Sonneninsel Mallorca - Warum ist das Wetter hier so schön?

Der wichtigste Faktor ist der Breitengrad

Jonas Martiny | 25.08.2011

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Eitel Sonnenschein ist auf Mallorca der Normalfall. Diese Tatsache dürfte für einen großen Teil der Inselbesucher und -bewohner entscheidende Bedeutung haben. Während Deutschland häufig wechselhafte Sommer erlebt, freut sich Mallorca fast immer über schönes Wetter - dem Klima sei Dank.

„Wir sind schon privilegiert", sagt Romualdo Romero, Physiker und Klimaexperte an der Balearen-Universität. „Wir haben hier das typische mediterrane Klima" - viel Sonne, meist angenehme Temperaturen und nur wenig Niederschläge, heiße und trockene Sommer, milde und nicht allzu regnerische Winter.

Welchen Umständen aber verdankt Mallorca sein Klima? Der wichtigste Faktor ist der Breitengrad, sagt Romero. Je näher der Äquator, desto höher die Intensität der Sonnenstrahlung. Die rund 1000 Kilometer, die Mallorca südlicher liegt als Deutschland (nämlich auf dem 39. Breitengrad der Nordhalbkugel), machen sich hier durchaus bemerkbar, erklärt der Klimaexperte.

„Zum Großteil verdanken wir das angenehme Klima auf der Insel jedoch auch dem Azorenhoch", sagt Romero. Dieses nach der zu Portugal gehörenden Inselgruppe im Atlantik benannte Klimaphänomen gilt gemeinsam mit dem „Islandtief" als die „Wetterküche" Europas, da es entscheidenden Einfluss auf das Klima des Kontinents hat.

„Hochdruckgebiete werden allgemein mit gutem Wetter in Verbindung gebracht", erklärt Romero, „denn sie verhindern die Wolkenbildung." Die Folgen sind auf Mallorca besonders im Sommer spürbar, wenn die Wetterlage in der Regel über mehrere Monate hinweg stabil freundlich ist.

Da sich das Azorenhoch im weiteren Jahresverlauf in Richtung Süden verschiebt, liegen die Balearen dann nur noch am Rande seines Wirkungsbereiches. „Unwetter sind die Folge", so Romero. Der niederschlagreichste Monat ist auf Mallorca der Oktober, auch wenn schon der August oder September erste heftige Regenfälle bringen können („gota fría" - „kalter Tropfen").

Dennoch zeichnet sich längst nicht nur der mallorquinische Sommer durch gutes Wetter aus. Bestes Beispiel sind die „calmes", der sogenannte „kleine Sommer", der regelmäßig mitten im Januar die Menschen ins Freie lockt. Die „calmes" zeichnen sich neben dem strahlenden Sonnenschein und Temperaturen von mehr als 20 Grad durch völlige Windstille aus.

Neben südlicher Lage und Azorenhoch haben weitere Faktoren direkte Auswirkungen auf das Insel-Klima, wie etwa die relativ geschützte Lage. „Die umliegenden Gebirge wie die Alpen, das Zentralmassiv in Frankreich und die Pyrenäen verhindern, dass kalte Nordluft ungehindert zu uns gelangen kann", sagt Romero.

Dazu kommt die ganzjährige Wirkung des Meeres. Romero: „Das Mittelmeer ist wegen seiner geringen Größe ein besonders warmes Meer. Die permanente Sonneneinstrahlung führt zum Ansteigen der Wassertemperatur." Rund um die Balearen sei das Wasser niemals kälter als 14 Grad (im Februar), im Sommer steigt die Temperatur auf bis zu 26 Grad an der Oberfläche.

„Das Meer wirkt wie ein Temperaturregler", sagt Romero. Da Mallorca eine recht kleine Insel ist, mache sich dieser Effekt deutlich bemerkbar: Das Meer beeinflusst die Lufttemperatur, weshalb sowohl im Winter wie im Sommer moderate Temperaturen vorherrschen. Werte von 40 Grad und mehr wie in manchen Gegenden der iberischen Halbinsel wie etwa Andalusien seien deshalb auf Mallorca ebenso die große Ausnahme, wie extreme Kälteperioden im Winter.

Selbst im Januar liegt die Durchschnittstemperatur hierzulande bei 9,3 Grad. Was nicht heißt, dass es nicht auch auf Mallorca Leute gibt, die sich über das Wetter beschweren. So macht manch einem etwa die im Hochsommer immer wieder einmal aus dem Süden kommende afrikanische Hitze zu schaffen. „Diese heiße Luft legt sich wie ein Deckel über die unteren Luftschichten und verhindert deren Aufsteigen", erklärt Romero: „Es weht also kein Wind."

Gleichzeitig lässt die Hitze Meerwasser verdunsten, wodurch die Luftfeuchtigkeit steigt. Dies wiederum verhindert, dass der Schweiß verdunstet - das körpereigene Kühlsystem gerät ins Stocken, das Hitzegefühl verstärkt sich. „Das Resultat sind diese unerträglich schwülen Tage, wie es sie hierzulande manchmal gibt." Nein, auch auf Mallorca ist nicht alles eitel Sonnenschein. 

STICHWORT KLIMA

Für Missverständnisse sorgt leicht die falsche Verwendung des Begriffs „Klima". Dieses ist nämlich nicht mit „Wetter" gleichzusetzen. Wenn es heute regnet, morgen stürmt und übermorgen sonnig ist, dann ist das „Wetter". Dass die Durchschnittstemperatur auf Mallorca fast sechs Grad über der in Deutschland liegt, das ist „Klima".

Die Welt-Meteorologen-Organisation der UNO (WMO) formuliert folgende Definition: Wetter ist das, was zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Atmosphäre geschieht. Klima dagegen ist das „durchschnittliche Wetter". Gerade beim Thema Klimawandel führt die falsche Verwendung der Begriffe zu Missverständnissen. Dass es in diesen Tagen auf Mallorca ziemlich heiß war, ist kein Hinweis auf den Klimawandel. Wohl aber, dass die durchschnittliche Temperatur seit 50 Jahren um fast ein Grad gestiegen ist.

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