Prinzen-Bastard oder katalanischer Korsar?

Mallorca-Theorie sieht den Amerika-Entdecker als Sohn der Insel / Deutsches Institut forscht

VON
ALEXANDER SEPASGOSARIAN

Zwei Jahre vor seinem 500. Todestag nimmt das Interesse an Christoph Columbus spürbar zu. Vor wenigen Wochen widmete das deutsche Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" dem Entdecker der Neuen Welt eine zweiteilige Titelgeschichte. Obgleich das Magazin weitgehend an der traditionellen Schulmeinung festhielt, Kolumbus habe einst in Genua das Licht der Welt erblickt, verwies es dennoch auf jene Thesen, die dem großen Navigator eine spanische Herkunft nachweisen wollen.

Die Theorien vom spanischen Kolumbus rücken seit einigen Jahren verstärkt Mallorca beziehungsweise den balearisch-katalanischen Sprachraum ins Blickfeld von Wissenschaftlern und Hobbyforschern. Jüngstes Beispiel: Erst am vergangenen Dienstag meldete der spanische Radiosender Cadena Ser unter Berufung auf den TV-Wissenschaftskanal Discovery, dass es sich bei Kolumbus um einen katalanischen Korsar gehandelt habe, der im aragonesischen Bürgerkrieg (1462-1472) gegen König Juan II. kämpfte. Aus diesem Krieg ging der Sohn des Monarchen, Fernando, als Sieger hervor. Fernando ist später einer der beiden "reyes católicos", der spanischen Katholischen Könige. Durch die Heirat 1469 mit der kastilischen Königin Isabella und der Vereinigung der beiden Königreiche bricht in Spanien die Neuzeit an. Isabella und Fernando sind jenes Monarchenpaar, in dessen Auftrag Kolumbus 1492 seine Entdeckunsgreise antritt, um den westlichen Seeweg nach Indien zu finden. Als ehemaliger Bürgerkriegskorsar, so die These des Wissenschaftssenders, sei Kolumbius daran gelegen gewesen, vor Fernando seine wahre Herkunft zu verheimlichen.

Eine andere Theorie über die Herkunft Kolumbus' hat einen direkten Mallorca-Bezug. Nach dieser These handelt es sich bei dem Entdecker um den unehelichen Sohn des aragonesischen Prinzen Carlos, Príncipe de Viana, und der Mallorquinerin Colom. (Daher auch der Name Cristóbal Colom, spanisch Colón.) Carlos war der ältere Halbbruder des bereits erwähnten Fernando. Bei seinem Vater, König Juan II. von Aragón, war Carlos in Ungnade gefallen. Der Prinz wurde zeitweise nach Mallorca, das Teil des Königreichs war, verbannt. Während seines knapp einjährigen Exils auf der Insel hatte der als Frauenheld bekannte Königssohn, so die Verfechter der Mallorca-Theorie, eine amouröse Liebschaft mit der jungen Frau aus Felanitx. Dort soll Kolumbus 1461 das Licht der Alten Welt erblickt haben.

Für die Mallorca-Theorie macht sich seit nunmehr 30 Jahren der Generalsekretär der Kulturellen Vereinigung Cristobal Colón, Gabriel Verd Martorell, stark. Sollte er Recht haben, wäre Kolumbus über seinen Vater ein Halb-Neffe des späteren "rey católico" Frenando. Damit hätte Kolumbus theoretisch Ansprüche auf die königlichen Privilegien seines in Gefangenschaft gestorbenen Vaters ableiten können. Angesichts des vorausgegangenen aragonesischen Bürgerkriegs, der die Königsfamilie blutig entzweit hatte, war dies, so Verd, ein gefährliches politisches Unterfangen. Aus diesem Grund tat Kolumbus gut daran, seine wahre Herkunft zu verschleiern. Dies sei besonders im Sinne Fernandos gewesen. Er hatte den größten Nutzen, wenn man Koluimbus nicht als Blutsverwandten kannte, sondern für eine Fremden, einen Genovesen oder Ligurer hielt, so Verd.

Unter den vielen Thesen zur Herkunft Kolumbus' - neben den spanischen und italienischen gibt es sogar kroatische, griechische und norwegische Varianten - ist die Mallorca-Theorie die einzige, die neben Historikern auch das Interesse von Naturwissenschaftlern geweckt hat. Vor nunmehr zwei Jahren begannen die Untersuchungen, mit denen Genetiker der Universität Granada sowohl das Rätsel um die Herkunft als auch das Geheimnis um die wahre Grablage des Entdeckers lüften wollen. Per Erbgutvergleich soll festgestellt werden, ob Kolumbus tatsächlich der Sohn des Prinzen von Viana ist. Die Grablage seines mutmaßlichen Vaters im Kloster Poblet bei Tarragona ist bekannt. Dort hatten die Wissenschaftler unter der Leitung des Genetikprofessors José Antonio Lorente bereits Knochenproben entnommen. Ein Problem war indes, dass die Grablage der aragonesischen Könige im Laufe der Geschichte zweimal von Aufständischen geplündert und die Skelette aus den Sarkophagen herausgerissen worden waren. Später ordneten Mönche die Gebeine in die Grabnischen zurück. Im Sarg von Carlos de Viana fanden sich allerdings Knochen von gleich drei verschiedenen Menschen.

Was für den DNA-Vergleich noch fehlte, waren Knochenproben von Kolumbus und seinen nächsten Angehörigen. Auch hier erhielten die Forscher schließlich grünes Licht. Bereits im September 2002 wurde im Cartuja-Kloster in Sevilla Diego Colón, der Bruder des Entdeckers, exhumiert. Begleitet von einem regen Medieninteresse durften die Wissenschaftler neun Monate später in der Kathedrale von Sevilla die mutmaßlichen Gräber von Kolumbus und seinem Sohn Fernando öffnen. Seit November 2003 sind die Genetiker dabei, das den Knochen entnommene Erbmaterial zu untersuchen. Der Abgleich der Bio-Daten soll mögliche verwandtschaftliche Beziehungen belegen beziehungsweise ausschließen.

An dem wss die Grablage der aragonesischen Könige im Laufe der Geschichte zweimal von Aufständischen geplündert und die Skelette aus den Sarkophagen herausgerissen worden waren. Später ordneten Mönche die Gebeine in die Grabnischen zurück. Im Sarg von Carlos de Viana fanden sich allerdings Knochen von gleich drei verschiedenen Menschen.

Was für den DNA-Vergleich noch fehlte, waren Knochenproben von Kolumbus und seinen nächsten Angehörigen. Auch hier erhielten die Forscher schließlich grünes Licht. Bereits im September 2002 wurde im Cartuja-Kloster in Sevilla Diego Colón, der Bruder des Entdeckers, exhumiert. Begleitet von einem regen Medieninteresse durften die Wissenschaftler neun Monate später in der Kathedrale von Sevilla die mutmaßlichen Gräber von Kolumbus und seinem Sohn Fernando öffnen. Seit November 2003 sind die Genetiker dabei, das den Knochen entnommene Erbmaterial zu untersuchen. Der Abgleich der Bio-Daten soll mögliche verwandtschaftliche Beziehungen belegen beziehungsweise ausschließen.

An dem wissenschaftlichen Forschungsprojekt ist neben den Universitäten Granada und Rom sowie den Genetik-Experte

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