Seefahrtsmuseum sucht guten Hafen

Neue Hoffnung: Behörde stellt ehemaligen Amtssitz in Aussicht

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Die "Balear", erbaut um 1920, ist eine inseltypische Llaüt, die noch als reiner Segler ohne Motorantrieb gezimmert wurde.

Die "Balear", erbaut um 1920, ist eine inseltypische Llaüt, die noch als reiner Segler ohne Motorantrieb gezimmert wurde. Das Schiff, das verschrottet werden sollte, wurde auf Initiative des Museumsvereins gerettet und später vom Inselrat renoviert.

Foto: Foto: Serge Cases
Die "Balear", erbaut um 1920, ist eine inseltypische Llaüt, die noch als reiner Segler ohne Motorantrieb gezimmert wurde.Mallorca besaß von 1950 bis 1973 ein Seefahrtsmuseum, das im Consolat de Mar untergebracht war.Wird hier von Mitte 2015 an das Museum untergebracht? Der alte Sitz der Hafenbehörde in Palma.Mallorca besaß von 1950 bis 1973 ein Seefahrtsmuseum, das hier im Consolat de Mar untergebracht war.

Hortensia Blanco sucht nach Worten, um die für sie absurde Situation zu erklären: Die Balearen sind wohl die einzige Meeresregion, die kein eigenes Seefahrtsmuseum besitzt. Und das schon seit Jahrzehnten. Ungeachtet dessen, dass auf Mallorca viele Menschen und Unternehmen hier ihr tägliches Auskommen mit dem Meer, der Schifffahrt und dem Seeverkehr verdienen. "Es ist unfassbar", sagt Blanco schließlich. Ein Satz, den sie schon oft gesagt haben wird. Lange Jahre war die Englischlehrerin die Präsidentin des Vereins der Freunde des maritimen Museums. Seit zwei Jahren hat diesen Posten das ebenfalls langjährige Vereinsmitglied, der Versicherungsagent Manuel Gómez, übernommen.

Blanco und Gómez ziehen an einem Strang: Sie wollen möglichst bald die Geschichte und Kultur der Seefahrt auf Mallorca in einen guten Hafen einlaufen sehen: In einen Hort, wo die nautischen Traditionen der Insel gepflegt, erforscht, dokumentiert und an jüngere Generationen und Interessierte weitervermittelt werden.

Kurioserweise hatte Mallorca einst ein solches Museum besessen. Es existierte von 1950 bis 1973 im Consolat de Mar, dem heutigen Sitz des balearischen Ministerpräsidenten. Dann wurde es wegen Bauarbeiten geschlossen. Diese zogen sich jahrelange hin. In der Zwischenzeit wandelte sich Spanien von einer Diktatur zur Demokratie, und dann gab es kein Platz mehr für das Museum.

Die Sammlung, die damals 185 Exponate umfasste, wurde an die Stifter zurückgegeben, verkauft, auf andere Institutionen verteilt, verschwand in Kisten und Kellern. 1978 gründete sich der Verein mit der Forderung einer Wiedereröffnung, 1997 erstellte er eine Bestandsliste. Sie besagte: Gut die Hälfte des einstigen Museumsschatzes ist verschollen.

Jüngst verspürten die Museumsfreunde unverhofft Wind in den Segeln: Die Hafenbehörde will ihnen ihren alten Amtssitz überlassen. "Das ist großartig, auch wenn es vorerst nur eine Willensbekundung des Behördenchefs Alberto Pons ist", sagt Gómez. Derzeit eruiere man den Platzbedarf. Der Verein hat unter anderem 16 erhaltenswerte Schiffe von drei bis zwölf Metern Länge vor dem Abwracken gerettet. Hinzu kommen Schiffsmodelle, historische Dokumente, Seemannskisten, Votivbildtafeln. Noch gebe es keine konkrete Planung. Doch Gómez ist zuversichtlich: "Läuft alles gut, dann könnte das Museum vielleicht schon Mitte 2015 eröffnen."

(aus MM 7 / 2014)

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