"Mainz ist einmalig"

Der Mallorquiner Miguel Garriga aus Selva ist Teil der Vereinsgeschichte des Bundesligisten Mainz 05

Nils Müller | 07.01.2012

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Wimpel, Trikot, Fotos, Vereins-chroniken, Zeitungsausschnitte: Miguel Garriga hütet die Andenken an seine Mainzer Zeit.

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Wenn die Fußballprofis von Mainz 05 sich auf Mallorca für die Bundesliga-Rückrunde in Form bringen, dann werden sie am Rande des Trainingsplatzes das Gesicht eines Mallorquiners entdecken. Miguel Garriga will es sich nicht nehmen lassen, seinen "Nachfolgern" bei der Arbeit zuzuschauen. Denn der Mann aus dem kleinen Dörfchen Selva bei Inca hat selber mal das Trikot der 05er getragen.

Das ist zwar ein halbes Jahrhundert her, seine Liebe zu den Mainzern aber ungebrochen. "Nicht Real Madrid oder Barcelona - für mich kommt Mainz an erster Stelle", meint der einstige Mittelfeldakteur, der in den Jahren 1961 bis 66 insgesamt 40 Spiele für die Mainzer bestritt. So weist es noch heute die offizielle Klubstatistik aus.

"Hier, das war am 18. November 1961", erläutert Garriga und faltet einen kleinen Zeitungsausschnitt auseinander. "Mein Debüt in der ersten Mannschaft, gegen Saarbrücken."

Mainz spielte damals in der Oberliga Südwest, mehr ging nicht. 1963 wurde die Bundesliga eingeführt, der FSV musste mit der Regionalliga, dem Unterbau der neuen Elite-Klasse vorlieb nehmen.

Miguel Garriga, der seit zwölf Jahren als Manager für seinen Stammverein Constancia tätig ist, war schon als Jugendlicher ein begeisterter Kicker - "Mein Vater dagegen stand mehr auf Stierkampf." Und der Papa wollte, dass aus Sohnemann etwas wird. Da immer mehr Touristen aus Deutschland kamen, sollte Miguel für ein Jahr nach Alemania gehen, um die Sprache zu lernen.

Danach ein Jahr in England und dann ein Job an einer Hotelrezeption auf Mallorca. Soweit der Plan. Doch es kam anders. Garriga blieb zwölf Jahre in Deutschland. In England war der Mallorquiner, der am Dienstag 72 Jahre alt geworden ist, bis heute nicht.

Dafür spielte er Fußball beim FSV Mainz 05. Mehr als ein besseres Taschengeld kassierte Garriga als Vertragsspieler nicht. Aber er bekam einen Job, weil ein Vorstandsmitglied eine Firma für Glas- und Gebäudereinigung hatte. Garriga wurde Fahrer. Und lernte nebenbei Erika kennen, die Tochter des Chefs. Im Februar 1965 wurde geheiratet. Das Paar, das sich schließlich 1972 in Selva niederließ, hat sechs Kinder. Drei in Deutschland geboren, drei auf Mallorca.

"Mainz ist einmalig", lobt Miguel Garriga. Auch wenn er anfangs mit dem Klima kämpfen musste. "Schnee im August ...". Aber er schätzt die Geschichte, die Menschen der Stadt. Und den Karneval. "Drei bis vier Tage, ohne nach Hause zu kommen ..."

Auch den Arbeitseinsatz der Deutschen fand der Spanier beachtlich. Er holte für die Firma im Kleinbus Frauen ab, die auf dem Land lebten und in der Stadt putzten - neben ihrer Arbeit auf dem Bauernhof. Deutschland war damals, gut 15 Jahre nach dem Krieg, noch nicht komplett wieder aufgebaut.

Auf Mallorca hatte Garriga später seine eigene Gebäudereinigungsfirma, war außerdem 20 Jahre als Trainer für verschiedene Klubs tätig, arbeitete als Fußball-Kommentator für Fernsehsender. Man kennt ihn in der Szene.

In Mainz ist der Mann aus Selva schon seit vielen Jahren nicht mehr gewesen. Kontakt zur heutigen Vereinsführung gibt es nicht. Aber Freundschaften haben die Jahrzehnte überstanden. So bekommen die Garrigas heute noch Besuch von Manfred Zimmer und Albert Neunecker. Zwei Namen, die den älteren Mainz-05-Fans geläufig sind.

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