die zu finden, ist eine Aufgabe der Vernetzung, an der ich mitarbeiten möchte.

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