Sauber, gastfreundlich, sicher: Calvià will Vorbildgemeinde werden

Carlos Delgado, Bürgermeister von Calvià, über Schulden, Sicherheit, Sauberkeit und Tourismus

MM: Schon im Wahlkampf haben Sie über die hohen Schulden der Gemeinde Calvià geklagt. Wie schlimm ist es?
Delgado: Unter dem Strich stehen 120 Millionen Euro Schulden. Das Ausmaß der Verschwendung war skandalös. Essen, Mobiltelefone, Geschenke – das Geld floss nur so aus der Gemeindekasse.

MM: Jetzt heißt es also den Gürtel enger schnallen und auf vieles verzichten.
Delgado: Ja und Nein. Nehmen Sie als Beispiel die Fiestas, für die sehr viel Geld ausgegeben wurde. Das Konzert des Radiosenders „40 Principales” in Santa Ponça in dieser Woche sollte 66.000 Euro kosten. Ich habe das stoppen lassen. Da kam der Sender, sagte, die Veranstaltung solle unbedingt stattfinden. Ich erklärte, dafür sei kein Geld da. Ergebnis: Jetzt macht 40 Principales das Konzert gratis. Wir sparen viel Geld, ohne dass die Bürger Nachteile haben. Dafür gibt es viele Beispiele.

MM: Lässt die angespannte Haushaltslage Ihnen Raum, um eigene Projekte voranzubringen?
Delgado: Freilich. Die Gemeinde hat einen großen Etat. Durch die Einsparungen werden wir nächstes Jahr die Grundsteuer einen Hauch senken können, die Schulden werden nicht erhöht. Ansonsten ist früher viel Geld für das Drumherum ausgeben worden. Nehmen Sie die Kunstpreise. Wir werden die Ausgaben für das unnötige Beiwerk um ein Drittel kürzen, dafür die Prämien für die Künstler sogar ein wenig erhöhen. So sparen wir Geld, gleichzeitig ist der Kultur geholfen.

MM: Sie sind auch für die Autobahn nach Peguera. Alles für die Autofahrer. Und wer kein Kfz hat, guckt in die Röhre?
Delgado: Sie haben Recht, der öffentliche Nahverkehr ist schrecklich. In einem Jahr haben wir das Problem gelöst.

MM: Wie?
Delgado: Wir verhandeln zurzeit mit dem balearischen Verkehrsministerium. Es herrscht Einigkeit: Wir wollen die Frequenzen der Busse deutlich erhöhen und die Verbindungen nach Palma und darüber hinaus durch einen Umsteigebahnhof in Palmanova aufstocken.

MM: Was tun Sie für die vielen Radfahrer in Calvià?
Delgado: Wir wollen eine Reihe von Radwegen anlegen. Die Landstraße zwischen Peguera und Es Capdellà soll beispielsweise sicherer werden, worum wir den zuständigen Inselrat gebeten haben. Wir wollen, dass dabei auch ein Radweg entsteht.

MM: Die Touristen beschweren sich meist über den vielen Dreck, sei es auf der Straße, im Meer oder in der Natur. Was wollen Sie tun?
Delgado: Ich bin mir der Schwere des Problems bewusst. Nach dem Amtsantritt haben wir bereits zwei zusätzliche Boote eingesetetzt, um das Meer zu reinigen, insgesamt sind es jetzt fünf. Dadurch hat sich die Zahl der Beschwerden schon halbiert. Gerade habe angewiesen, dass eine Verordnung ausgearbeitet wird, um Hundehalter hart bestrafen zu können, die hinter ihren Tieren nicht saubermachen. Außerdem arbeiten wir daran, Müllabfahr und Straßenreinigung deutlich zu verbessern.

MM: Nichts dagegen, Bürger zur Sauberkeit zu erziehen. Aber was ist mit den Firmen, die in großem Stil illegal Schutt abladen, wo es gerade passt?
Delgado: Jahrelang wurden in Calvià bei so etwas beide Augen zugedrück. Das ist vorbei. Ich habe bereits ein Unternehmen, das seit langem illegal Schutt ablud, schließen lassen und den Fall vor Gericht gebracht. Das ist das erste Mal, dass die Gemeinde so vorgeht. Die Polizei ist angewiesen, solche Fälle zur Anzeige zu bringen.

MM: Stichwort Polizei: Bürger und Touristen sorgen sich auch sehr um Sicherheit.
Delgado: Ich auch. Wir wollen die Lokalpolizei aufstocken, in jedem Viertel soll es eine Bürgerpolizei geben. Für die Guardia Civil wird gerade eine Wache für 100 Beamte gebaut. In den fünf Urlaubsorten sind Beamte im Einsatz, die sich jeden Tag darum kümmern, dass die Beschwerden der Touristen überprüft werden – sei es ein umgefallener Baum oder eine kaputte Straßenlaterne. Früher passierte gar nichts, im Herbst wurden die Papiere einfach weggeworfen.

MM: Was wird aus dem Paseo Calvià?
Delgado: Das ist ein gutes Projekt, vor allem in bestimmten Zonen. Eine tolle Sache, von Cas Català bis nach Portals laufen zu können. Anderswo ist weniger los. Leider ist der Unterhalt ziemlich teuer.

MM: Warum wollen Sie keine Ziffern zur Numerierung der Verkehrskreisel mehr anbringen? Das ist doch praktisch.
Delgado: Und wahnsinnig teuer. Eine Zahl kostet 18.000 Euro, und das bei der Verschuldung. Wer kommt denn auf so was? Viele Bürger finden's außerdem hässlich.

MM: So sehr sie die Ausgaben Ihrer Vorgängerin auch kritisieren: Sie hat dafür gesorgt, dass Calvià ein phantastisches Image hatte. Es gab einen Umweltpreis, man war auf der Expo, die Gemeinde galt als Modellfall für nachhaltige Entwicklung eines Urlaubsortes, sie half bei der Entzerrung der starren Saisonzeiten.
Delgado:Das war alles Marketing. In Calvià war Nájeras Ansehen schlecht, sonst hätte sie die Wahl nicht verloren. Viel schöner Schein, nichts dahinter. Die Hoteliers hatten es satt, dass jahrelang absolut gar nichts passierte. Im Winter wird Calvià leer sein.

MM: Was wollen Sie tun?
Delgado: Neue Angebote schaffen oder fördern, um den Wintertouristmus anzukurbeln. Seien es Sportanlagen, Themenparks, Golfplätze, Kultur, Wellness, Veranstaltungen und so weiter. Als erstes kommt ein Rasenplatz, damit Fußballvereine Trainingslager abhalten können. Wir wollen eine internationales Tennisschule, eine große Regatta, die Organisation der Schacholympiade und noch vieles mehr.

MM: Das will alles die Gemeinde machen?
Delgado: Nein, aber fördern. Es liegen viele Projekte der Privatwirtschaft auf dem Tisch. Veranstaltungen wiederum brauchen Sponsoren. MM: In Calvià wohnen mehr Ausländer als sonstwo auf Mallorca. Was wollen Sie für sie tun?

Delgado: Für uns ist die Britin Kate Mentink in den Gemeinderat eingezogen. Sie wird drei Mitarbeiter einstellen, davon einer deutsch, einer britisch, die die ausländischen Mitbürger hier um Rathaus umfassend in ihrer Muttersprache informieren.

MM: Sie selbst sind zwar Mallorquiner, sprechen aber spanisch. Warum?
Delgado: Weil mein Vater vom Festland ist und meine Ausbildung in der Schule und an der Uni auf Spanisch war. Ich bin für Zweisprachigkeit – aber richtig.

MM: Das bedeutet?
Delgado: Ich spreche in der Öffentlichkeit spanisch, wenn ein Dezernent dabei ist, soll er nach Möglichkeit mallorquín sprechen. Alle Schriftstücke sind zweisprachig. Die Bürger danken mir jedes Mal, wenn ich spanisch spreche, vor allem die ausländischen.

MM: Sie haben sich ja viel vorgenommen.
Delgado: Sie werden sehen: Schon in dieser Legislaturperiode wird sich Calvià komplett verändern.
Mit Carlos Delgado sprachen Michael Blum und
Alexander Sepasgosarian

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