Zwiebelstangen mit Schwung in den Mund bugsieren

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Die Triebe werden auf Rebholz gegart. Foto: Lydia E. Larrey

Die Triebe werden auf Rebholz gegart. Foto: Lydia E. Larrey

Die Triebe werden auf Rebholz gegart. Foto: Lydia E. LarreyDie Triebe werden auf Draht eingfädelt.  Foto: Lydia E. LarreyDas Essen erfordert einiges an Geschick.

Latz vor den Oberkörper, Gesicht zum Himmel, Mund auf und runter mit dem "Calçot". Wer sich die längliche Zwiebelstange sauber in den Mund gleiten lassen will, braucht bei Tisch schon etwas Geschicklichkeit für die Spezialität, die aus dem Dorf Valls bei Tarragona den Weg in alle Katalanisch sprechenden Regionen Spaniens gefunden hat und sich auf Mallorca zunehmender Beliebtheit erfreut.

Teil der Gaudi ist es, den zarten Innenteil der Stangen ohne Besteck in die Romesco-Soße zu tunken und anschließend schwungvoll über dem Mund baumelnd in den Rachen zu befördern. Zutaten wie Mandeln, Haselnüsse, Tomaten, Knoblauch, Essig und Öl sorgen für ein intensives Orange, das beim Essen gerne die Kleidung versaut. Da die Calçots traditionell auf einem offenen Feuer aus Rebholz zubereitet werden, muss man zuvor aber das rußgeschwärzte Zwiebelgrün von dem wunderbar weichen Kern abziehen. Mit den Fingern der einen Hand das weiße Innere festhalten, mit der anderen Hand an der schwarzen Hülle ziehen. Schon ist das Gemüse fertig zum Verzehr.

Die buttrig weichen Calçots - botanisch gesehen handelt es sich um junge Zwiebeltriebe - schmecken viel milder und süßlicher als im erwachsenen Zustand. Fast erinnern sie ein wenig an Spargel, der in Katalonien und auf Mallorca ebenfalls gerne mit Romesco verzehrt wird. In einer körnigeren Variante mit mehr Knoblauch ist die National-Sauce auch als "Salvitxada" bekannt und passt gut zu Fleisch oder Fisch. Wenn die Frühlingszwiebeln durchgegart sind und das Feuer heruntergebrannt ist, grillt man über der Glut ohnehin gerne Butifarra-Würste und Lammkoteletts. Frische Orangen oder eine Crema Catalana, die bekannte Eiercreme mit braun karamellisierter Oberfläche, können als Dessert dabei helfen, dass sich das schwere Essen besser setzt.

Unbedingt zum Essen gehört auch eine Glaskaraffe mit langem Ausguss. Aus dem "Porrón" kann man sich Rot- oder Weißwein direkt in die Gurgel spritzen oder ganz zivilisiert ins Glas füllen. Wenn im Herkunftsort Valls am 29. Januar rund um die Calçots das größte Volksfest des Jahres gefeiert wird, fließt darüber hinaus auch der Cava in Strömen. Saison haben die Frühlingszwiebeln von Januar bis Ende März, und werden derzeit auch in vielen mallorquinischen Traditionsrestaurants angeboten, etwa im Molí d'es Comte in Establiments oder im "Ses Coves" in Gènova. In dem Restaurant von Joan Arboix und seiner Frau Carmen kann man das Calçot-Essen (35 Euro) mit einem Besuch in der hauseigenen Höhle verbinden. Für Besucher geöffnet wird das Wahrzeichen des Stadtteils von Palma in der Nebensaison aber nur von Dienstag bis Freitag jeweils bei einer Führung um Punkt 12 Uhr (Kosten: 8 Euro).

Preiswertere Alternative sind öffentliche Calçotadas, wie sie bisweilen in den Dörfern Mallorcas stattfinden. Die größte Veranstaltung findet man dieses Jahr am Sonntag, 29. März, ab 13.30 Uhr bei der Sporthalle von Capdepera. Tickets zum Preis von 10 Euro sind bis 19. März beim Touristenbüro Capdepera und im Centre Cap Vermell in Cala Rajada erhältlich. Im Preis enthalten sind neben Calçots auch Grillfleisch und ein Nachtisch. Die Einnahmen kommen den Sozialdiensten der Gemeinde zugute.

(aus MM 11/2015)

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