Weinpapst ist kein Mallorca-Fan

Robert Parker lässt die Insel links liegen. Das beruht weitgehend auf Gegenseitigkeit . Dennoch spielen die. Parker-Punkte eine nicht zu unterschätzende Rolle

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Sommelier Eduardo Saavedra hält die Parker-Kriterien für teilweise etwas einseitig.

Sommelier Eduardo Saavedra hält die Parker-Kriterien für teilweise etwas einseitig.

Foto: Foto: Patricia Lozano
Sommelier Eduardo Saavedra hält die Parker-Kriterien für teilweise etwas einseitig.Silvi Rullán Navarro und ihr Vater haben bei den spanischen Kunden eine Vorliebe für die Guía Peñín ausgemacht.Positive Bewertungen von Robert Parker und seinen Testern sorgen für zusätzliche NachfrageDer frühere Anwalt Robert Parker gilt mit seinen Publikationen als bedeutendster Meinungsmacher auf dem Weinmarkt.

"Dieser Mistkerl hat immer recht", sagte Schriftsteller Roald Dahl einmal über den US-amerikanischen Weinkritiker Robert Parker, der mit seinen Bewertungen auf der 100-Punkte-Skala weltweit die Winzer zum Zittern bringt. Schwerpunkte im 2000 Seiten schweren Parker's Wine Guide sind Frankreich, Italien und Anbauregionen in Übersee, aber auch das spanische Festland spielt mit den geschützten Herkunftsbezeichnungen La Rioja, Ribera de Duero und Galicien eine gewisse Rolle.

Andere Gebiete wie Deutschland oder Mallorca bearbeitet der amerikanische Weinpapst, der von den Ideen von Verbraucherschützer Ralph Nader inspiriert ist und sich als Anwalt der Käufer sieht, dagegen eher auf Sparflamme. Und Recht hat er auch nicht immer: Das Weingut Schloss Johannisberg bezeichnet er als "Johannishoff", Espenschied verwechchselt er mit "Espenschild", aufgeführt sind auch Winzer, die vor 20 Jahren den Betrieb aufgegeben haben.

Auf der Insel gehen Parker & Co. zwar etwas akribischer zu Werke, doch flächendeckend wahr genommen werden die Produkte bisher nicht. "Das liegt an den teilweise recht willkürlichen Auswahlkriterien", meint Sommelier Eduardo Saavedra aus Tarragona, der Mallorca regelmäßig auf Geschäftsreisen besucht. Während die letzten Einträge für die Bodegas Son Bordils, Jaume Mesquida und Ribas schon einige Zeit zurück liegen, kamen in den vergangenen Jahren Binigrau, José L. Ferrer sowie vor allem Anima Negra und "4 kilos" zum Zug.

Nicht unbedingt eine repräsentative Auswahl also, da einige traditionsreiche Namen komplett fehlen. Besonderen Gefallen finden die Tester offenbar an jungen und unkonventionellen Bodegas, deren Weine bisher nicht einmal unter dem Dach der geschützten Herkunftsbezeichnungen auf der Insel geführt werden.

Weine von "4 kilos" haben die Experten von Parkers Wine Guide und dem zum gleichen Verlag gehörenden Abo-Magazin "The Wine Advocate" seit 2007 schon sieben Mal mit großzügigen Bewertungen zwischen 88 und 93 Punkten bedacht. Für Anima Negra gibt es in der Online-Ausgabe (www.eRobertParker.com) insgesamt sogar 22 Bewertungen mit 87 Punkten aufwärts.

Inselbester und unangefochtener Star ist derzeit der Anima Negra Son Negre 2010 mit 94 Punkten und einem von Künstler Miquel Barceló gestalteten Etikett. Nach Bekanntgabe der Bewertung hat der edle Tropfen seinen Wert mehr als verdoppelt und wird mittlerweile zu Preisen von über 100 Euro pro Flasche gehandelt.

Kenner führen die Übergewichtung bestimmter Bodegas auf eine sogenannte "Parkerisierung" zurück. Das heißt, die Weine werden speziell für den Parker-Geschmack gekeltert, also im Barrique mit lieblichen Fruchtnoten, eingängiger Nase und eventuell etwas Vanille-Fond. Mallorquinische Terroir-Weine mit manchmal auch rauheren Noten fallen dabei leicht durchs Raster. Für viele Winzer ein Grund, ihre Produkte gar nicht erst einzureichen.

Zu ihnen gehört auch Ramón Servalls von Macià Batle, der internationale Wettbewerbe mit mehrköpfigen Expertenjurys für weit aussagekräftiger hält als die Parker-Kriterien.

Bekräftigt wird er darin von unabhängigen Weinhändlern wie Silvi Rullán Navarro und ihrem Vater Antonio Rullán Hilger in Palmas Industriegebiet Can Valero. "Der Valduero Gran Reserva 2001 hat zum Beispiel 95 Punkte und kostet 40 Euro, der Reserva 2007 aus dem gleichen Haus hat dagegen keine Parker-Punkte, dafür aber eine Goldmedaille aus Brüssel. Er kostet rund 19 Euro. Wir würden eher diesen Wein empfehlen", meinen die beiden. Natürlich bediene man aber auch gerne die Parker-Fans.

Vor allem für den Export nach England und die USA seien die Parker-Punkte im Großhandel sehr wichtig, was mit zur Dominanz des Rioja-Weins auf den internationalen Märkten beitrage. Spanische Kunden setzten dagegen eher auf die Bewertungen in der einheimischen "Guía Peñin", während bei den Deutschen jenseits aller Rankings der Wein aus Mallorca einen Vertrauensbonus habe. Zu verdanken sei das nicht nur der Zuneigung zur Lieblingsinsel, sondern auch den Gastronomen, die immer mehr Inselweine auf die Karte nehmen. "Das jährliche Wachstum liegt immer noch bei 7 Prozent", meint Silvi Rullán.

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