Pause mit Espresso und Kuchen

Alles für den Erfolg: So sieht ein Mallorca-Trainingstag des deutschen Rad-Idols aus

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Noch bis zum 20. Dezember trainiert Jan Ullrich auf Mallorca. Während die meisten anderen deutschen Radprofis, die man in den letzten Tagen auf den Insel-Straßen sehen konnte, an der Playa de Palma wohnen, mietete sich der Tour-de-France-Sieger von 1997 zusammen mit Kollege Tobias Steinhauser und Physiotherapeutin Birgit Krohme im Dorint-Hotel in Camp de Mar ein. Das Hotel war, wie die meisten Nobelherbergen auf Mallorca, recht leer – für Ullrich äußerst angenehm, er mag die Ruhe und will in dieser frühen Saisonphase den Grundstein legen für die Tour de France und die Olympischen Spiele in Athen. „Ja, das sind die absoluten Highlights des kommenden Jahres”, meint Ullrich im MM-Gespräch.

Und so sieht ein typischer Mallorca-Trainingstag des deutschen Rad-Idols aus:

Um acht Uhr klingelt der Wecker, Ullrich steht auf und blickt aus seinem Hotel-Fenster auf den Golfplatz von Camp de Mar und aufs Meer. „Als Erstes telefoniere ich mit meiner Family.” Er plauscht mit Lebensgefährtin Gaby Weis und der am 1. Juli geborenen Tochter Sarah Maria. „Wenn die Kleine schon wach sein sollte.” Dann geht's unter die Dusche und ab zum Frühstück.

Gegen halb neun sitzt Jan mit seinem Kumpel „Steini” beim Frühstück und freut sich über die Auswahl auf dem Buffet. „Ich esse eigentlich das, was ich immer frühstücke. Ein bisschen Müsli, etwas Brot mit Marmelade oder Honig, auch mal ein Ei. Eben, worauf ich gerade Lust habe. Man muss gut frühstücken, denn das Training geht ja danach los.” Nach dem Frühstück geht es wieder aufs Zimmer, der Verdauung wird Tribut gezollt, der Radler-Dress angezogen.

Gegen zehn Uhr fahren Tobias Steinhauser und Jan Ullrich los. Die beiden waren in den letzten Tagen vor allem im Südwesten der Insel unterwegs und lassen es verhältnismäßig locker angehen. „Berg hoch, Berg runter. Ich fahre zurzeit maximal einen 27er oder 28er Schnitt.” Anders als beim Trainingslager mit dem Team sind die Fahrer im Falle eines Falles auf sich selbst gestellt. „Wir haben alles mit. Werkzeug, Luftpumpe, Reserveschläuche. Und natürlich die Handys, damit wir notfalls anrufen können.” Physiotherapeutin Birgit Krohme bleibt im Hotel und wäre zum Beispiel bei einem Unfall schnell per Auto zur Stelle. Auch Regenzeug ist am Mann, „und Geld muss man dabei haben – nie ohne Geld! Damit man zur Not ein Taxi nehmen kann”, betont Ullrich.

Ein paar Euro braucht man auch zwischendurch: „Klar, wenn wir Hunger bekommen, halten wir auch mal spontan an und trinken zum Beispiel in einer Bar einen Espresso und essen ein Stück Kuchen, oder füllen an einer Tankstelle Wasser auf.”

Gegen 14 Uhr sind Ullrich und Steinhauser wieder im Hotel. Es kann auch mal etwas früher oder später werden, denn die Trainingseinheiten auf dem Rad umfassen zwischen drei und fünf, meistens aber vier Stunden. Wenn es nicht gleich in die Sauna geht, stellt sich Ullrich nun unter die Dusche, danach gibt's Mittagessen. Zum Beispiel Salat, Milchreis oder Griesbrei. „Etwas, was wieder Kohlenhydrate reinbringt.”

Spätestens um 16 Uhr findet man Jan Ullrich im Fitnessraum. „Dort stemmen wir nicht extrem Gewichte. Ziel ist, die Muskeln fit zu machen.” Zwischen 17 und 18 Uhr stehen dann Sauna und Massage auf dem Programm. Physiotherapeutin Birgit Krohme kümmert sich „mindestens eine Stunde” um Jan. „Das betrifft nicht nur die reine Massage, sondern auch Übungen für den Rücken, mal wird etwas eingerenkt, es geht um den ganzen Körper.” Um 20 Uhr wird zu Abend gegessen – wenn nicht irgendwelche Termine dazwischen kommen. Und nun neigt sich der Trainingstag von Jan Ullrich schon dem Ende zu.

„Kurz nach elf mache ich das Licht aus”, meint der Sportler. Am nächsten Morgen um acht geht's weiter.

Für eines hat der Radprofi im Laufe des Tages immer wieder Zeit: Er telefoniert mit seinen Lieben zu Hause. „Zwei- bis dreimal täglich auf jeden Fall. Manchmal auch fünf- oder sechsmal ...”

In der momentanen Trainingsphase lässt Jan Ullrich es locker angehen. „Es kann sein, dass wir nicht um zehn, sondern um zehn nach zehn loskommen. Das ist dann auch egal. Wir arbeiten im Moment so, dass wir im Januar gut trainieren können.” Dann ist Ullrich schon wieder auf Mallorca. Zusammen mit seinem neuen T-Mobile-Team bezieht er ab dem 10. Januar Quartier im Robinson-Club Cala Serena. Ob er auch bei der Mallorca-Rundfahrt Anfang Februar startet, steht noch nicht fest. „Vielleicht. Ich weiß es noch nicht, muss sehen, wie ich mich fühle. Der Vorteil der Mallorca-Rundfahrt ist ja, dass man nicht jeden Tag mitfahren muss. Mal sehen ... Wenn, dann würde ich aber nach dem Trainigslager direkt hier bleiben.”

Nach dem derzeitigen Mallorca-Training steht für Jan Ullrich am 21. Dezember in Baden-Baden die Wahl zum „Sportler des Jahres” auf dem Programm. Aufgrund seines Comebacks (2003 wurde Jan zum fünften Mal Zweiter bei der Tour de France) zählt er zu den Favoriten. Dann kommt das Weihnachtsfest, das er wahrscheinlich mit Familie in Merdingen verbringt.

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